Wohnung in „schockierendem Zustand“

Loffenau (ham) – Eine in „schockierendem Zustand“ hinterlassene Flüchtlingswohnung hat den Loffenauer Gemeinderat beschäftigt. Nach kontroverser Diskussion plädierte die Mehrheit für die Sanierung und Vermietung der Unterkunft in der Oberen Dorfstraße 14.

Die bisherige Flüchtlingswohnung in der Oberen Dorfstraße 14 wird für rund 10 000 Euro saniert und soll dann für mindestens fünf Jahre vermietet werden. Die FWG-Räte wollten die verwüstete Wohnung lieber gleich verkaufen. Foto: Metz

© ham

Die bisherige Flüchtlingswohnung in der Oberen Dorfstraße 14 wird für rund 10 000 Euro saniert und soll dann für mindestens fünf Jahre vermietet werden. Die FWG-Räte wollten die verwüstete Wohnung lieber gleich verkaufen. Foto: Metz

Vermietung oder Verkauf? Die Nachnutzung einer offensichtlich ziemlich heruntergekommenen Flüchtlingsunterkunft in der Oberen Dorfstraße 14 entzweite den Loffenauer Gemeinderat. Die Mitglieder der Freien Wählergemeinschaft (FWG) bevorzugten den Verkauf der Wohnung, der Rest des Gemeinderats will durch die Vermietung der 60 Quadratmeter zumindest Verluste vermeiden.

Mit acht Befürwortern und vier Gegenstimmen sowie einer Enthaltung (alle von der FWG) setzte sich der Vorschlag der Verwaltung durch, den Bertram Herb verfeinert hatte. Der CDU-Gemeinderat sah die Gefahr, dass man die Wohnung weder an den Miteigentümer des Gebäudes noch an sonst jemand „verkauft kriegt. Vermietet bekommen wir die Wohnung aber. Nach fünf Jahren wäre dies wirtschaftlich für die Gemeinde und können die Wohnung dann dem Miteigentümer des Gebäudes erneut anbieten“, schlug Herb vor und verwies auch auf einen Landeszuschuss über 7 800 Euro, der dann wegen einer Zehn-Jahres-Bindung nicht zurückzuzahlen ist. Den Vorschlag, 2025 nochmals über die Wohnung zu debattieren, fand Bürgermeister Markus Burger daher auch „sehr gut und praktikabel“.

Die „optimistische Sicht der Kämmerin teile ich nicht“, betonte Reiner Singer die Position der FWG und sprach von einer „Schönrechnerei“ der Vermietung, die ungewiss sei angesichts des Wohnungszustands. Daniela Tamba erwartete bei einer Veräußerung für 42 000 Euro und der Rückzahlung des Zuschusses von 7 800 Euro sogar einen Bilanzverlust für die Gemeinde von letztlich fast 22 000 Euro. Dagegen sei bei einer Vermietung selbst im ungünstigsten Fall nach 25,5 Jahren ein Plus von 35 000 Euro zu erwarten; im Optimalfall gar von 85 000 Euro.

Derzeit eine Schrottimmobilie

Dass es sich nach dem Auszug einer Flüchtlingsfamilie derzeit mehr um eine Schrott- als eine Edelimmobilie handelt, wurde durch die Aussagen aller Gemeinderäte offenbar. In dem Gebäude aus dem Jahr 1890, das die Kommune 2015 als Unterkunft vom Land für knapp 16 300 Euro erworben und für fast 61 500 Euro komplett saniert hatte, herrschten wohl untragbare Zustände: Von Schimmel war in der Sitzung ebenso die Rede wie einer nach vier Jahren ruinierten Einbauküche. „Bei der Besichtigung hat uns der Zustand schockiert“, gestand Wolfgang Reik. Der Chef der SPD & Aktiven Loffenauer Bürger (ALB) „kann sich nur schwer vorstellen, dass 10 000 Euro für die Sanierung reichen“. Diesen Betrag nannte Burger nach Rücksprache mit örtlichen Loffenauer Handwerkern.

Nachfrage zu günstigem Preis vorhanden

Der Bürgermeister „musste auch zugeben, dass man die Wohnung besser verkauft, wenn man sie so erst einmal sieht. Aber Fachleute sagen, die Wohnung wäre nach der Sanierung vermietbar“. Burger warb deshalb angesichts der Zahlen von Tamba, „die eine eindeutige Sprache sprechen“ doch für die Vermietung. Die Sanierungskosten „rentieren sich nach 2,6 Jahren“, verwies der Schultes auf die erhoffte Monatsmiete von 321 Euro. Und sollten statt der 5,30 Euro pro Quadratmeter nur 4,50 Euro auf Sozialwohnungsniveau erlöst werden, sei das auch noch in Ordnung. „Belegt bekommen wir die Wohnung auf jeden Fall. Es gibt immer Mietanfragen, auch im niedrigen einfachen Segment“, betonte Burger.

Hatte CDU-Fraktionssprecherin Sylvia Westermeyer zunächst auch eher den Verkauf favorisiert, überzeugte der Vorschlag ihres Parteikollegen Herb sie und die Mehrheit im Gremium, es mit der 10 000-Euro-Sanierung und Vermietung zu probieren.

Roland Seeger (FWG) hielt die Mietpreis-Hoffnungen für „sportlich“ und zu „hoch für ein uraltes Gebäude, bei dem man nur auf der Straße sitzen kann“. Seine Anregung, künftig die von der Gemeinde vermieteten Wohnungen „einmal im Jahr zu besichtigen“, um nicht erneut solche Zustände nach einem Auszug anzutreffen, versprach Burger ins Visier zu nehmen.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.