Wohnungsbau auf 20-Jahre-Hoch

Karlsruhe (vn) – Die Region Mittlerer Oberrhein profitiert von einer stabilen Bevölkerungsentwicklung. Der Nachfrageüberhang bei Baufertigstellungen wird Schritt für Schritt abgebaut.

Urbane Siedlungstypen sind heute gefragter denn je. Foto: Christian Charisius/dpa

© dpa

Urbane Siedlungstypen sind heute gefragter denn je. Foto: Christian Charisius/dpa

Der über Jahre hinweg stark angespannte Wohnungsmarkt in der Region zwischen Bühl und Waghäusel bewegt sich in eine positive Richtung. Dies ist der stabilen Entwicklung der Einwohnerzahlen zu verdanken, bilanziert der Regionalverband Mittlerer Oberrhein.
Er vergleicht regelmäßig die Bevölkerungsentwicklung mit den Baufertigstellungen. Es zeigt sich, dass sich die Zuwanderungsgewinne ab 2018 deutlich abgeschwächt haben. Zugleich werde der über Jahre aufgebaute Nachfrageüberhang Schritt für Schritt abgebaut, erklärt Verbandsdirektor Gerd Hager. Dies führte zu einem 20-Jahre-Hoch beim Wohnungsbau in der Region. Nach Daten des Statistischen Landesamtes wurden 2020 rund 3.500 neue Wohneinheiten fertiggestellt, der höchste Wert seit dem Jahr 2000.

Zugleich belegen die Daten, dass mehr Menschen die Stadt Karlsruhe verlassen (minus 3.624 im vergangenen Jahr), während die Einwohnerzahlen im Umland steigen: Kreis Karlsruhe plus 1.751, Kreis Rastatt plus 671, Stadtkreis Baden-Baden plus 264. Mit diesen Wanderungsbewegungen kommt die Region jedoch gut zurecht.

Bemerkenswert ist, dass der Anteil der Einfamilienhäuser bei den Fertigstellungen von 53 Prozent im Zeitraum 2002 bis 2006 auf 32 Prozent in den Jahren 2015 bis 2020 zurückgegangen ist. „Ein attraktiver Angebotsmix verschiedener Wohnkonzepte hat den Fokus auf das Einfamilienhaus abgelöst“, erläutert Hager.

Laut Regionalverband steigt selbst in kleineren Umlandgemeinden die Nachfrage nach Geschosswohnungen. Die Gemeinden berücksichtigen diesen Trend zunehmend in ihren Bebauungsplänen. „Das Angebot entspricht dem Bedarf, dem Lebensstil und dem Lebensgefühl der Neubürger“, ist sich Hager sicher und verweist auf den wichtigen Beitrag, der damit beim Flächensparen geleistet wird.

Man wohnt gerne wieder großzügiger


In den 80er Jahren war das noch kein Thema, damals dominierte das Einfamilienhaus bei den Baufertigstellungen. Der starke Zuzug in den 90ern und zahlreiche Konversionsprojekte auf ehemaligen Kasernen-Arealen bescherten dem Geschosswohnungsbau einen markanten Höhepunkt. Es folgte in den 2000er Jahren ein weiterer Einfamilienhausboom, während seitdem der Wohnformenmix dominiert.

Heute sind urbane Siedlungstypen gefragter denn je – mit kurzen Wegen und einem guten Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr. Dabei spielen flächensparende Strukturen nicht nur bei der Innenentwicklung eine Rolle, sondern auch bei neuen Wohngebieten im Außenbereich. Hager: „Unsere Kommunen schaffen beispielsweise Wohnbauprojekte und zeigen, dass Einwohnerdichte, hohe Lebensqualität und städtebauliche Attraktivität miteinander vereinbar sind.“

Dabei leben die Menschen in der Region gerne wieder etwas großzügiger, wie am Indikator Wohnfläche abzulesen ist. Laut Statistischem Landesamt ging die Wohnfläche je Einwohner zwischen 2015 und 2017 landesweit vorübergehend zurück. 2019 übertraf sie mit rund 48 Quadratmetern den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2014 knapp. Zum Vergleich: 1990 lag die Wohnfläche pro Kopf noch bei rund 36 und im Jahr 2000 bei rund 40 Quadratmetern.

In Großstädten sinkt die Zahl der Einwohner

Wohnungen in den Zentren der Großstädte werden knapper und teurer. Dieser Trend dürfte nach Einschätzung des Statistischen Landesamtes der Grund dafür sein, dass 2020 sieben der neun Großstädte im Südwesten Einwohner verloren haben. So ging in Stuttgart die Bevölkerungszahl um 5.606 Menschen zurück, berichteten die Statistiker. Karlsruhe folgt auf dem vorletzten Platz mit einem Minus von 3.624, danach kommt Heidelberg (minus 2.744). Auch Mannheim, Ulm, Freiburg und Heilbronn mussten Federn lassen. In 33 der 44 Stadt- und Landkreise im Land stieg die Einwohnerzahl. Am höchsten war der Zuwachs in den Kreisen Heilbronn (plus 1.907) und Karlsruhe (plus 1.751) sowie im Ortenaukreis (plus 1.627). Insgesamt nahm die Bevölkerungszahl in Baden-Württemberg um etwa 2.600 auf rund 11,1 Millionen Menschen zu. Das ist nach Angaben der Behörde ein neuer Höchststand. Allerdings sei das Plus das geringste seit 2009 gewesen. Die Zahl der Geburten ging auf rund 108.000 zurück (2019: 109.000), während die Zahl der Sterbefälle um etwa 4.400 auf 116.000 stieg – wohl auch wegen der Corona-Pandemie.

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

Zum Artikel

Erstellt:
14. Juni 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.