Wohnungswirtschaft: Gedankenaustausch in Baden-Baden

Baden-Baden (tas) – Der Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen traf sich in der Kurstadt und formulierte Forderungen an die Politik.

Bauen, bauen, bauen: Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums ist seit Jahren Streitthema.Foto: Soeren Stache/dpa

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Bauen, bauen, bauen: Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums ist seit Jahren Streitthema.Foto: Soeren Stache/dpa

Auf den Schultern der Wohnungseigentümer lastet viel. So sieht es zumindest die Wohnungswirtschaft selbst. Sie soll den Klimawandel mit bekämpfen, gleichzeitig aber für ausreichend bezahlbaren Wohnraum sorgen. „Enteignungen und Mietendeckel sind dafür keine geeigneten Mittel“, sagt Peter Bresinski, Vorsitzender des Verbands baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (VBW).

Am Mittwoch traf sich der Verband stellvertretend für die Wohnungswirtschaft im Südwesten im Baden-Badener Kongresshaus, um sich über Mietpreisbremse, mögliche Enteignungen in Berlin, den angespannten Wohnungsmarkt und energetische Sanierungen auszutauschen. Die Themenfelder sind seit Jahren prädestiniert fürs politische Parkett und waren auch für die Bundestagswahl prägend.

Vor allem der am Wahlsonntag in Berlin vorgelegte Volksentscheid, der eine Enteignung von Wohnungskonzernen in der Hauptstadt zum Ziel hat, sorgt in der Immobilienbranche für Kopfzerbrechen. „Die Menschen in Berlin sind verzweifelt“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft (GdW). Für ihn ist jedoch klar: „Das ist keine gute Idee.“ Statt auf Konfrontation zu setzen, müssten sich alle Seiten bewegen.

Auch beim Thema Neubau sieht Gedaschko Deutschland mittlerweile auf dem Abstellgleis: „Es ist dumm, wie Deutschland sich selbst ein Bein stellt.“ Die Schaffung von ausreichend Wohnraum, der dann auch noch klimaeffizient sein soll, müsse gemeinsam gedacht werden. „Wir müssen mit neuen Ideen in die Zukunft gehen.“

Zumindest teilvorgefertigt


Beispiel serielles Bauen. Hier bewege sich das Land zu langsam vorwärts. Gedaschko: „Wir brauchen echte Fabriken dafür, allein über das Handwerk wird es nicht funktionieren.“ Beim seriellen Bauen geht es um beschleunigte Planungs- und Herstellungsprozesse. Wohnungsgebäude werden nicht mehr nur auf der Baustelle errichtet, sondern ähnlich wie in der Automobilbranche durch industrielle Herstellungsprozesse in einem Werk zumindest teilvorgefertigt.

Auch Dieter Rebitzer, Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen, sieht einen Innovationsstau beim Bauen in Deutschland. „Wir bauen – abgesehen von der Gebäudedämmung – heute immer noch so wie vor 20 Jahren.“ Viele neue Ideen seien hierzulande entwickelt, aber in anderen europäischen Ländern – beispielsweise den Niederlanden oder Schweden – auch umgesetzt worden. „Und hierzulande trauen wir uns das nicht. Wir müssen unser System überdenken.“

Bresinski sieht einen Hemmschuh für Innovationen auch in der Überregulierung. „Wir reden immer nur darüber, irgendwelche Standards hochzufahren. Das wird immer teurer, bringt am Ende aber immer weniger“ – beispielsweise beim Klimaschutz. Mit weniger Mitteln könne man in der Fläche mehr erreichen, wenn man Wirtschaft und Forschung technologieoffen arbeiten ließe. Die künftige Bundesregierung fordert er auf, schnell gute Lösungen für die Herausforderungen am Wohnungsmarkt zu liefern. „Wir sehen die vom Bundeskabinett beschlossene Aufstockung der Mittel für die energetische Gebäudesanierung auf 11,5 Milliarden Euro als einen ersten wichtigen Schritt an, der verstetigt werden muss, um den Klimaschutz im Gebäudebereich sozialverträglich umsetzen zu können.“

Der VBW vertritt 266 Wohnungs- und Immobilienunternehmen im Land, die genossenschaftlich organisiert sind oder zu Gebietskörperschaften und Sozialverbänden zählen. Sie bewirtschaften zusammen rund 460.000 Wohnungen.


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