Wolfgang Hempel feiert 90. Geburtstag

Gaggenau (BT) – Der frühere SWF-Archivar, Wolfgang Hempel, wird 90 Jahre alt. Seinen Geburtstag möchte der Wahl-Ottenauer in Ruhe angehen.

Will seinen 90. Geburtstag in Ruhe angehen: Wolfgang Hempel. Foto: Ute Kretschmer-Risché

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Will seinen 90. Geburtstag in Ruhe angehen: Wolfgang Hempel. Foto: Ute Kretschmer-Risché

Ein stolzes Alter: Wenn Wolfgang Hempel auf seine neun Lebensjahrzehnte zurückblickt, fallen ihm viele Worte ein. „Stolz“ auf sein Lebenswerk gehört jedoch nicht dazu. Am Donnerstag feiert der frühere Archivar des SWF seinen 90. Geburtstag. Dabei ist das schon wieder ein falsches Wort: Der Wahl-Ottenauer feiert nicht. Er will seinen Tag in Ruhe angehen. Lieber im stillen Kämmerlein überlegen, was er als Nächstes plant.

Umtriebig. Dieses Wort könnte passen. Hempels Vita umfasst mehrere Seiten mit vielen Stationen. Geboren vor 90 Jahren im ostwestfälischen Minden, wuchs er, wie viele seiner Generation, vaterlos auf. Unter dem Eindruck von NS-Zeit und Krieg beschäftigt ihn Geschichte und die Aufarbeitung von Verfolgung und Unterdrückung bis heute. So war er ehrenamtlicher stellvertretender Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien in Potsdam ebenso wie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Forschungsstelle „Widerstand gegen den Nationalsozialismus im deutschen Südwesten“ an der TU Karlsruhe. Jede Auswahl seiner Funktionen und Aktivitäten wird seinem Gesamtwirken nicht gerecht.

Als Träger des Verdienstordens des Landes Brandenburg, Ehrensenator der FH Potsdam und weiterer Ehrentitel kennen ihn die Badener aber vor allem als Leiter des Fachbereichs Dokumentation und Archive beim damaligen SWF und als Mitglied der FDP, in deren Reihen er jüngst bei der Gründung der Jugendorganisation der Jungliberalen im Murgtal dabei war. Sehr engagiert, sehr aufgeschlossen, sehr herzlich. Diese Wörter passen.

Hempel ist voller Tatendrang

Das Haus in Ottenau ist voller Bücher – und er selbst voller Tatendrang. Würde er alles lesen, was ihn interessiert, würde er alles umsetzen, was ihn beschäftigt, „müsste er mindestens 200 Jahre alt werden“, sagt seine Frau Reinhilde über ihn. „Verantwortung, Verlässlichkeit, Großzügigkeit“, das sind ihre Worte, wenn sie ihren Mann umschreibt. Sohn Klaus, eines von drei Kindern, setzt hinzu: „Er ist uneigennützig, extrem reflektiert und zutiefst menschlich.“ Das macht ihn wohl auch so neugierig; jeder Tag beginnt mit Lesen und Schreiben.

Professor h. c. Hempel ist auf Facebook unterwegs, informiert sich, teilt Beiträge und Veranstaltungen zu Geschichte, Film und Literatur. „Nicht mehr ärgern“ will er sich und hofft, dass seine vier Enkel und alle jungen Menschen „nicht auf Rattenfänger reinfallen und unsere Demokratie aufrecht halten“.

Auch deshalb hat er sich stets der Aufklärung und der Verbreitung von Wissen insbesondere über die bündische Jugend, jüdische Kultur, die Stigmatisierung von Sinti und Roma oder der Fortbildung wissenschaftlicher Dokumentare gewidmet. Ein Wegbegleiter beschreibt Wolfgang Hempel als Persönlichkeit, der es darum geht, „interessante Menschen zusammenzuführen“. Darauf hoffen alle, die ihn kennen und schätzen, noch lange.

Ihr Autor

Ute Kretschmer-Risché

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Erstellt:
14. Oktober 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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