„Wünsche mir fröhlich gelebten Glauben“

Gernsbach (mak) – Für die Gernsbacher Baptistengemeinde ist die rund zweieinhalb Jahre währende Vakanz ohne Pastor vorbei.

Pastor Kurt Nübel hat sich neben der Gemeindearbeit auch viele Jahre im Bereich Eheberatung engagiert. Foto: Koch

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Pastor Kurt Nübel hat sich neben der Gemeindearbeit auch viele Jahre im Bereich Eheberatung engagiert. Foto: Koch

Zum Monatsanfang hat Pastor Kurt Nübel seine Arbeit bei der Gernsbacher Baptistengemeinde aufgenommen. Am Sonntag, 20. September, wird er um 15 Uhr offiziell in sein Amt eingeführt.

Kurt Nübel erblickte in Freudenstadt das Licht der Welt, nach der Schule absolvierte er in einem örtlichen Musikhaus die Ausbildung zum Klavierbauer. Doch in diesem Beruf sollte er nicht lange bleiben, ab 1979 studierte er drei Jahre lang am Theologischen Seminar des Bunds Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Erzhausen bei Darmstadt. Sein Anerkennungsjahr absolvierte er in Stuttgart-Vaihingen, wo er anschließend als Pastor arbeitete. Weitere berufliche Stationen waren Bietigheim-Bissingen und Heidenheim. „Ab 1996 habe ich dann nur noch in Teilzeit als Pastor gearbeitet“, berichtet der 64-Jährige im BT-Gespräch.

1991 nahm Ehepaar Nübel das erste Pflegekind bei sich auf, Ende der 1990er Jahre intensivierte sich die Arbeit mit Pflegekindern, da waren von den drei eigenen Kindern schon zwei aus dem Haus. Zeitweise hatte das Paar bis zu vier Kinder in Pflege, auch Kinder mit Beeinträchtigungen. Jahrzehntelang hat sich Kurt Nübel darüber hinaus gemeinsam mit seiner Frau Rosi im Verein „Begegnungen in der Ehe“ engagiert, seit 2007 hat er den Verein geleitet. Dieser organisiert bundesweit pro Jahr rund 20 Wochenenden für Ehepaare, die an ihrer Beziehung arbeiten wollen. „Wir erreichen damit etwa 450 Paare pro Jahr“, verdeutlicht Nübel. Im Laufe der Jahre hat Ehepaar Nübel etwa hundert Seminare geleitet, die sich vorwiegend aus Spenden finanzieren. Ende August hat Nübel die Leitung in andere Hände übergeben.

Ein weiterer Schwerpunkt von Kurt Nübel ist die Arbeit als Trauerredner für Konfessionslose, die er seit 1996 macht. „Der Umgang mit dem Thema Tod und mit Trauernden ist mir meistens leicht gefallen“, erzählt der Pastor.

Vor fünf Jahren zog das Ehepaar nach Baiersbronn-Tonbach in das elterliche Haus von Rosi Nübel. Kurt Nübel begann damit, als Teilzeit-Pastor eine Volksmissionsgemeinde in Betzweiler-Wälde zu betreuen. Dann stieß seine Frau im November vergangenen Jahres beim Stöbern im Internet auf die Stellenanzeige der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in Gernsbach. Nübel bewarb sich und hatte rasch ein erstes Gespräch mit Gemeindeleiter Achim Fritz, im Januar stellte er sich dem Gemeinderat vor. Mitte März hätte er eigentlich seine erste Predigt in Gernsbach halten sollen, doch dann kam die Corona-Pandemie dazwischen. Im Mai votierten die Gemeindemitglieder in schriftlicher Abstimmung für die Einstellung von Kurt Nübel, der in Teilzeit angestellt wird. Seit Januar dieses Jahres arbeitet er ebenfalls in Teilzeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen in einer Außenwohngruppe des Bonifazhofs in Bad Rippoldsau-Schapbach. Sein Arbeitsvertrag mit der Gernsbacher Baptistengemeinde beläuft sich zunächst auf zwei Jahre, doch Nübel meint: „Ich lebe nicht auf die Rente zu.“

Am Dienstag fand ein Kennenlernabend in der Christuskirche statt, bei dem die Gemeindeglieder sich vorstellen und ihre Erwartungen an den Pastor formulieren konnten. „Mir ist es wichtig, die Menschen in dieser Stadt zu erreichen“, meinte Nübel. Jesus habe gesagt, „an eurer Liebe untereinander sollen die Menschen erkennen, dass ihr meine Jünger seid“. Er wünsche sich zudem einen fröhlich gelebten Glauben: „Das ist doch viel attraktiver, als wenn wir voller Angst unterwegs sind. Und wenn wir keine Hoffnung haben, wer soll sie dann vermitteln?“

Aufgrund der Corona-Pandemie steht beim Gottesdienst zur Amtseinführung nur eine begrenzte Zahl an Sitzplätzen zur Verfügung. Eine Anmeldung an lothar.dieterle@christuskirche-gernsbach.de ist erforderlich.

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Erstellt:
16. September 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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