Würmersheimer Eidechsen-Idylle

Durmersheim (HH) – Eigenartige Haufen in der Nähe des Rottlichwalds: Sie sind ein Idyll für Eidechsen, geschaffen als Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in die Natur, die an anderer Stelle erfolgten.

Im Vordergrund sind die Arrangements aus Ästen zu sehen, wo Zauneidechsen heimisch werden sollen, im Hintergrund die Westendstraße in Würmersheim, wo es bald Bauplätze geben wird. Foto: Helmut Heck

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Im Vordergrund sind die Arrangements aus Ästen zu sehen, wo Zauneidechsen heimisch werden sollen, im Hintergrund die Westendstraße in Würmersheim, wo es bald Bauplätze geben wird. Foto: Helmut Heck

Beim Spazieren durch Feld und Flur westlich von Würmersheim fallen in der Nähe des Rottlichwalds eigenartige Haufen auf. Sie bestehen aus Sand, Reisig, vertrockneten Ästen, Resten von Baumstämmen und -stümpfen. Man sieht den Arrangements an, dass sie absichtlich so angeordnet wurden, wo sie noch dazu mit schmalen schwarzen Plastikbahnen regelrecht eingerahmt sind.

Auch im Würmersheimer Ortschaftsrat wurde jüngst nach dem Zweck der seltsamen „Holzstapel“ gefragt. Bürgermeister Andreas Augustin kannte die ernüchternde Lösung des Rätsels. Das wie sorgfältig dekoriert anmutende Naturgerümpel ist in Wahrheit eine Erscheinung der Neuzeit, mit Wurzeln im Baurecht.

Bei den Haufen handelt es sich schlicht und einfach um Ausgleichsmaßnahmen, wie sie etwa bei der Schaffung von Baugebieten oder einzelnen Neubauprojekten angeordnet werden. Ihr Zweck ist es, Eingriffe in die Natur wettzumachen. Bei den Totholz-Hügeln geht es speziell um Zauneidechsen. Ortsbaumeister Hans-Martin Braun lieferte auf Nachfrage des BT weitere Informationen und wies auf die mittlerweile weite Verbreitung solch künstlich angelegter Reptilien-Habitate hin.

Immer öfter trifft man in freier Landschaft auf derartige Gebilde, auf der Hardt östlich von Durmersheim gibt es einige davon. Etliche dort sind Folgen des Baus der neuen Bahntrasse und der B36. Am Südrand der Gemeinde, wo Gelände für einen Supermarkt erschlossen wird, musste die Gemeinde ebenso ein Ersatzareal anlegen lassen. Vielen Leuten sei das unbekannt, wusste Braun aus Erfahrung zu berichten. Weil wegen der Corona-Einschränkungen mehr Menschen als sonst durch die nähere Umgebung wandern, seien die Haufen immer mal wieder Thema. Auch für illegale Müllablagerungen seien sie schon gehalten worden, berichtet Braun.

Die neuen Eidechsen-Quartiere bei Würmersheim hängen mit dem kleinen Neubaugebiet zusammen, das an der Westendstraße entstehen soll, und mit der Gewerbegebietserweiterung an der Siemensstraße. Beide Areale sind ebenfalls mit Eidechsen-Barrieren aus Plastikfolie ausgestattet. Dort sollen sie helfen, die Tiere einsammeln zu können. In die Erde eingegrabene Eimer dienen als Fallen.

Die Gefangenen werden abtransportiert und ins neue Zuhause gebracht, wo die Kunststoff-Umzäunung den Zweck hat, Fluchtversuche zu unterbinden. Die flinken Wesen sollen lernen, sesshaft zu werden. In der Regel dauere es drei Generationen, bis die Eidechsen die neue Heimat als die ihre betrachten, berief sich Braun auf Fachleute. Ob dieser besondere Naturausgleich funktioniert, muss durch Monitoring überprüft werden.

Der Naturschutzbund NABU, der die scheuen Geschöpfe sowohl für 2020 als auch für 2021 zum „Reptil des Jahres“ erkoren hat, beschreibt sie als anpassungsfähig, ohne hohe Ansprüche an ihre Lebensräume. Zu ihren bevorzugten Gefilden gehörten beispielsweise Straßenränder, Bahntrassen und Schotterflächen. Im Vergleich dazu könnte man die hergerichteten Flächen bei Würmersheim verträumte Idyllen nennen.

Bleibt abzuwarten, wie es den Tieren gefällt. Hat die Umquartierung wie erhofft geklappt, könne die Umzäunung entfernt werden. Die Zauneidechsen dürfen wieder springen und hüpfen, wie ihnen der Sinn steht. Lange tollen sie nicht umher. Gut die Hälfte des Jahres verharren sie in Winterstarre. Aktiv sind sie von März/April bis September, erfährt man aus einer Sonderbroschüre des NABU, der die Eidechsen zu den „farbenprächtigsten heimischen Tiere“ zählt.

Dieser Ruf ist der Beschreibung zufolge unter anderem den leuchtend grünen Flanken zu verdanken, mit dem die Männchen zur Paarungszeit Eindruck schinden wollen. Das Schimmern wiederum weist auf den kaum gebräuchlichen Sammelnamen jener Gattung hin, zu der das Zaunreptil gehört: Smaragdeidechse.

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Erstellt:
8. Juni 2021, 14:00 Uhr
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