Wunderheilung? Straßenbelag plötzlich wieder ok

Bietigheim/Elchesheim-Illingen (as) – Der eigentlich mangelhafte Belag der K3737 zwischen Elchesheim-Illingen und Bietigheim ist plötzlich wieder in Ordnung. Die Fachleute sind überrascht.

Die „Verdrückungen“ haben sich „verfahren“, sagt das Straßenbauamt: Die Kreisstraße zwischen Bietigheim und Elchesheim-Illingen ist deshalb nun freigegeben. Foto: Yvonne Hauptmann

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Die „Verdrückungen“ haben sich „verfahren“, sagt das Straßenbauamt: Die Kreisstraße zwischen Bietigheim und Elchesheim-Illingen ist deshalb nun freigegeben. Foto: Yvonne Hauptmann

Von Spontanheilungen hat man schon gehört und gelesen, und nicht nur die Bibel berichtet von so manchem Wunder. Aber so hoch wollen wir hier gar nicht greifen – zumal das im Zusammenhang mit einer Straßensanierung irgendwie unpassend erscheint. Und doch mutet es nahezu wundersam an, was mit der Kreisstraße 3737 passiert ist.

Doch spulen wir zurück in den Mai dieses Jahres: Mit der Mitteilung, die frisch sanierte Asphaltoberfläche der K3737 zwischen Elchesheim-Illingen und Bietigheim weise „erhebliche Mängel“ auf, sorgte das Straßenbauamt des Landkreises für Aufruhr. Der aufgetragene Belag sei zu weich, hieß es. Als nämlich zur Fertigstellung der seitlichen Bankette Bagger und Lkw über den neuen Belag fuhren, zeigten sich direkt Fahrspuren und eingedrückte Stellen. Die für rund 300.000 Euro frisch sanierte Straße schien schon wieder sanierungsbedürftig.

Daher wurde sie nach vierwöchiger Vollsperrung nur vorübergehend für den Verkehr freigegeben – und mit einem Tempolimit von 50 Stundenkilometern, auch weil die Fahrbahnmarkierung noch fehlte. Zugleich wurden zwei unabhängige Prüfinstitute beauftragt, den Belag zu untersuchen. Unverständnis und Kopfschütteln in der gesamten Region waren die Folge.

Fachleute überrascht und ratlos

Wochenlang hörte man dann nichts mehr vom „Casus K3737“. Bis Mitte August plötzlich die Fahrbahn markiert und die Geschwindigkeitsschilder von ihrer Verhüllung befreit wurden – eine fast geheime Kommandosache. Keine Pressemitteilung dazu, keine offizielle Freigabe und auch keinerlei Erklärung zu den Hintergründen.

Lediglich in den Gemeindeanzeigern von Bietigheim und Elchesheim-Illingen gab es vergangene Woche eine dürre Mitteilung. Die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen hätten ergeben, dass die „nach den einschlägigen Regelwerken geforderten Grenzwerte eingehalten sind“, hieß es darin und weiter: „Nach fünf bis sechs Wochen unter Verkehr hatten sich zudem die anfänglichen glatten bis speckigen Teilflächen ,verfahren‘“.

Als das BT nachfragt, spricht Thomas Marx, Leiter des Kreis-Straßenbauamts, von Überraschung und Ratlosigkeit der Fachleute. Griffigkeitsmessungen hätten jedenfalls ergeben, dass die erforderlichen Grenzwerte eingehalten sind, betont Marx, wenn auch knapp. Damit habe man die Straße ohne Einschränkungen freigeben können.

Alles nur heiße Luft also? Das weist der Amtsleiter weit von sich. Er habe sich persönlich davon überzeugt: Die Materialfehler seien offensichtlich gewesen. Doch offenbar habe sich das mutmaßlich zu viel verwendete Bindemittel in der Deckschicht verflüchtigt, sagt Marx. Eine richtige Erklärung dafür habe niemand, deshalb habe man sich auch schwergetan, das Ganze öffentlich zu erläutern. Man könne nur mutmaßen, ob Sonneneinwirkung oder Reifenabrieb hier Wunder bewirkt haben. Die anfänglichen „Verdrückungen“ hätten sich jedenfalls „verfahren“.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
22. September 2021, 10:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 16sec

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