Wunderschöne Krippen – gebaut mit nur einer Hand

Baden-Baden (cn) – Christopher Kah aus Steinbach bastelt detailgetreue Krippen in seiner Werkstatt. Durch einen Unfall kann er dafür nur noch eine Hand nutzen.

Mit einer Hand führt Christopher Kah einen Holzblock an der Bandsäge.  Foto: Christina Nickweiler

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Mit einer Hand führt Christopher Kah einen Holzblock an der Bandsäge. Foto: Christina Nickweiler

Ein hohes kreischendes Geräusch ertönt, als Christopher Kah den Schalter der Bandsäge betätigt, das Sägeblatt sich rasant in Bewegung setzt und er mit der rechten Hand vorsichtig einen kleinen Holzblock durchsägt. Aus dem Holzstück werden nach weiteren Arbeitsgängen kleine Dachschindeln für einen Miniatur-Stall entstehen. Der Steinbacher baut leidenschaftlich gerne Weihnachtskrippen, und zwar einhändig.

Christopher Kah verfolgt sein Hobby schon einige Jahre und überrascht regelmäßig zur Weihnachtszeit seine Freunde und Bekannten mit immer wieder neuen Exemplaren. Als Jugendlicher faszinierten ihn vor allem detailgetreue Krippen. „Schon als Kind habe ich gerne gewerkelt“, erzählt der heute 36-Jährige. Nach der Mittleren Reife begann er eine Ausbildung zum Forstwirt. Als 18-Jähriger hatte Christopher Kah aber einen Unfall, bei dem sein linker Arm durch eine Lähmung für immer geschädigt wurde. Nach der Reha-Phase absolvierte er dann eine kaufmännische Ausbildung. Aber sein Faible für die Arbeit mit dem Werkstoff Holz ist geblieben. Der Hobbybastler hat sich inzwischen darauf spezialisiert, die Weihnachtskrippen mit einer Hand zu bauen.

Mit vielen Handgriffen entstehen unter anderem Weihnachtskrippen im orientalischen Stil.  Foto: Christina Nickweiler

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Mit vielen Handgriffen entstehen unter anderem Weihnachtskrippen im orientalischen Stil. Foto: Christina Nickweiler

Dabei kommt ihm zugute, dass die Arbeit mit Holz in seiner Familie Tradition hat und er auf eine Werkstatt im Keller zurückgreifen kann. Schon sein Urgroßvater, Franz Kah, war Schreiner. Sein Großvater, Albert Kah, trat als Schreiner in die Fußstapfen seines Vaters. Alberts Bruder, Bernhard, war als Restaurator in Kirchen und Schlössern auch außerhalb der Region unterwegs. Der Großvater erwarb in unmittelbarer Nähe seines Wohnsitzes ein großes Gelände an der Ecke Grabenstraße/Mälzergasse, wo früher einmal eine Mälzerei mit einem Turm stand. Jedenfalls bauten Christopher Kahs Großvater und sein Großonkel schon in den 1930er-Jahren dort Weihnachtskrippen. Alte, aber intakte Holzhobel sowie Holzbeitel in verschiedenen Größen zeugen von dem künstlerischen Schaffen der Ahnen. Die Werkzeuge hängen noch heute akkurat an der Wand der Holzwerkstatt.

Als Werkzeugmachermeister setzte Christophers Vater, Franz Kah, die Tradition im Handwerk dergestalt fort, dass in der heimischen Werkstatt selbst konstruierte und umgebaute Sondermaschinen für den Holzbau Einzug hielten. So stammt die Bandsäge, an der Christopher Kah die Holzblöcke für das Schindeldach der Krippe absägt, aus einer ehemaligen Metzgerei. „Mit dieser Säge wurden früher große Knochen und Schweinehälften durchgesägt. Mein Vater hat die Säge als Schrott erworben und umgerüstet“, berichtet Christopher Kah.

Das Umbauen von Werkzeugen hat sich inzwischen auch der Krippenbastler zu eigen gemacht. Nachdem Christopher Kah an der Bandsäge kleine Blöcke aus Tannenholz gesägt hat, spannt er diese in eine Vorrichtung und spaltet mit einem befestigten Fleischermesser aus Edelstahl die dünnen Scheiben. „Nun sind die Dachschindeln in der richtigen Größe“, befindet er, als er diese abmisst.

Sonderwerkzeug Marke Eigenbau: Mit diesem eigens gefertigten Gerät kann Christopher Kah mit einer Hand das Holz verarbeiten. Foto: Christina Nickweiler

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Sonderwerkzeug Marke Eigenbau: Mit diesem eigens gefertigten Gerät kann Christopher Kah mit einer Hand das Holz verarbeiten. Foto: Christina Nickweiler

Die Methode anhand vieler Arbeitsgänge aus etwas Großem, etwas Kleineres zu kreieren, erinnert irgendwie an die Kunst, aus einem Baumstamm einen Zahnstocher zu fabrizieren. Tatsächlich lagern etliche größere und dicke Bretter im Keller, die der Handwerker für künftige Krippenprojekte verarbeiten will. Dennoch bezieht Christopher Kah auch jedes noch so unbedeutend erscheinende Brett oder Holzstück aus dem Alltagsgebrauch in seine Konstruktionen ein. „Ich bin immer auf der Suche nach Material. Ich finde überall etwas“, sagt er.

Auch alte Weinkisten aus Holz oder Schaschlikspieße verbaut er in seinen Weihnachtskrippen. Die zuletzt genannten Utensilien verwendet er beispielsweise als Sprossen bei einer Leiter, mit der die fiktiven Figuren aus seiner Miniaturwelt auf den Heuboden steigen. Ebenso nutzt er die dünnen Holzstäbchen, wenn er mit Nägeln aus Holz Bauteile miteinander verbinden will. „Vorbohren, Holznägel einschlagen, wo es sinnvoll ist“, lautet des Baumeisters knappe Devise. In der Tat lassen sich oberflächlich an den Krippenbauten weder Metallnägel noch Schrauben finden. Dachlatten, Sparren, Giebelverkleidungen und Schindeln sind größtenteils geklebt.

Drei Treppenstufen aus Holz lenken die Blicke des Betrachters auf eine Holztür. Am unteren Ende befindet sich eine Türschwelle. Diese weist bei starkem Regen das Wasser ab. In der Mitte befindet sich eine Türklinke aus Metall, sie bewegt sich, lädt zum Hereintreten ein. Was lässt sich hinter dem Sprossenfenster aus echtem Glas im Innern des Hauses erspähen? Der Verputz zwischen dem Fachwerk wirkt in die Jahre gekommen. Der Sockel ist sogar etwas beschädigt. Der Reiz für Christopher Kah besteht darin, seinen Häusern, Hütten und Ställen den Hauch des Vergangenen zu verleihen. „Holz muss aussehen, als hätte es schon 100 Jahre auf dem Buckel“, meint der Könner. Wie ihm das gelingt, das bleibt freilich sein künstlerisches Geheimnis.

„KünstlerischeAlterung“

Mehrere Wochen sitzt Christopher Kah an einem Kunstwerk. Während er an der Werkbank sägt, schabt, misst und klebt, vergisst er oft die Zeit um sich herum. Sind die Gebäude der Krippe, bestehend aus Stall und Wohnhaus, fertig, beginnt das Drapieren mit verschiedenen Attributen. Hier ein Stapel Holz, dort eine Sense oder ein Rechen für das Heu. Eine Krippe, die der Tüftler vor zwei Jahren gebaut hat, verfügt sogar über einen kleinen Nistkasten.

Mit den Jahren habe er seine Arbeitsweise immer weiter verbessert, schildert Kah seine Erfahrungen. Deswegen erfolgt nach dem Prozess der „künstlerischen Alterung“ – wie der Bastler diesen Arbeitsgang bezeichnet – die Elektroinstallation mit Trafo und Lämpchen, um der Heiligen Familie ein warmes Licht zu zaubern.

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Erstellt:
25. Dezember 2021, 15:00 Uhr
Lesedauer:
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