Wut über „Ignoranz“ beim Bauen

Baden-Baden (hez) – Großer Ärger im Gestaltungsbeirat: Beim Bau von Mehrfamilienvillen in der Baden-Badener Kapuzinerstraße wurden die Vorgaben des Gremiums missachtet.

Unschöne Stützmauer und frei im Garten stehende Wärmepumpe: Im Gestaltungsbeirat herrschte Empörung. Foto: Henning Zorn

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Unschöne Stützmauer und frei im Garten stehende Wärmepumpe: Im Gestaltungsbeirat herrschte Empörung. Foto: Henning Zorn

Das war ein Ärger im städtischen Gestaltungsbeirat! Erstmals musste man sich in öffentlicher Sitzung nicht über unzureichende Planungen ärgern, sondern über zwei bereits fertiggestellte Mehrfamilienvillen, bei denen nicht korrekt umgesetzt wurde, was mit den Experten des Gestaltungsbeirats besprochen worden war. „Mit Ignoranz“ habe man hier in ein sensibles Gebiet reingebaut, schimpfte Bürgermeister Alexander Uhlig.

Hässliche Stützmauer und Wärmepumpe im Garten

Die Kapuzinerstraße liegt in einem zwar teilweise etwas überformten historischen Villengebiet, doch die für solche Stadtviertel entwickelten Grundsätze der Baden-Badener Baufibel gelten auch hier. Aber diese, so muss die Verwaltung heute feststellen, wurden bei zwei noch nicht lange fertiggestellten Mehrfamilienhäusern (Kapuzinerstraße 8 und 10) nicht im gewünschten Umfang beachtet. Wer vor den Gebäuden steht, dem fällt besonders die hässliche Stützmauer entlang der Lessingstraße und eine nicht minder unattraktive Wärmepumpe im Garten auf.

Die Kritik der Verwaltung richtet sich in erster Linie gegen die Gestaltung der Fassaden und der Freianlagen. In beiden Bereichen sei das Bauvorhaben abweichend von der 2018 erfolgten Beratung im Gestaltungsbeirat sowie der Genehmigung realisiert worden. „Was hier gebaut wurde, hat nichts mit der Prägung des Villengebietes zu tun“, betonte Uhlig in der Sitzung und beklagte, dass der Eigentümer nicht erschienen sei. Die Vorsitzende des Gestaltungsbeirats, Stefanie Eberding, betonte, dass bei Neubauvorhaben in Villengebieten eine hohe Verantwortung bestehe. Im Fall Kapuzinerstraße sei sie sehr enttäuscht vom Ergebnis, denn „die Dinge waren anders besprochen worden“. Gerade im Bereich der Außenanlagen und Einfriedungen sei die „Qualität auf der Strecke geblieben“. Da seien Nachbesserungen erforderlich.

„Weg finden, der alle zufriedenstellt“

Der zuständige Architekt beim Bau der Mehrfamilienvillen, Rolf Buttkus, räumte in der Sitzung ein, dass es bei der Gestaltung der Außenanlagen Änderungen gegenüber den Planungen gegeben habe. Doch die Kubatur der Gebäude sei so umgesetzt worden, wie es genehmigt worden sei. Das beruhigte Eberding allerdings ganz und gar nicht: „Es geht hier nicht um die Kubatur, sondern um das Erscheinungsbild, das anders ist, als es versprochen wurde.“ Nun müsse man hier „retten, was noch einigermaßen geht“, meinte Bürgermeister Uhlig. Eberding forderte vom Architekten Vorschläge zur Verbesserung der Situation bei den Einfriedungen und Freiräumen.

Anderes Erscheinungsbild als besprochen und genehmigt: Jetzt soll es Änderungen geben – auch wenn der Bau eigentlich fertig ist. Foto: Henning Zorn

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Anderes Erscheinungsbild als besprochen und genehmigt: Jetzt soll es Änderungen geben – auch wenn der Bau eigentlich fertig ist. Foto: Henning Zorn

Buttkus zeigte Verständnis: „Wir müssen einen Weg finden, der alle zufriedenstellt.“ Dass die Verwaltung gewillt ist, hier strenge Maßstäbe anzulegen, konnte man der Sitzungsvorlage entnehmen. Darin heißt es etwa, dass noch geprüft werden müsse, ob hier gegen das „Verunstaltungsverbot“ verstoßen worden ist.

Stadtrat Wolfgang Niedermeyer (FBB) begrüßte, dass hier nun zum ersten Mal bei einem Bauprojekt, mit dem sich das Gremium befasst hat, eine „Nachbearbeitung mit Qualitätskontrolle“ erfolge. Klaus Bloedt-Werner (CDU) sagte Bürgermeister Alexander Uhlig für solche Fälle Unterstützung aus dem Bauausschuss zu.

Der Beirat und die Verwaltung wollen aus den jetzt gemachten Erfahrungen Konsequenzen ziehen, denn „so kann es nicht weitergehen“ (Uhlig). Er und Eberding betonten, dass man künftig mehr noch auf Gestaltungsdetails und die geplante Verwendung von Materialien achten werde. Dazu wolle man von den Bauherren ausführliche Informationen verlangen. Diese Vorgehensweise wurde auch gleich in der Sitzung praktiziert. So stand erneut der Bau eines Einfamilienhauses im Lenauweg am Rande des Villengebiets Beutig-Quettig auf der Tagesordnung. Dem Bauherrn konnte zwar beschieden werden, dass er sich mit der Planung in die richtige Richtung bewege. Doch ein endgültiges OK gab es noch nicht. Vielmehr forderte der Gestaltungsbeirat genaue Materialbeschreibungen und kündigte an, dass er den Planungsprozess noch länger begleiten wolle.

Ihr Autor

BT-Mitarbeiter Henning Zorn

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Erstellt:
20. Mai 2022, 08:20 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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