„Z“-Schmierereien auf Rastatter Bolzplatz

Von BT-Redakteur Egbert Mauderer

Rastatt (ema) – Der Ukraine-Krieg zeigt auch in Rastatt immer wieder Spuren. Parolen und Provokationen finden sich auf beiden Seiten. Nun gab es an einem Bolzplatz „Z“-Schmierereien.

„Z“-Schmierereien auf Rastatter Bolzplatz

Provokation: Ausgerechnet auf Farben der ukrainischen Flagge hat ein Unbekannter das „Z“ gesprüht. Foto: Privat

„Ich bin erschüttert“, schreibt die junge Mutter in ihrer Mail an die Zeitungsredaktion. Im Anhang: Ein Foto von einer Farbschmiererei auf dem Bolzplatz am Altmurgweg in Rastatt. Dreimal der Buchstabe Z über einem blaugelben Ballsymbol. Unverkennbar: Die russische Staatspropaganda im Ukraine-Krieg erreicht auch Köpfe und Hände in Rastatt. Kein Einzelfall, wie Polizei und Stadtverwaltung bestätigen.

Viel ist gerätselt worden über die Bedeutung des Z auf Militärfahrzeugen der russischen Armee. Das Zeichen wird gegenwärtig als Symbol der Unterstützung und zur Staatspropaganda für den Angriffskrieg auf die Ukraine verwendet – nicht nur in Russland. Für was das Z genau steht, dazu gibt es widersprüchliche Spekulationen. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, das Zeichen „Z“ sei eine Abkürzung der russischen Wortkombination „für den Sieg“. Die Mutmaßungen schossen auch deshalb ins Kraut, weil im kyrillischen Alphabet das Schriftzeichen Z gar nicht existiert.

Die BT-Leserin, die sich verärgert an die Redaktion wandte und ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, spricht von einer gezielten Provokation. Schließlich entsprechen die Farben blau und gelb auf dem Ballsymbol just den Farben der ukrainischen Flagge. Der Polizei war bis zur Anfrage unserer Redaktion der Vorfall nicht bekannt; jetzt laufen Ermittlungen, wie ein Sprecher unserer Zeitung sagte.

„Z“-Schmierereien können mit Freiheitsstrafe geahndet werden

Bei der juristischen Einordnung kann die Farbschmiererei durchaus gravierendere Sanktionen als bei einer einfachen Sachbeschädigung nach sich ziehen. Das Zeigen des Symbols kann in Deutschland unter Strafe stehen, wenn damit eine positive Bewertung der Invasion der Ukraine zum Ausdruck gebracht wird. Grundlage der Ermittlungen, so die Polizei, sei der Paragraf 140 des Strafgesetzbuchs („Billigung von Straftaten“), der eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vorsieht.

Der Schilder-Fall in der Rheinau ist nicht der erste Vorfall in Rastatt, der einen Schatten des Ukraine-Überfalls bis auf die lokale Ebene wirft. Laut Polizei ist eine Streife in der Nacht zum 11. Mai im Stadtgebiet auf ein geparktes Auto gestoßen, an dessen Kofferraumklappe mit schwarzem Klebeband ein Z-Symbol angebracht war.

Handgreiflichkeiten und Beleidigungen

Handgreiflichkeiten spielten sich sogar am 27. März in Rastatt ab. Zwei unbekannte Männer randalierten in einer Corona-Teststation, indem sie einen Stehtisch umstießen und einen Mann beleidigten. Bevor sie die Teststation verließen, riefen sie „Slavo Ukraine“ („Für Ukraine“), so die Polizei. Die Ermittlungen laufen.

Bekenntnisse im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine hat auch die Stadtverwaltung schon auf den Plan gerufen. Pressesprecherin Heike Dießelberg berichtet, das „Z“ sei schon mehrfach aufgetaucht – ebenso Friedenszeichen in ukrainischen Farben oder der Schriftzug „Stop War“ in russischen Farben. Sobald entsprechende Erkenntnisse vorliegen, beseitige man die Schmierereien – wie auch im Fall Altmurgweg. Besagte Leserin hatte über den städtischen Mängelmelder im Internet auf das Vorkommnis aufmerksam gemacht – schon kurz darauf seien die Z-Symbole entfernt worden, berichtet sie. Der Konflikt in den Köpfen dürfte damit aber noch nicht aus der Welt sein.