Zahl der Handwerksbetriebe legt zu

Karlsruhe/Baden-Baden (tas) – Auch im ersten Halbjahr haben mehr Handwerker im Kammerbezirk Karlsruhe den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt als Betriebe geschlossen wurden.

Vor allem bei der Zahl der Gebäudereiniger registrierte die Handwerkskammer Karlsruhe starke Zuwächse. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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Vor allem bei der Zahl der Gebäudereiniger registrierte die Handwerkskammer Karlsruhe starke Zuwächse. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

In Krisenzeiten schlägt die Stunde der Gründer. Denn immer wenn es in der Wirtschaft schlecht läuft und Firmen im großen Stil Arbeitsplätze abbauen, suchen ehemalige Mitarbeiter ihr Heil in der Soloselbstständigkeit oder der eigenen kleinen Firma. Das war in der Finanzkrise von 2007 bis 2009 so, und es ist auch in Corona-Krise wieder passiert – zumindest im Handwerk.

Diese Sichtweise legt eine aktuelle Erhebung der Handwerkskammer Karlsruhe nahe. Wie die Kammer am Freitag mitteilte, wuchs die Zahl der Mitgliedsunternehmen bis Ende Juni auf 19.896 Betriebe an, ein neuer Höchststand. 1.092 Firmen kamen neu hinzu, gleichzeitig gab es aber nur 882 Abgänge. „Wenn die Zahlen aus den Betriebsdatenbanken einen Rückschluss auf die Stimmung in der Wirtschaft, besonders im Handwerk, zulassen, dann dürfen wir optimistisch sein“, kommentiert Kammerpräsident Joachim Wohlfeil den Zuwachs von mehr als 200 eingetragenen Betrieben. Interessant: Trotz wochenlanger Corona-Schließung der Salons nahm die Zahl der Friseurbetriebe netto um 22 zu.

Die gute Entwicklung der vergangenen Monate setzt sich damit fort. So hatte die Handwerkskammer bereits im gesamten Jahr 2020 einen Nettozuwachs bei den Betriebszahlen in Höhe von 377 verzeichnet. Im Stadtkreis Baden-Baden lag das Plus bei 41 Betrieben (auf 710 Firmen), im Landkreis Rastatt bei acht (auf 2.674).

Die größten Steigerungen gab es im Kammerbezirk im ersten Halbjahr 2021 in den zulassungsfreien Gewerken (plus 164 Betriebe) und im handwerksähnlichen Bereich (plus 34) – also in Gewerken, die keinen speziellen Qualifikationsnachweis für eine selbstständige Ausübung ihres Handwerks benötigen. Hierzu zählen beispielsweise die Fotografie, Gebäudereinigung und oder Kosmetikdiensleistungen. Es sind Tätigkeiten, in denen man sich mit wenig Aufwand und Investitionen schnell selbstständig machen kann.

Alternative zur Arbeitslosigkeit


Ob der Neugründungsboom in diesen Bereichen der Krise geschuldet oder nachhaltig ist, wird die Zeit zeigen. „Hier sind die langfristigen Entwicklungen abzuwarten“, sagt Wohlfeil, der davon ausgeht, dass einige Gründungen gerade im zulassungsfreien Bereich auch als Alternative zur Arbeitslosigkeit erfolgten.

Nach Zahlen der staatseigenen Förderbank KfW kann der positive Trend in Sachen Unternehmensgründungen im Handwerk im Jahr 2020 nicht über alle Branchen hinweg bestätigt werden. Laut KfW wagten im vergangenen Jahr insgesamt 537.000 Menschen in Deutschland den Sprung in die berufliche Selbstständigkeit, das waren elf Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

„Die existenzbedrohende Lage, in die viele Selbstständige durch die Corona-Krise gerutscht sind, hat im vergangenen Jahr offenbar viele Gründungsinteressierte abgeschreckt, bevor sie Gründungspläne überhaupt entwickeln haben“ schreiben die KfW-Analysten in ihrer Einschätzung. Entsprechend stark sei auch die „Planungstätigkeit“ eingebrochen: Der Anteil von Erwerbsfähigen (18 bis 64-Jährige) mit Gründungsplänen sank von 6,4 Prozent im Jahr 2019 auf 4,4 Prozent im vergangenen Jahr. Gleichzeitig sei die Quote derjenigen, die ihre Geschäftstätigkeit innerhalb der nächsten zwölf Monate aufnehmen wollten, von 3,2 Prozent auf 2,6 Prozent zurückgegangen.

Nachdem in der Pandemie in diesem Jahr aber erst einmal das Schlimmste verdaut ist, rechnet die KfW für 2021 mit einer Trendwende. „Nach dem coronabedingten Einbruch der Gründungstätigkeit in Deutschland verspricht 2021 ein gutes Gründungsjahr zu werden“, sagt KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. „Der konjunkturelle Aufschwung gibt Rückenwind, und auch der Arbeitsmarkt dürfte eher positiv auf die Gründungstätigkeit wirken.“ Hinzu komme: Viele Gründungsplaner wollten eigentlich bereits 2020 gründen – „sie haben ihre Projekte aufgrund der Corona-Krise nur verschoben“. Sie seien im Planungsprozess weit vorangeschritten und nah an der Umsetzung.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
24. Juli 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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