Zarter Dialog von Solistin und Orchester

Baden-Baden (nl) – Fein nuanciert und voller Spielfreude: Die Cellistin Sol Gabetta und das London Symphony Orchestra unter Leitung von Simon Rattle waren am Sonntag im Festspielhaus zu Gast.

Freut sich wieder im Festspielhaus Baden-Baden zu sein: Simon Rattle mit dem London Symphony Orchestra und Cellistin Sol Gabetta. Foto: Michael Gregonowits

© BT

Freut sich wieder im Festspielhaus Baden-Baden zu sein: Simon Rattle mit dem London Symphony Orchestra und Cellistin Sol Gabetta. Foto: Michael Gregonowits

Es war eine ausgesprochen inspirierte Soirée, die Simon Rattle mit dem London Symphony Orchestra und der Cellistin Sol Gabetta am Sonntag im bestens besuchten Festspielhaus gab. Sogar das passende Stück für eine Zeitenwende war dabei. Edward Elgar, bekannt als Schöpfer des herrlich bombastischen Marsches „Pomp and Circumstance“ mit der inoffiziellen britischen Nationalhymne „Land of Hope and Glory“, war am Ende des Ersten Weltkriegs klar, dass die Glorie des britischen Empire verblassen würde. Er hatte Recht, der Erste Weltkrieg brachte eine Zeitenwende. Sein 1919 uraufgeführtes Cellokonzert steht in e-Moll und ist von Melancholie durchzogen.

Expressiver Schwanengesang

Mit großer Intensität brachten Sol Gabetta und das London Symphony Orchestra Elgars Schwanengesang zum Ausdruck. Expressiv, mit einem wunderbar gesanglichen Spiel, legte die Solistin den Cellopart an. Sol Gabetta verband in ihrer beseelten Wiedergabe leidenschaftliches Musizieren mit einer fein nuancierten Gestaltung. Das Orchester nahm sich im Zusammenspiel mit der Solistin zurück. So gelangen zarte Dialoge zwischen Sol Gabetta und dem London Symphony Orchestra. Das Publikum war begeistert und erhielt mit dem Capriccio Nr. 5 von Ferdinand dall’Abaco eine zart im Pizzicato getupfte Zugabe der Cellistin.

Kein Unbekannter in Baden-Baden: Sir Simon Rattle

Simon Rattle, im Festspielhaus als Chef der Berliner Philharmoniker viele Jahre ein gern gesehener Gast, freute sich, wieder da zu sein. Dieses Mal als Chef des London Symphony Orchestras. Rattle und das Orchester erwiesen sich als bestens aufeinander eingestellt, was in der anspruchsvollen Konzertouvertüre „Le Corsaire“ von Hector Berlioz hörbar wurde. Piratenromantik war um die Mitte des 19. Jahrhunderts „in“, weshalb Berlioz das ursprünglich über einen mittelalterlichen Turm in Nizza komponierte Stück kurzerhand in „Der Korsar“ umtaufte. Die Musiker aus London musizierten die schnellen Teile so quirlig, als stammten sie aus der Feder von Rossini. Im Adagio erklang in der klangschönen, kantablen Melodieführung sozusagen orchestrales Belcanto. Das Ganze wurde von einem fulminanten, blechstrahlenden Finale gekrönt.

Keine Spur von Gesundheitsproblemen

Voller Frische und Spielfreude gingen der weltberühmte Dirigent und das Orchester an die Interpretation von Robert Schumanns zweiter Sinfonie. In der klar strukturierten Wiedergabe, geprägt von beschwingten Tempi, brachten Rattle und das London Symphony Orchestra den ganzen musikalischen Reichtum des Werks zur Geltung.

Von den gesundheitlichen Problemen des Komponisten, der meinte, man könnte sie in diesem Stück hören, keine Spur. Die fegten Dirigent und Orchester durch kraftvolle Akzente und temperamentvolles Aufblühen weg, und siehe da, Schumanns Zweite ist definitiv kein depressives Werk. Besonders reizvoll wirkte das leichtfüßig und mit federnder Rhythmik gespielte Scherzo. In dem ruhig fließend musizierten Adagio entfaltete sich die weiche, runde, makellose Tongebung der Bläser hervorragend. Das Publikum feierte Simon Rattle und das London Symphony Orchestra zu Recht. Die Zugabe, Gabriel Faurés „Pavane“, schlug mit ihrer weit schwingenden, elegischen Melodik den Bogen zurück zu Elgars Cellokonzert.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.