Zaun verhindert Zugang zum Sportplatz

Gaggenau (uj) – In Selbach sind mehrere Mütter verärgert. Mit ihren Kindern nutzten sie den Sportplatz gemeinsam mit Kindern und Hunden. Seit einiger Zeit ist der Zutritt mittels Zaun gesperrt.

Würden den Sportplatz gerne mit ihren Kindern und Hunden weiter nutzen: Mütter aus Selbach. Foto: Ulrich Jahn

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Würden den Sportplatz gerne mit ihren Kindern und Hunden weiter nutzen: Mütter aus Selbach. Foto: Ulrich Jahn

„Keiner kann mehr drauf, geschweige denn unsere Kinder, die nicht mehr dort spielen können“, reagiert eine der Mütter in einer E-Mail an das BT: „Wir wollen dafür kämpfen, dass der Sportplatz wieder frei zugänglich für alle ist – so wie es die letzten Jahre war.“

Vor Ort machen die Damen im BT-Gespräch ihrem Unmut Luft. Insbesondere ärgere sie, dass der Sportplatz ohne Ankündigung „einfach so“ gesperrt worden ist: „Keiner wusste warum, wieso, weshalb“, monieren Sarah Heinz, Petra von der Ahe, Melanie Ruf und Katja Stockbrink. Sie alle sind mit ihren Kindern und teilweise mit ihren Hunden Nutzerinnen des Sportplatzes.

Warum wurde er mit einem Zaun abgesperrt? Die Stadtverwaltung gibt unter anderem die Verkehrssicherungspflicht an. „Der Platz ist missbraucht worden“, sagt die städtische Pressesprecherin Judith Feuerer. Viele Hundehalter würden ihre Vierbeiner dort frei laufen lassen. Entsprechend gebe es viel Hundekot auf dem Platz. Auch würden Unbekannte mit Autos und Zweirädern den Platz zweckentfremden, was entsprechende Beschädigungen zur Folge habe. Die Pressesprecherin verweist darauf, dass sich direkt oberhalb des Sportplatzes ein Bolzplatz befindet, der selbstverständlich von Kindern und Eltern genutzt werden könne. Dieser werde auch gepflegt und befinde sich in einem guten Zustand.

Stadt räumt Fehler ein

Feuerer räumt ein, dass es ein Fehler der Stadt war, die Sperrung des Sportplatzes nicht kommuniziert zu haben. Allerdings sei das Areal schon in früheren Jahren teilweise gesperrt gewesen. „Es kommt keine Reaktion. Man könnte ja jetzt ein bissel aufmachen und sagen, ihr könnt es weiter nutzen, aber alle sitzen es aus“, bemängeln die Frauen.

Sie waren bei Ortsvorsteher Michael Schiel. Dort hieß es, es gehe in erster Linie um die Auto-Drifterei und die Motorradfahrten, die auf dem Sportplatz stattgefunden hätten. Dadurch gehe der Boden kaputt. Ebenso gehe es um die Hunde und ihre Hinterlassenschaften.

Auch bei Bürgermeister Michael Pfeiffer haben die Mütter angerufen. Dieser habe gemeint, der Platz sei nicht für Hunde da, sondern ein Sportplatz. „Was sollen die Kinder machen, gerade jetzt in der Corona-Zeit?“, gibt eine Mutter zu bedenken. Man könne schon seit mehr als fünf Jahren nicht mehr von einem Sportplatz sprechen. Für Kinder und Eltern – mit oder ohne Hund – sei er zu einem Treffpunkt geworden. Deshalb können sie nicht nachvollziehen, „was hier gerade passiert“.

Mütter: Argument vorgeschoben

Der Bolzplatz oberhalb sei kleiner und oft belegt, da seien häufig viele Jugendliche, die Fußball spielen. Der große Sportplatz könnte aufgeteilt werden. Auch das Argument mit dem Hundekot, das von der Stadt angeführt wird, sehen die Mütter als vorgeschoben an. Der Kindergarten sei fast täglich da oben. Würde tatsächlich so viel Kot dort liegen, würden die Erzieherinnen die Kinder wohl nicht dort spielen lassen. Und die Eltern hätten sich schon längst beklagt, wenn ihre Kinder ständig mit Hundekot an den Schuhen nach Hause kommen würden. Die Mütter schlagen vor, den Zaun soweit zu öffnen, dass Zwei- und Vierbeiner auf den Platz können, Autos und Motorräder aber nicht.

Petra von der Ahe hat sich in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats, zu der sie auf Anregung von Ortsvorsteher Schiel gekommen war, bereit erklärt, als „Hundekotbeauftragte“ für den Sportplatz zur Verfügung zu stehen. Ein Angebot, auf das in der Sitzung nicht eingegangen worden sei. „Ich mache die Haufen immer weg, auch von anderen“, betont von der Ahe, „weil ich als Hundehalterin es selber nicht möchte.“

Sportplatz Thema im Ortschaftsrat

Fußball wird schon lange nicht mehr gespielt auf dem Sportplatz in Selbach. 1954 war mit dessen Bau unter der Regie des örtlichen Sportvereins begonnen worden. Das Ende ereilte die Fußballer des SV Selbach im Sommer 2010. Die Kicker von Türkiyemspor nutzten den Hartplatz von 2009 bis 2015, auch die Frauenfußballerinnen des 1. FFC Gernsbach trugen dort ihre Heimspiele aus. Als ab Dezember 2015 die Siegfried-Hammer-Halle als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt wurde, zogen die Fußballer aus Selbach ab. Zwischenzeitlich wurde die Flutlichtanlage abgebaut. Nur die Kabel blieben im Untergrund. Das Thema Sportplatz soll laut Ortsvorsteher Michael Schiel in der öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrats am 21. April in der Jahnhalle auf der Tagesordnung stehen. Möglicherweise wird das Areal künftig ganz anders genutzt. Es gebe Interessenten, mit denen vertrauliche Gespräche geführt werden, bestätigt Pressesprecherin Judith Feuerer. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Betreten verboten: Seit einigen Wochen verhindert ein Zaun den Zutritt zum Selbacher Sportplatz. Foto: Ulrich Jahn

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Betreten verboten: Seit einigen Wochen verhindert ein Zaun den Zutritt zum Selbacher Sportplatz. Foto: Ulrich Jahn

Ihr Autor

BT-Redakteur Ulrich Jahn

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Erstellt:
9. April 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 15sec

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