Zehn Prozent der Impfskeptiker sind erreichbar

Stuttgart (bjhw) – Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge können zehn Prozent der Impfskeptiker noch überzeugt werden – die Landesregierung will darauf mit speziellen Angeboten reagieren.

 Bei der Zustimmung zu Impfungen oder der Ablehnung spielen viele Faktoren eine Rolle, unter anderem das Bildungsniveau. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

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Bei der Zustimmung zu Impfungen oder der Ablehnung spielen viele Faktoren eine Rolle, unter anderem das Bildungsniveau. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Ein Jahr nach dem Start der Corona-Impfkampagne ist in Baden-Württemberg weiterhin ein Drittel der Bevölkerung ungeimpft. Alle Hoffnungen auf eine höhere Quote, gerade in den vergangenen Wochen, sind bisher unerfüllt geblieben: Mitte Oktober, als die Inzidenzen stark anstiegen und Boostern in den Blick kam, waren gut 65 Prozent der Menschen doppelt geimpft, heute sind es nicht einmal vier Prozent mehr.
Jetzt plant das Sozialministerium gezielte Info-Veranstaltungen mit dem Verband der Waldorfschulen, mit der Deutsch-Türkischen Gemeinde, mit den Landfrauen, mit Russlanddeutschen oder Flüchtlingsbetreuern. Denn das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in einer von vielen Studien herausgefunden, dass rund zehn Prozent der Impfskeptiker zu erreichen sind, vor allem durch gezieltere Informationen.

Bildungsniveau spielt eine Rolle

Es gibt viele Parallelen zwischen den elf Millionen Baden-Württembergern und den acht Millionen Österreichern. Die Bevölkerung ist im Durchschnitt fast gleich, viele Regionen sind ähnlich strukturiert. Folglich kann aus der bisher größten Untersuchung zur Impfbereitschaft im deutschsprachigen Raum, die nach Weihnachten in Wien präsentiert wurde, auch einiges Aufschlussreiche für den Südwesten herausgelesen werden: So ist bei den Nachbarn die Impfquote mit 84 Prozent unter Hochschulabsolventen deutlich höher als unter Menschen mit Pflichtschulabschluss (68 Prozent) oder in der IT-Branche und unter Lehrkräften (jeweils 85) höher als in der Land- und Forstwirtschaft (67) oder am Bau (65). In Österreich lebende Deutsche sind zu 72 Prozent geimpft. Österreicher mit türkischen Wurzeln zu 73 Prozent. Gerade an Letzteren wird verdeutlicht, wie wichtig eine treffsichere Ansprache ist. Unter den vielen Dutzend Impfangeboten tagtäglich und ohne Termin, allein in Wien von der Universität bis zum Stephansdom, ist auch eines der Türkisch-Islamischen Union, des Dachverbands von mehr als 60 türkischen Vereinen.

In Baden-Württemberg beraten ab sofort rund 1.200 Integrationsmanager, die in Kommunen und Kreisen Flüchtlinge betreuen, gezielt über den ersten und den zweiten Piks. Zusätzlich erreicht werden sollen aber auch Analphabeten oder jene, die schlicht schlecht informiert sind. „Zum Beispiel Menschen“, sagt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), „die mit ihrem Alltag so herausgefordert sind, dass sie die Frage des Impfens schlicht ausblenden oder vergessen oder damit überfordert sind.“ Aus einer repräsentativen Erhebung im Auftrag des RKI geht hervor, dass die Frage, ob die Covid-19-Schutzimpfung bei Personen mit Kinderwunsch sicher seien, nur 36 Prozent richtig beantworten konnten. Auf die Frage, ob die Covid-19-Schutzimpfung Chemikalien in giftigen Dosierungen enthalte, trauten sich 40 Prozent keine klare Antwort zu.

Auch Waldorfschulen als Zielgruppe

Als Zielgruppe ausgemacht sind auch die Waldorfschulen und ihre Landesarbeitsgemeinschaft. „Wir müssen nochmals verstärkt fürs Impfen, für unsere Sicherungsmaßnahmen und das Einhalten der Regeln werben“, kündigt Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) für das neue Jahr an. Immerhin waren unter den zuletzt sechs zur Gänze wegen Corona geschlossenen Schulen drei der 61 Waldorfschulen und drei von 4.500 öffentlichen Schulen. Außerdem fehlt nach Angaben des Kultusministeriums jeder Überblick darüber, wie viele Lehrkräfte geimpft sind.

Der Dachverband der Waldorfschulen auf Bundesebene hat sich bereits eindeutig positioniert. Er will gegen „falsche Tatsachenbehauptungen“ vorgehen „über Waldorfpädagogik und Anthroposophie, über die Waldorfschulen als vermeintliche Sündenböcke“, wie es in einer Stellungnahme vor Weihnachten heißt. Zur Begründung wird angeführt, man habe sich „schon lange wiederholt und nachdrücklich in mehreren Erklärungen für die Einhaltung der Pandemiemaßnahmen ausgesprochen und den Beitrag der Corona-Schutzimpfungen zur Eindämmung der Pandemie hervorgehoben“.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
31. Dezember 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

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