Zehnjährliches Hochwasser

Rastatt/Freiburg (naf) – Der Rheinpegel erreicht vermutlich die Grenze zum zehnjährlichen Hochwasser. Warum die Situation jedoch „vollkommen unkritisch“ ist, erklärt Hydrologe Rüdiger Friese.

Das Kulturwehr Kehl/Straßburg während der Vorentleerung: Der Rückhalteraum war vorbereitet, muss nun jedoch nicht geflutet werden. Foto: Regierungspräsidium Freiburg

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Das Kulturwehr Kehl/Straßburg während der Vorentleerung: Der Rückhalteraum war vorbereitet, muss nun jedoch nicht geflutet werden. Foto: Regierungspräsidium Freiburg

Während schockierende Bilder aus anderen Bundesländern zeigen, wozu Wassermassen fähig sind, flacht der Anstieg des Hochwassers in Mittelbaden langsam ab. In der gestrigen Nacht erwartete die Hochwasservorhersagezentrale des Landes einen Höchstwert – danach wird sich die Lage voraussichtlich entspannen. Derweil wird der aktuelle Pegel für Messungen genutzt.
Die Niederschlagsmengen der vergangenen Tage haben sich – trotz vereinzelten Starkregens im Norden – stark auf den Süden Baden-Württembergs konzentriert, berichtet Rüdiger Friese, Hydrologe der Hochwasservorhersagezentrale (HVZ). Seit Mittwoch halten die starken Niederschläge teilweise auch in der Schweiz mit wenigen Unterbrechungen an und seien so für den entsprechenden Anstieg des Rheinpegels verantwortlich.

Polder als Schutzmaßnahme

In Mittelbaden ist der Regen am Freitag weitestgehend ausgeblieben, trotzdem erwartete Friese erst in der Nacht zum heutigen Samstag einen Maximalstand im Bereich eines zehnjährlichen Hochwasssers. In Zahlen ist das ein Pegel von 8,6 Meter an der Messstation in Karlsruhe/Maxau. „Das ist kein kritischer Wert“, gibt Friese auf BT-Anfrage Entwarnung. Die Dämme seien für solche Fälle angelegt. „Solange es zu keinem Versagensfall kommt, ist das eine vollkommen unkritische Situation.“ Wäre sie bedrohlicher, gebe es außerdem noch einige Schutzmaßnahmen, von denen bisher noch kein Gebrauch gemacht wurde.

Polder können beispielsweise „wie ein riesengroßes Rückhaltebecken“ geflutet werden, erklärt Friese. So füllen sich seit Donnerstag knapp acht Millionen Kubikmeter mit Wasser aus dem Rhein: Auf französischer Seite wurde der erste Polder nahe Straßburg am Abend in Betrieb genommen. Dass weitere Rückhaltemaßnahmen auch auf deutscher Seite nötig sein werden, hält Friese aus fachlicher Sicht „für sehr unwahrscheinlich“.

Auch das Regierungspräsidium (RP) gibt am Freitag vorerst Entwarnung: „In Anbetracht der katastrophalen Lage in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind wir erleichtert, dass die Situation am Oberrhein entspannter ist und wir auf einen Einsatz der Rückhalteräume Kulturwehr Kehl/Straßburg und Polder Altenheim verzichten konnten“, so Harald Klumpp, Referatsleiter für das Integrierte Rheinprogramm im RP.

Zwar stieg der Rheinpegel um Basel am Freitag noch an, was sich zeitverzögert auch auf die hiesige Region auswirkt, „wir sprechen bei all dem aber von wenigen Zentimetern“, sagt Friese. Außerdem zeichne sich ab „dass ab Sonntag das deutliche Abfallen des Pegels beginnt“.

WSA startet Messkampagne

Was die kommende Woche bringt, sei schwierig zu sagen. „Über 24 Stunden gelten unsere Vorhersagen als verlässlich, weitere 24 Stunden sind dann eine Abschätzung und darüber hinaus sind keine belastbaren Vorhersagen möglich“, sagt der Hydrologe. Gewittrige Starkniederschläge könnten noch immer Parkplätze überfluten oder zu einer Sperrung von Landstraßen führen, eine Gefährdung sehe Friese allerdings aktuell keine. „Kleine Gewässer sind sensibler, ihr Pegel steigt und fällt schneller. Der Rhein ist träger.“

Sein Wasserstand wird indes vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Oberrhein genutzt, um eine Hochwassermesskampagne durchzuführen. Von Freitag bis Montag werden Abflüsse und Wasserspiegelhöhen zwischen Iffezheim und Mainz gemessen. „Je mehr Naturdaten wir haben, desto genauer können Modelldaten kalibriert werden“, erklärt Ines Jörgens, Fachbereichsleiterin im WSA auf BT-Anfrage. Je seltener das Hochwasser, desto interessanter seien die Daten. So kann Jörgens beispielsweise prüfen, „ob wir mit den alten Daten und Modellen richtig liegen“, unter anderem was die Höhe der Dämme angeht.


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