Zeichen der Solidarität mit italienischen Freunden

Rastatt/Pesaro e Urbino (mak) – Landrat Toni Huber und Bürgermeister im Kreis sprechen Kollegen in Krisenregionen Mut zu. Eine Spendenaktion wird von Jonas Weber initiiert.

Die Schulband des Tulla-Gymnasiums stattet der Muggensturmer Partnergemeinde Gradara einen Besuch ab. Foto: Landratsamt

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Die Schulband des Tulla-Gymnasiums stattet der Muggensturmer Partnergemeinde Gradara einen Besuch ab. Foto: Landratsamt

Mit einem aufmunternden und freundschaftlichen „andrà tutto bene“ – alles wird gut – spricht Landrat Toni Huber in einem Schreiben seinem italienischen Kollegen Giuseppe Paolini der Partnerprovinz Pesaro e Urbino Mut in Zeiten der Corona-Pandemie zu. Sämtliche Partnerschaftsaktivitäten im ersten Halbjahr wurden abgesagt, auch Hubers Antrittsbesuch Anfang Juni, wie die Pressestelle auf BT-Anfrage mitteilt. Auch die Bürgermeister im Kreis bieten in diesen Tagen ihren italienischen Kollegen moralische Unterstützung.

Mit dem in italienischer Sprache verfassten Brief wollte Huber seine persönliche Solidarität, aber auch die der Verwaltung und des Kreistags bezeugen: „Wir sind Ihnen in diesem Moment großer Schwierigkeiten sehr nahe. Die Hoffnung von uns allen ist, dass so schnell wie möglich so viele Patienten wie möglich gesund werden“, schreibt der Landrat. Mit Stand vom 29. März waren in der Region Marken rund 3 570 Corona-Erkrankte gemeldet, von denen 1 600 auf die Provinz Pesaro e Urbino entfielen, wie Pressesprecherin Gisela Merklinger mitteilt.

Virtuelle Umarmungen

Gegen Ende des Briefs wird Huber dann persönlich: „Lieber Freund, lass’ uns nicht den Mut verlieren! Wir hoffen, diesen kritischen und unglücklichen Moment bald überwinden zu können, sodass wir uns bald wieder persönlich begegnen können. Wir möchten alle Bürger der Provinz Pesaro-Urbino, der Marken und Italiens (virtuell) umarmen.“

Der Muggensturmer Bürgermeister Dietmar Späth hat sich mit einer Videobotschaft auf Italienisch an die Freunde in Gradara gewandt. „Ich möchte jetzt nicht sagen, dass ich Italienisch könnte, aber die Leute verstehen mich“, gibt sich Späth bescheiden. Er schreibt weiter: „Liebe Freunde in Gradara, liebe Freunde in Gabicce Mare, verlieren wir nicht den Mut und hoffen, dass wir diese Situation möglichst bald überstehen und uns dann wieder persönlich begegnen können. Darauf freue ich mich sehr. Wir umarmen Euch alle.“ Späth ist zudem regelmäßig per Skype mit seinem Kollegen Filippo Gasperi verbunden. „Die Italiener sind schon seit sechs Wochen in Quarantäne und kommen daheim immer noch gut miteinander aus. Ich denke, dass das auch an der italienischen Mentalität liegt“, meint er im BT-Gespräch.

Der Hügelsheimer Bürgermeister Reiner Dehmelt hat am Montag seinem italienischen Kollegen Enrico Rossi in Cartoceto einige aufmunternde Zeilen zukommen lassen und ihm „alles erdenklich Gute“ gewünscht. Zuletzt war er am 11. Februar in der Gemeinde, mit der seit 2002 eine Partnerschaft besteht, um an der Beerdigung der früheren Bürgermeisterin Olga Valeri teilzunehmen. „Mich macht vor allem der Umgang mit älteren Menschen betroffen, die ab einem gewissen Alter gar nicht mehr beatmet werden“, so Dehmelt. Er habe Rossi auch die Situation in der Spargelgemeinde geschildert und dass man im Rathaus nun abwechselnd in zwei Teams arbeite, um wenig Kontakt untereinander zu haben.

Der Kuppenheimer Bürgermeister Karsten Mußler ist mit seiner Verwaltung und auch über die Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses mit Filottrano in Kontakt: „Es ist uns ein Anliegen, möglichst den persönlichen Kontakt zu suchen und zu vermitteln, dass wir an unsere italienischen Freunde denken. Gleiches gilt natürlich auch für Raon l’Etape“, so der Rathauschef. Innerhalb von zwei Tagen seien in Filottrano mehr als sieben Menschen über 70 Jahre verstorben. Die Ursache sei unklar, es ist aber davon auszugehen, dass mindestens die Hälfte an den Folgen von Corona verstorben ist. In den Marken seien 400 Menschen aufgrund des Coronavirus verstorben. Die medizinische Versorgung in Ancona werde knapp.

Spenden für Behelfskrankenhauses

Ein Zeichen der Solidarität hat auch der SPD-Landtagsabgeordnete Jonas Weber gesetzt, der am Freitag einen Spendenaufruf für die Partnerregion Pesaro e Urbino gestartet hat. „Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen und spüren, dass vielen Menschen die europäische Solidarität sehr am Herzen liegt. Vereinzelt kam auch der Wunsch nach einer Ausweitung der Idee auf das Elsass und Spanien. Über diese Frage denken wir nach, aber bisher fehlen Kooperationspartner“, so Weber auf BT-Anfrage. Man habe bereits einen kleinen vierstelligen Betrag sammeln können. Damit wolle man den Aufbau eines Behelfskrankenhauses unterstützen: „Wir wissen, dass wir nur einen kleinen Beitrag leisten können, aber wir wollen so unseren italienischen Freunden helfen“, meint Weber. Bei der Hilfsaktion handle es sich um eine Idee von Maria Di Umberto vom deutsch-italienischen Freundeskreis Gaggenau und ihm, die sich in einem privaten Gespräch entwickelt habe. Di Umberto ist gleichzeitig Partnerschaftsbeauftragte im Landratsamt. Weber wollte die Aktion bewusst nicht über den Landkreis laufen lassen, um die Verwaltung zu entlasten: „Das Landratsamt haben wir selbstverständlich vorab informiert. Mein Eindruck war, dass man dort froh über die Initiative ist.“

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Erstellt:
1. April 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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