„Zeit der Lippenbekenntnisse vorbei“

Gernsbach/Gaggenau (BT) – Das geplante Aus der Handelslehranstalt (HLA) in Gernsbach beschäftigt nun auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Die Schüler wie Luca und Lena sowie ihre engagierten Lehrer würden nicht nur gerne beim Projekt „Virtual Reality“ in eine rosige Zukunft der HLA blicken. Foto: Veronika Gareus-Kugel/BT-Archiv

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Die Schüler wie Luca und Lena sowie ihre engagierten Lehrer würden nicht nur gerne beim Projekt „Virtual Reality“ in eine rosige Zukunft der HLA blicken. Foto: Veronika Gareus-Kugel/BT-Archiv

Der Kreisverband Rastatt/ Baden-Baden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) äußert sich jetzt mit deutlichen Worten zum geplanten Aus der Handelslehranstalt (HLA) in Gernsbach. Der Ausschuss für Schulen und Kultur hatte am Dienstag dem Kreistag empfohlen, am 18. Mai die Schließung der HLA spätestens zum Schuljahr 2022/2023 abzusegnen (das BT berichtete).

Der Gaggenauer Kreisvorsitzender Bernhard Baumstark stellt in seiner Mitteilung fest, „dass die Zeit der unverbindlichen Lippenbekenntnisse mit dem mehrheitlichen Beschluss einer Schließung der HLA Gernsbach im Schulausschuss des Kreistages nun definitiv vorbei ist“. Die Empfehlung des Regierungspräsidiums und die hierzu vorgelegten Zahlen bieten aus Sicht der GEW „die willkommene Deckung, hinter die man sich offenbar zurückzieht“.

Baumstark berichtet, dass die Gewerkschaft in der Auseinandersetzung mit der Schulverwaltung immer wieder höre: „Die Politik entscheidet ...“ Im Fall der HLA Gernsbach sollte sich die Politik aber „diese Ansage mutig zu eigen machen, anstatt sich von der Verwaltung treiben zu lassen.

Bildung ist mehr als Effizienz

Die wertvolle Errungenschaft einer wohnortnahen Versorgung mit Einrichtungen der Daseinsvorsorge der öffentlichen Hand geht durch eine einseitig auf Konkurrenz, Rentabilität und Effizienz ausgerichtete Sichtweise und einer zunehmenden Ökonomisierung verloren. Insbesondere bei Bildungseinrichtungen darf dieser Ansatz nicht angelegt werden, sie bilden das Rückgrat einer demokratischen Gesellschaft“, unterstreicht die GEW.

Logischerweise könnten ihrer Ansicht nach in ländlichen Regionen, wie zum Beispiel dem Murgtal, Schulen, Krankenhäuser und andere Einrichtungen nur als kleinere Einheiten existieren. Auch in wirtschaftlich weitaus schlechteren Zeiten wurden diese regelmäßig als Zuschussbetrieb aufrecht erhalten, erinnert Baumstark und weiß, „im Vergleich mit zentral gelegenen Einrichtungen entstehen unter Anwendung von Wirtschaftlichkeit und Effizienz als maßgebliche Kriterien vermeintlich aussagekräftige Zahlenwerke, die einen Betrieb unter diesem einseitigen Blickwinkel geradezu ausschließen“.

In diesem Zusammenhang werde „gerne auch mit der Verpflichtung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern“ argumentiert. „Verantwortungsvoll“ bedeute jedoch neben Effizienz und Wirtschaftlichkeit auch „einen Einsatz dieser Steuergelder gemäß den Bedürfnissen der konkret betroffenen Bürger und Firmen, die ihren guten Teil dafür erbringen“.

Die GEW wirft die Frage in ihrem Schreiben auf: „Ist ein täglich zweistündiger Schulweg für 16-jährige Schüler“ aus dem hinteren Murgtal nach Rastatt tatsächlich darstellbar? Baumstark meint zu der geplanten weiteren Schließung: „Nachdem das Murgtal kein Krankenhaus mehr hat, soll ihm jetzt noch eine berufliche Schule genommen werden.“

Nicht nur „Müllströme“ fürs Murgtal

Dafür bleibe „die Mülldeponie erhalten. Ist diese nicht auch ein Zuschussbetrieb? Wäre es nicht effizienter, diese an einen zentralen Standort zu verlegen? Wer das Murgtal nicht abhängen, sondern als lebenswerte Region erhalten möchte, muss dafür sorgen, dass nicht nur PFC-Müllströme, sondern auch Schülerströme den Weg dahin finden“.

Politik hat laut der GEW eine Gestaltungsaufgabe und erwartet deshalb von den Kreisräten „dem fraktionsübergreifenden Antrag für den Erhalt der HLA am 18. Mai ihre Stimme folgen zu lassen und von der Schulverwaltung nachhaltige Maßnahmen zur Stärkung des Standortes einzufordern“.

Den Bürgern empfiehlt die Gewerkschaft abschließend, „das jeweilige Abstimmungsverhalten der Mandatsträger zu verfolgen und durch ihr Votum im Rahmen der nächsten Kreistagswahlen entsprechend zu bewerten“.


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