Zentrale Ortsverwaltung in der Alten Schule Steinbach

Baden-Baden (cn) – Die Mitglieder des Ortschaftsrates haben in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig für die Zusammenlegung der Ortsverwaltungen im Rebland gestimmt.

Spätestens ab 2025 soll in der Alten Schule die zentrale Ortsverwaltung des Reblandes untergebracht sein. Foto: Christiane Nickweiler

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Spätestens ab 2025 soll in der Alten Schule die zentrale Ortsverwaltung des Reblandes untergebracht sein. Foto: Christiane Nickweiler

Einstimmig votierten die Mitglieder des Ortschaftsrates für die Schaffung einer zentralen Ortsverwaltung im Gebäude der Alten Schule in Steinbach. Die Verwaltungsstellen in Neuweier und Varnhalt werden sodann aufgegeben. Nach einer Umbauphase soll es spätestens im Jahr 2025 eine Eröffnungsfeier geben.

Hierüber informierte Bürgermeister Roland Kaiser bei der letzten Sitzung des Rebland-Ortschaftsrates am Montag. „Es gab keine Meldungen, die dieses Vorhaben grundsätzlich infrage gestellt hätten“, sagte Kaiser.

Dass die Räte einhellig für das Vorhaben stimmten, hatte mit dem Umstand zu tun, dass die wesentlichen Argumente bereits zwei Jahre lang in einer Arbeitsgruppe zusammengetragen worden waren. Über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe, die unter dem Vorsitz von Kaiser tätig war, wurde bereits in einer öffentlichen Veranstaltung im Oktober in Varnhalt informiert. Zu der Arbeitsgruppe gehörten unter anderem Ortsvorsteher Ulrich Hildner, Vereinsvertreter und Ortschaftsräte. Sie hatten ein entsprechendes Nutzungskonzept erarbeitet.

Bessere Servicemöglichkeiten

Demnach steht im Zentrum einerseits die sinnvolle Belebung des historischen ortsbildprägenden Gebäudes. Hierzu gehört etwa die multifunktionale Nutzung des Gebäudes durch die Vereine. Auch sind seit vergangenen Oktober Büros des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord untergebracht.

Andererseits soll den Bürgern des Reblandes verbesserte Servicemöglichkeiten der Ortsverwaltung offenstehen. Gemeint sind beispielsweise bürgerfreundliche Öffnungszeiten der Ortsverwaltung. Es gehe darum, dass eine moderne, bürgerorientierte Ortsverwaltung, die mit einem effektiven Personaleinsatz dann besser aufgestellt sei, zuverlässig den Service sicherstelle, fasste Bürgermeister Kaiser die Essenz der Planungen zusammen. Er sprach von einem Bild eines „Bürgerhauses“. Bürgerorientiert heißt demnach auch, dass der Zugang zu dem Bürgerhaus barrierefrei sein wird. Ebenso sollen Parkplätze direkt am Gebäude eingerichtet werden. Auch die Busverbindung sei mit benachbarten Bushaltestellen optimal, warb Kaiser vor der Abstimmung für die Pläne. Bereits im Frühjahr 2021 sollen die groben Planungen im Bauausschuss verhandelt werden.

Ortsvorsteher Hildner wies darauf hin, dass die bei der Bürgerinformation vom Oktober vorgebrachten Vorschläge eines Ortsbeauftragten für Varnhalt und Neuweier mit in das Konzept aufgenommen worden seien. „Wir haben die Botschaft verstanden“, sagte Hildner.

Ortschaftsrätin Gaby Hippler (SPD) begrüßte, dass die Stadt an dem Rathaus in Neuweier festhalten würde, solange kirchliche Gruppen und Vereine dieses Gebäude nutzten. „Jedoch würde es mich mit Grauen erfüllen, wenn nach einem Verkauf aus dem historischen Steinbacher Rathaus ein Gebäude mit problematischer Nutzung werden würde. Ich möchte, dass man sorgfältig abwägt, ob man das Steinbacher Rathausgebäude überhaupt verkaufen will“, gab sie zu bedenken. Hildner sekundierte, dass man auf jeden Fall ein Auge darauf haben werde.

Bürgermeister Kaiser ergänzte: „In Neuweier ist kein Gebäudeverkauf geplant. Allerdings kann ich nur für den Moment sprechen. Beim Rathaus in Steinbach ist ein Verkauf angestrebt. Es gibt Interessenten. Das Thema ist nicht neu.“

Kommentar

BT-Mitarbeitern Christina Nickweiler kommentiert das Thema auch:

Während die Belebung des geschichtsträchtigen Schulgebäudes durch die Zusammenlegung der Verwaltungsstellen Neuweier und Varnhalt sowie den Umzug der Ortsverwaltung sinnvoll und durchdacht ist, scheint die Stadt in Sachen Erhaltung historischer Gebäude nichts dazugelernt zu haben. Häuser mit historischem Charakter sollten einer Stadt wie Baden-Baden, die so sehr nach dem Titel des Weltkulturerbes hechelt, etwas wert sein. Solange historische Gebäude im Eigentum der Stadt sind, kann sie die ortsbildprägenden Stätten, die für die Menschen identitätsstiftend sind, erhalten. Wenn aber das Steinbacher Rathausgebäude verkauft wird, läuft die Stadt Gefahr, die Kontrolle zu verlieren und neue Probleme zu schaffen. Die Erfahrung hat gerade im Rebland gezeigt, dass private Investoren sich oftmals einen feuchten Kehricht um eine angemessene Nutzung oder um die Erhaltung alter Gebäude scheren. Beispiele von zweckentfremdeten Häusern als Arbeiterunterkünfte sowie von verwahrlosten Bauruinen gibt es etliche, eine sogar direkt neben dem Rathaus.

Überhaupt, im Oktober hieß es bei der Bürgerinformation noch, dass eine Vermietung oder eine städtische Nutzung des idyllisch wirkenden Rathauses vorgesehen sei. „Das wäre eine gute Lösung. Es würde mich freuen, wenn das ortsprägende Gebäude weiter in städtischer Obhut“ bliebe, sagte damals Bürgermeister Roland Kaiser. Und nun? Jetzt heißt es auf einmal „ein Verkauf ist angestrebt“, das Thema sei nicht neu. Der Umkehrschluss von Kaisers Worten im Oktober: Das wäre dann keine gute Lösung.

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Erstellt:
9. Dezember 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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