Ziegel für Sanierung der Neusatzer Kirche versteigert

Bühl (BT) – Bei der Versteigerung in der Schlossberghalle bringen zehn bemalte Biberschwanzziegel 1.250 Euro ein. Gestaltet hat sie Künstlerin Eva Schniedertüns-Gornik.

Ob Blau, Grün oder Violett: Bei der Matinee werden zehn der insgesamt 55.000 Ziegel versteigert. Der Erlös fließt in die Kirchensanierung. Foto: Sarah Gallenberger

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Ob Blau, Grün oder Violett: Bei der Matinee werden zehn der insgesamt 55.000 Ziegel versteigert. Der Erlös fließt in die Kirchensanierung. Foto: Sarah Gallenberger

Es braucht nicht viel, um die Augen von Karl Früh immer größer werden zu lassen. Gelbe Zettel, die ununterbrochen von den Besuchern der Auktion in die Luft gestreckt werden, reichen vollkommen aus. „Da geht noch mehr“, ruft der Versteigerer in das Publikum. Auf der Staffelei neben ihm steht ein Dachziegel, der auf seinen neuen Besitzer wartet.

„Hier in Neusatz ist das doch kein Problem. Die 100 knacken wir locker“, ruft Früh am Sonntagvormittag in die Schlossberghalle. In den mittleren Reihen wird gelacht und ein letztes Mal die Hand erhoben. „Da haben wir es“, freut sich Früh. „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – verkauft!“ Und der erste Ziegel ist unter dem Hammer.

Jeder Ziegel ist ein Kunstwerk für sich. Foto: Sarah Gallenberger

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Jeder Ziegel ist ein Kunstwerk für sich. Foto: Sarah Gallenberger

Denn genau das ist es, was am Sonntagvormittag nach dem Festgottesdienst versteigert wird: Zehn der insgesamt 55.000 Ziegel vom Dach der St. Borromäus-Kirche, die derzeit renoviert wird – und das zu einem stolzen Preis. Allein der erste Bauabschnitt, also der Außenbereich, schlägt mit rund 500.000 Euro zu Buche. Um das teure Unterfangen finanziell zu unterstützen, soll der Erlös der Versteigerung den Renovierungsarbeiten dienen.

Die Schlossberghalle ist bereits gut gefüllt, als Früh an den hölzernen Hammer tritt, der später den Kauf besiegeln soll. Hinter ihm: der Musikverein Grüne Jäger, der zu Beginn und während der Matinee unter Einsatz von Instrumenten, Stimmen und stampfenden Füßen fast schon festliche Stimmung aufkommen lässt. Neben ihm: zehn Biberschwanzziegel, alle bunt bemalt von Eva Schniedertüns-Gornik.

Die seit mittlerweile 30 Jahren in Neusatz lebende Künstlerin hat beim Bearbeiten der einst auf dem Dach der Kirche liegenden Ziegel zur Acryl-Lasur-Mischtechnik gegriffen – und damit Werke erschaffen, bei dem keins dem anderen gleicht. Die Idee dafür kam übrigens nicht von ungefähr, denn die Neusatzerin realisierte im Rahmen der Kirchensanierung bereits mit dem Kindergarten ein Kunstprojekt. Das Ergebnis konnte nicht nur im Juli bewundert werden, sondern auch zu einer neuen Aktion inspirieren. So nahm sich Schniedertüns-Gornik Dachziegel vor, verwandelte sie in Kunstobjekte – und schenkte das Ergebnis schließlich der Gemeinde, die sie den Bürgern aus Neusatz zur Versteigerung anbietet.

Künstlerin Eva Schniedertüns-Gornik mit Karl Früh. Foto: Sarah Gallenberger

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Künstlerin Eva Schniedertüns-Gornik mit Karl Früh. Foto: Sarah Gallenberger

Der Anfang ist ganz einfach. Jeder Ziegel hat einen Grundwert von 25 Euro, bevor er dem Publikum auf einer Staffelei präsentiert wird. Die Auktion erfolgt in Fünferschritten. Wer bieten will, streckt den gelben Zettel in die Höhe. Das lassen sich die Interessenten nicht zwei Mal sagen, und so dauert es nicht lange, bis Karl Früh hohe Summen nennen darf: „155, 160, nein, ganze 165 Euro für das Werk ‚Eule‘, verkauft!“ Die Versteigerung vom „Geist in der Flasche“, scheint fast schon beendet, als schließlich noch 160 Euro erreicht werden können.

Besonders stolz kann Künstlerin Schniedertüns-Gornik auf ihr Werk „Dame in Rot“ sein. Stolze 220 Euro und somit den Höchstpreis hat der Dachziegel eingebracht. Am Mittag dann die noch schönere Nachricht: Mit einem Gesamterlös von 1.250 Euro ist die Versteigerung ein voller Erfolg gewesen, und die Gemeinde kann sich freuen.

Strahlende Gesichter gibt es jedoch auch nach der Matinee, als die Sieger des diesjährigen Fotowettbewerbs bekannt gegeben werden.

Gewinner des Fotowettbewerbs

Bis Mitte Oktober hatte jeder die Möglichkeit, jeweils drei Aufnahmen zum Thema „Dein Lieblingsbild zur Pfarrkirche St. Karl Borromäus“ einzureichen. Die Fotografien wurden auf der Homepage der Gemeinde eingestellt, wo auch über die Sieger abgestimmt worden ist. Über eine Veröffentlichung im Fotokalender 2022 sowie einen Gutschein vom Gasthaus Linde darf sich die Erstplatzierte Hiltrud Hertlein freuen. Für Hoger Kunisch (zweiter Platz) gibt es einen Gutschein vom Gasthaus Immenstein, Drittplatzierte Regina Kamm hat für ihre Nebelimpressionen ebenfalls einen Gutschein gewonnen. Zusätzlich gibt es für jeden auch noch einen Fotokalender.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
8. November 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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