Ziegen in offizieller Mission

Elchesheim-Illingen (yd) – Hühner scharren, Ziegen grasen: Tierische Landschaftspfleger sind in Elchesheim-Illingen im Einsatz.

Ländliche Idylle am Ortsausgang: Die acht Ziegen und 70 Hühner von David Bruskowski aus Steinmauern sollen das Brombeergestrüpp etwas auslichten. Foto: Yvonne Hauptmann

© yd

Ländliche Idylle am Ortsausgang: Die acht Ziegen und 70 Hühner von David Bruskowski aus Steinmauern sollen das Brombeergestrüpp etwas auslichten. Foto: Yvonne Hauptmann

Pop-up-Läden, -Radwege oder gar -Jahrmärkte kennt man in der Region bereits. In Elchesheim-Illingen ist jetzt aber etwas „aufgepoppt“, was so noch nie da war: ein kleiner Bauernhof. Am Ortsausgang Richtung Steinmauern grasen Ziegen und scharren Hühner zwischen ihren Ställen in Form von Anhängern und Bauwagen. Und das nicht zum Spaß, sondern in offizieller Mission: Die Tiere sollen die Landschaft offen halten.

Einsatz gegen Brombeergestrüpp

Brombeergestrüpp und Hecken haben das Gebiet zwischen Am Seitel und Am Alten Wald arg überwuchert. Deshalb hat die Gemeinde zusammen mit einem privaten Grundstückseigentümer beschlossen, zu handeln – und dafür echte Profis engagiert. Ziegenbock „Franz August“ und seine Truppe sind seit einigen Tagen dabei, alles kahl zu fressen. Wobei: Alles kommt den Vierbeinern dann doch nicht auf den Tisch. „Sie fressen die Blätter und die dünnen Stängel, die dickeren Äste lassen sie auch liegen“, weiß David Bruskowski, Hobbylandwirt und Eigentümer des Viehs. Mit seinem „Steinmurmer Hühnermobil“ ist der 24-Jährige in der Region kein Unbekannter, hat er mit seinen Tieren doch auch schon Flächen rund um Steinmauern oder auch in Plittersdorf bewirtschaftet. Ökologische Landschaftspflege nennt sich das im Fachjargon. Bruskowski erklärt, wie es geht. „Die Ziegen fressen das Gras und die Sträucher und verdichten mit ihren Hufen den Untergrund. Und die 70 Hühner sorgen mit ihrem Gescharre dafür, dass die ersten zwei Zentimenter der Bodenschicht wieder aufgelockert werden.“ Etwa vier bis sechs Wochen, so schätzt Bruskowski, werden seine Tiere in Elchesheim-Illingen zu tun haben. „Dann dürfte wieder Licht reinkommen in die Fläche.“

Automat mit Ziegenfutter

Dass die Ziegen (übrigens gibt es neben der Sorte „Bunte Deutsche“ auch zwei Schwarzwaldziegen, die auf der Roten Liste stehen) an Menschen gewöhnt sind, wird schnell klar. Einige der acht Vierbeiner kommen gleich zum Zaun, um sich kraulen zu lassen. Wer mag, kann sie auch füttern: Bruskowski hat einen Automaten aufgestellt, aus dem man gegen einen kleinen Obolus Ziegenfutter ziehen kann. Ein Schild weist darauf hin, dass die Tiere mit nichts anderem gefüttert werden sollen. „Ich habe leider schon schlechte Erfahrungen gemacht, wenn Leute ihren Rasenschnitt reinkippen oder Äpfel geben. Ein Tier musste sogar mal notgeschlachtet werden.“ Seit es den Automaten gebe, habe es aber keinerlei solcher Zwischenfälle mehr gegeben. „Ich finde, es ist wichtig, dass Kinder in Kontakt mit den Ziegen kommen können. Heutzutage ist das ja selbst auf dem Dorf nicht mehr selbstverständlich.“ Dem stimmt auch Bürgermeister Rolf Spiegelhalder zu. Kindern könnten so die Nutztierrassen näher gebracht und zudem ein Beitrag zur nachhaltigen Landschaftspflege geleistet werden.

Ziegenbock mit eigenem Instagram-Auftritt

Übrigens ist eines von David Bruskowskis Tieren im Internet kein Unbekannter: Ziegenbock „Franz August“ hat sogar eine eigene Instagram-Seite, er ist also eine kleine Berühmtheit. Sein „Auftritt“ als Landschaftspfleger in Elchesheim-Illingen in den kommenden vier Wochen dürfte durchaus dazu beitragen, ihn in der Region noch ein bisschen bekannter zu machen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Yvonne Hauptmann

Zum Artikel

Erstellt:
12. Oktober 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.