Ziel: Mehr Sicherheit für Radfahrer

Baden-Baden (nof) – Die Kurstadt beteiligt sich mit zwei Teststrecken an einem Modellprojekt zur Erprobung von neuen Schutzstreifen. Damit möchte sie das Radfahren sicherer machen.

Zwischen Oos und Sandweier sollen Markierungen auf der Straße Bereiche für Radfahrer schaffen.Foto: Fricke

© nof

Zwischen Oos und Sandweier sollen Markierungen auf der Straße Bereiche für Radfahrer schaffen.Foto: Fricke

Auf zwei Versuchsstrecken möchte die Stadt Baden-Baden das Radfahren sichtbarer und sicherer machen: So genannte Schutzstreifen sollen auf der Straße von Sandweier nach Baden-Oos und im Bereich Geroldsauer Straße/B500 vom Höllhäuser Weg bis zum Schmiegrankweg aufgebracht werden. Damit soll den Autofahrern signalisiert werden, dass Radler dort ihren eigenen Raum haben.

Schutz an Stellen, die bisher nicht vorgesehen waren

Die neuen Schutzstreifen entstehen im Rahmen von Modellprojekten der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) und des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg. „Schutzstreifen sind ja nichts Neues“, sagt Dirk Nesselhauf von der städtischen Tiefbauabteilung und verweist zum Beispiel auf die Schwarzwaldstraße: „Neu ist aber, dass diese Streifen an Stellen angebracht werden sollen, die bislang nicht dafür vorgesehen waren.“ Derzeit werden in rund 30 Kommunen in ganz Baden-Württemberg zwei Arten von Schutzstreifen markiert, die so bisher nicht zulässig waren.

Das soll sich nun zugunsten des Radverkehrs zumindest testweise ändern. Die Stadt Baden-Baden habe sich vergangenes Jahr für eine Beteiligung an dem Modellprojekt beworben und will nun zwei Varianten testen, „um herauszufinden, ob diese neue Art Schutzstreifen das Radfahren sicherer macht – und mehr Menschen aufs Rad bringt“, sagt Nesselhauf. So soll zum einen die neue Variante „zweiseitiger Schutzstreifen innerorts auf schmalen Fahrbahnen“ markiert werden. Bislang sei es nicht erlaubt gewesen, solche Schutzstreifen auf schmalen Straßen aufzubringen, erklärt Nesselhauf. Zugunsten des Radverkehrs werde nun auf dem genannten Streckenabschnitt der Geroldsauer Straße die Fahrbahn für den motorisierten Verkehr verkleinert, dafür erhalten die Radfahrer Schutzstreifen in beide Richtungen.

Landstraßen werden vermehrt zu Radlerstrecken

Zum anderen testet die Stadtverwaltung auch den neuen „Schutzstreifen außerorts“. Auch das sei bislang nicht zulässig gewesen. Dabei hätten sich in den vergangenen Jahren Pedelecs und E-Bikes, mit denen man komfortabel auch weitere Strecken zurücklegen kann, als feste Größe im Straßenverkehr etabliert. „Dadurch werden auch Landstraßen zunehmend interessant für den Radverkehr“, weiß Nesselhauf. Deshalb soll auf dem Abschnitt zwischen Sandweier und Oos (K 9617/L67) untersucht werden, ob Schutzstreifen Radfahrer auf solchen Strecken tatsächlich schützen können. In beiden Fahrtrichtungen der Tempo-70-Strecke werden Verkehrsschilder errichtet, die Verkehrsteilnehmer auf das Modellprojekt hinweisen, kündigt Nesselhauf schon mal an. Denn wann genau die Umsetzung der Versuchsstrecken erfolgen kann, stehe noch nicht fest. „Wir hinken mit den Planungen coronabedingt etwas hinterher.“

Zunächst müsse die Straßenverkehrsbehörde die Neuregelung noch anordnen. Dann könne mit den Markierungsarbeiten begonnen werden. Einen genauen Termin kann Nesselhauf auf Nachfrage noch nicht nennen, „vielleicht Ende des Monats oder Anfang Mai?“ Nesselhauf hofft, dass mit den neuen Teststrecken die Attraktivität des Radfahrens als Alternative zum Pkw weiter gesteigert werden kann.

Bisher größtes Modellprojekt dieser Art

Laut Mitteilung der AGFK werden in zwei Modellprojekten auf zahlreichen Pilotstrecken im ganzen Land verschiedene Varianten von neuartigen Radschutzstreifen getestet. Das Vorhaben sei das bisher größte derartige Modellprojekt in Deutschland. Untersucht wird demnach, wie Schutzstreifen ausgestaltet sein müssen, sodass eine sichere Verkehrsführung für Radfahrer möglich ist. Gefördert werden die Modellprojekte vom Verkehrsministerium. Rund 30 Kommunen beteiligen sich. Neben der Stadt Baden-Baden mit zwei Teststrecken ist auch der Landkreis Rastatt mit der Kreisstraße 3705 zwischen Gaggenau und Sulzbach mit von der Partie. Dort soll voraussichtlich im Frühsommer ein 1,50 Meter breiter Schutzstreifen aufgebracht werden.

Laut AGFK erstrecken sich die Modellprojekte über einen Zeitraum von drei Jahren. Gestartet sind sie bereits 2019. Sichtbar werden sie auf den Straßen in Baden-Württemberg ab diesem Frühjahr, wenn die Schutzstreifen-Markierungen in den Kommunen nach und nach angebracht werden.

Schutzstreifen können – wo es nicht möglich ist, einen eigenen Radweg anzulegen – eine vergleichsweise einfach und günstig umsetzbare Möglichkeit sein, den Radverkehr sicherer zu machen und durchgängige Radverkehrsnetze zu schaffen, heißt es in der Pressemitteilung. Günter Riemer, Vorstandsvorsitzender der AGFK: „Wir sind stolz, dass es durch das aktive Mitwirken von rund 30 Kommunen gelingen konnte, landesweit genügend Pilotstrecken für die Modellvorhaben zu finden. Denn eine hohe Beteiligung von Gemeinden, Städten und Landkreisen ist eine Voraussetzung dafür, dass die Modellversuche möglichst praxisnah und zielgerichtet ausgewertet werden können.“ Im Modellprojekt für Schutzstreifen werde jetzt untersucht, wie sich das Verkehrsverhalten verändert, wenn zu Lasten der Kfz-Fahrbahnbreite die Schutzstreifen für Fahrräder breiter markiert werden. Außerorts werden die Einsatzbereiche zur Markierung ein- oder beidseitiger Schutzstreifen in Abhängigkeit von der Verkehrsbelastung und Struktur der Straße, den topografischen Verhältnissen und den gegebenen Straßenbreiten untersucht. Bis 2021 sollen die Modellvorhaben ausgewertet werden.

Zum Artikel

Erstellt:
2. April 2020, 16:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.