Ziel: Weniger leere Schaufenster in der City

Gaggenau (tom) – Weniger leer stehende Geschäftsräume in der Innenstadt: Dies hat ein gemeinsamer Antrag von vier Gemeinderatsfraktionen zum Ziel.

Leerstehendes Geschäft in der nördlichen Hauptstraße von Gaggenau. Foto: Thomas Senger

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Leerstehendes Geschäft in der nördlichen Hauptstraße von Gaggenau. Foto: Thomas Senger

Wer ein zuvor leer stehendes Geschäft pachtet, soll von der Stadt einen befristeten Mietzuschuss bekommen.

„Aktuell laufen ja eine ganze Reihe von Aktivitäten und Events, um den erfolgreichen Neustart in unserer Innenstadt nach einer sehr schwierigen Phase abzusichern“, heißt es in dem Schreiben an OB Christof Florus.

Diese Maßnahmen unterstütze man ausdrücklich, „wir denken allerdings, dass wir auch längerfristige, nachhaltige Unterstützungsmaßnahmen brauchen, um dauerhaften Leerständen in unserer Innenstadt entgegenzuwirken.“ Über dieses „kommunale Förderprogramm“ und dessen genaue Zielsetzung und mögliche Ausgestaltung solle der Gemeinderat nach der Sommerpause entscheiden.

Zwischen 20 und 50 Prozent

Wie soll die Förderung funktionieren? Bei Leerstand zum Start des Förderprogramms kann dem Pächter eines Lokals oder Geschäfts ein Mietzuschuss von 20 Prozent für zwölf Monate gewährt werden. Wenn das Geschäft bereits länger als ein Jahr leer steht, kann der Mietzuschuss in den ersten zwölf Monaten 50 Prozent betragen; in den nächsten zwölf Monaten dann noch einmal 20 Prozent. Nicht gefördert werden sollen Wettbüros und Spielotheken. Weitere Nutzungsformen könnten noch hinzukommen.

Ähnliche Programme gebe es bereits in anderen Städten, unter anderem in Bretten. Man sieht darin eine Ergänzung der Aktivitäten des City-Managements zur Beseitigung von Leerstand. Man hofft auf Anreiz für Existenzgründungen und Neuansiedlungen von Einzelhandel und Gastronomie. Ausgearbeitet hat den Entwurf SPD-Fraktionsmitglied Stefan Schwaab. Unterzeichnet haben die Fraktionschefs von SPD, CDU, FDP und Grüne. Nicht unterzeichnet haben Freie Wähler und AfD, von beiden seien keine Rückmeldungen gekommen. „Wir haben alle angeschrieben“, berichtet SPD-Fraktionschef Gerd Pfrommer.

Ein erster Schritt

Ein Kommentar von Thomas Senger

Nette Idee mit dem Förderprogramm! Das kann man einmal umsetzen. Man muss allerdings gleichzeitig schon an den nächsten Schritt denken: An die Eigentümer von Innenstadt-Immobilien herantreten und sie davon überzeugen, dass es nicht Aufgabe einer Stadt und deren Steuerzahler sein kann, den Hauseigentümern zu neuen Mietern und Mieteinnahmen zu verhelfen. Die Hauseigentümer müssen dringend selbst in ihre Flächen investieren. Denn zeitgemäß ist längst nicht alles, was sich entlang der Gaggenauer Einkaufsstraßen den potenziellen Kunden präsentiert – weder von außen, noch von innen.

Darüber hinaus sollte man das Förderprogramm nicht auf Einzelhandel und Gastronomie beschränken. Denn was Gaggenau dringend braucht, sind Existenzgründer im sogenannten quartären Sektor – also hochwertige Tätigkeiten, zum Beispiel in Forschung und Entwicklung. In diesen Bereichen können gut bezahlte Jobs entstehen, die wiederum zu einer hohen Wertschöpfung beitragen. Hier gilt es die Nähe zum Innovations-Hotspot Karlsruhe zu nutzen, Kontakte aufzubauen und sogenannte Start-ups an Land zu ziehen. Egal, ob man das dann Gründerzentren nennt, „Platz für Neues“ oder wie auch immer. Auch solche Flächen können im Herzen der City sein. Vielleicht nicht zwingend im Erdgeschoss, sondern darüber. Und wenn in der City kein Platz sein sollte: Die Stadtbahn hat noch weitere Haltestellen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
27. Juli 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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