Zirkus Renz vom Sturm hart getroffen

Baden-Baden (hös) – Zirkus-Inhaber Rudolf Renz ist am Samstagmorgen noch immer fassungslos. Sturm „Zeynep“ hat sein Zirkus- und Stallzelt in Sandweier zerstört. Was nun?

Die Kuppel des Zirkusdachs ist abgedeckt. Der Zirkusdirektor macht sich Sorgen, ob er so den Tournee-Auftakt halten kann. Foto: Rudolf Renz

Die Kuppel des Zirkusdachs ist abgedeckt. Der Zirkusdirektor macht sich Sorgen, ob er so den Tournee-Auftakt halten kann. Foto: Rudolf Renz

Renz kann das alles noch kaum fassen: „Es hat nur zwei, drei Minuten gedauert“, erzählt er am Samstagmorgen. Aus seinem Wohnwagen, „der stark hin- und hergeschüttelt wurde“, habe er beobachtet, wie sich das Tierzelt durch den Sturm aufgebläht habe „wie ein Ballon“: So etwas habe er noch nie gesehen: „Da schaust du zu deinen Tieren und weißt, du musst was tun.“

Die Seitenwände des Stallzelts wurden vom Wind völlig zerstört. Foto: Rudolf Renz

Die Seitenwände des Stallzelts wurden vom Wind völlig zerstört. Foto: Rudolf Renz

In diesem Moment beruhigt sich auch der Wind wieder ein wenig. Und obwohl seine Frau versucht, ihn davon abzuhalten, rennt er nach draußen, um nach dem Rechten zu sehen. Er entdeckt, dass der Wind die Seitenwände des Stallzelts zerfetzt und mehrere Stützen herausgerissen oder abgeknickt hat. Glücklicherweise ist nur die Seite mit den Pferden stark betroffen. Dort haben die Boxen eine Höhe von rund 2,50 Metern – so sind die Tiere vor den umstürzenden Stangen sicher und bleiben unverletzt. „Auf der Kamelseite, wo die Boxenwände nieder sind, hätte das ganz anders geendet“, ist sich der Zirkusmann sicher.

Abgeknickt wie ein Streichholz: Anhand der Zeltstangen kann man erahnen, wie stark die Sturmböen gewesen sind. Foto: Rudolf Renz

Abgeknickt wie ein Streichholz: Anhand der Zeltstangen kann man erahnen, wie stark die Sturmböen gewesen sind. Foto: Rudolf Renz

Dann macht er sich zum Zirkuszelt auf. Von außen sieht es ganz gut aus, er wagt sich ins Innere. Dort ist er zunächst erleichtert: Die Sturmstangen, die genau in solchen Fällen das hohe Zelt sichern, sind an Ort und Stelle. Doch plötzlich kommt es ihm so ungewöhnlich hell im Inneren vor. Er schaute nach oben – und stellt entsetzt fest, dass „Zeynep“ die Kuppel mitgerissen hat. Ein schwerer Schlag.

Tourneeauftakt in Gefahr

„Wir haben eigentlich Ende März in Worms Premiere für unsere Tournee“, berichtet der 37-Jährige. Nach zwei Jahren Pandemie, vielen Sorgen und Einbußen war das eine Perspektive, der er, seine Familie und sein Team entgegengefiebert hatten. Darum hatten sie auch jüngst im Winterlager in Sandweier das große Zirkuszelt aufgebaut. Darin sollten nun die Akrobaten proben und die Tiere im realen Umfeld trainiert werden.

Regnet es durch die offene Kuppel ins Zelt, wird die Manege laut Renz zur „Schlammoase“. An Probebetrieb ist nicht zu denken. Foto: Rudolf Renz

Regnet es durch die offene Kuppel ins Zelt, wird die Manege laut Renz zur „Schlammoase“. An Probebetrieb ist nicht zu denken. Foto: Rudolf Renz

Wie es jetzt weitergeht? Renz weiß es noch nicht. Mit der Reparatur des Stallzelts hat er gleich am frühen Samstagmorgen begonnen. Das Dach ist zum Glück heil geblieben – doch weil die Seitenwände zerrissen sind, stehen die Tiere im Durchzug. „Die Pferde haben ihre Decken an und die Kamele und Lamas zum Glück Winterfell“, tröstet sich Renz. Zwischenzeitlich ist es ihm bereits gelungen, mit einer alten Plane eine Seite zu schließen – „nicht gerade schön“, wie er findet, aber die Tiere sind nun wieder windgeschützt. „Jetzt muss ich in den Baumarkt und weiteres Abdeckmaterial besorgen“, plant er.

Der Schaden am Zirkuszelt ist etwas für Fachleute. Doch die einzige Spezialfirma in Deutschland sitzt weit weg in Hamburg. Foto: Rudolf Renz

Der Schaden am Zirkuszelt ist etwas für Fachleute. Doch die einzige Spezialfirma in Deutschland sitzt weit weg in Hamburg. Foto: Rudolf Renz

Beim Zirkuszelt ist das Problem allerdings weitaus größer. Das können nur Fachleute reparieren. Laut Renz gibt es dafür in Deutschland nur eine Spezialfirma – und die sitzt in Hamburg und ist am Samstag natürlich nicht zu erreichen. Renz hat es dennoch versucht – Fehlanzeige. Bis Montag muss er nun warten, um klären zu können, wie und vor allem wann die Kuppel repariert werden kann – und zu welchem Preis. Renz macht sich Sorgen – um den Tournee-Auftakt. Denn ohne Dach kein Training im Zelt, denn daran werde vieles vom Zubehör der Akrobaten befestigt: „Und wenn es regnet, haben wir in kurzer Zeit in der Manege eine Schlammoase“. Daher wollte er am Samstag noch versuchen, das Loch in luftiger Höhe provisorisch selbst zu schließen. Ob es ihm gelingt, weiß er um die Mittagszeit noch nicht – und schon gar nicht, ob es hält: „Wenn nur nicht wieder starker Wind und Regen kommen“, bangt der Zirkusdirektor.

Lesen Sie auch:

Zirkus Renz hängt in Sandweier fest

Rudolf Renz will nun zunächst versuchen, die Zelte provisorisch selbst zu flicken. Foto: Marvin Lauser/BT

© marv

Rudolf Renz will nun zunächst versuchen, die Zelte provisorisch selbst zu flicken. Foto: Marvin Lauser/BT

Ihr Autor

BT-Redakteurin Stephanie Hölzle

Zum Artikel

Erstellt:
19. Februar 2022, 13:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.