Wenn die Besucher fehlen

Karlsruhe (kie) – Fehlende Besuchereinnahmen bescheren den Zoos leere Kassen und stellen insbesondere private Einrichtungen vor finanzielle Probleme. Wie der Zoo Karlsruhe durch die Krise kommt:

Tierpfleger Moritz Ehlers bei der Fütterung der Seelöwen. Wo üblicherweise viele Besucher zusehen, herrscht derzeit absolute Ruhe. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

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Tierpfleger Moritz Ehlers bei der Fütterung der Seelöwen. Wo üblicherweise viele Besucher zusehen, herrscht derzeit absolute Ruhe. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Benny vermisst die Menschen. Damit ist das älteste Schimpansenmännchen Deutschlands jedoch so gut wie allein im Zoo Karlsruhe. „99 Prozent der Tiere vermissen überhaupt keine Besucher“, schätzt Zoopressesprecher Timo Deible. Doch die fehlenden Besucher bescheren den Zoos während der Corona-Krise leere Kassen – und haben teilweise sogar Auswirkungen auf weltweite Artenschutzprojekte.

Zoo lässt sich nicht einfach stilllegen

So schreibt die Deutsche Tierpark-Gesellschaft (DTG) in ihrer jüngsten Pressemitteilung, dass die Zoowelt wegen der fehlenden Besuchereinnahmen „vor riesigen Herausforderungen“ stehe. Die DTG fordert deshalb „ein verlässliches Öffnungsszenario“. Viele Zoos müssten Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und Investitionen stoppen, nur bei der Qualität der Tierpflege mache man „keine Abstriche“, heißt es. Und tatsächlich lässt sich ein Zoo nicht einfach stilllegen.

Elefantenkuh Jenny holt sich Futter aus einem aufgehängten Heunetz. Die Tiere im Zoo Karlsruhe werden auch während der Schließung weiterhin gut versorgt. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

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Elefantenkuh Jenny holt sich Futter aus einem aufgehängten Heunetz. Die Tiere im Zoo Karlsruhe werden auch während der Schließung weiterhin gut versorgt. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Der Zoo Karlsruhe ist dabei „in der glücklichen Lage“, so Deible, „ein Amt der Stadt Karlsruhe zu sein“ – ein großer Unterschied zu privatwirtschaftlich geführten Zoos. So müssen in Karlsruhe die Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit geschickt werden; allein die Kassierer werden nun in anderen Bereichen der Stadtverwaltung eingesetzt – etwa bei der Corona-Hotline, wie Deible sagt.

„Wenn der Zoo hier zugemacht wird, leiden auch die Projekte dort“

Die Afrika-Savannenanlage wird weitergebaut und der Tierpark steht nicht vor finanziellen Problemen durch die fehlenden Einnahmen. Denn die Einnahmen kamen in der Vergangenheit nicht direkt dem Zoo, sondern der Stadt zu; der Zoo erhält hingegen ein festes Budget. „Das heißt, die Einnahmen fehlen jetzt der Stadt“, sagt deshalb Deible. Einschnitte werde es in Zukunft bei Neuinvestitionen geben, vermutet er. Doch damit müsse man leben.

Für viele Tiere wie die Chinaleoparden ist auch der Schnee der vergangenen Tage eine schöne Abwechslung gewesen. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

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Für viele Tiere wie die Chinaleoparden ist auch der Schnee der vergangenen Tage eine schöne Abwechslung gewesen. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Die fehlenden Besucher haben aber auch Folgen für weltweite Projekte der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe: Ein Artenschutz-Euro pro Tagesticket kam in der Vergangenheit verschiedenen Projekten etwa in Ecuador, Sri Lanka oder Borneo zugute – „das Geld muss jetzt anders generiert werden“, so Deible. „Wenn der Zoo hier zugemacht wird, leiden auch die Projekte dort“.

Anteilnahme groß

Nach dem Lockdown im Frühjahr sind die Zoos in Baden-Württemberg seit Anfang November erneut geschlossen. Während sie in Berlin, Sachsen-Anhalt und im Saarland offen blieben, und in Schleswig-Holstein ab März wieder öffnen dürfen, weiß man im Südwesten noch nicht, wie es weitergehen wird. „Im Vorfeld erfahren wir gar nichts“, kritisiert Deible. „Da würden wir uns mehr Informationen wünschen“. Zoos seien bei den politischen Beschlüssen nicht ausreichend Thema. Die Unsicherheit sei auch problematisch, weil viele Besucher bei ihm anfragten, wie es weitergehe, erklärt er. Überhaupt sei die Anteilnahme groß: Über die sozialen Medien erreichten den Zoo „so unfassbar viele Reaktionen“, insbesondere die Video-Serie „Zoo-Einblick“ sei beliebt. Deible spricht von einer wöchentlichen Reichweite auf Facebook von 100.000 bis 500.000 Nutzern.

Pressesprecher Timo Deible nimmt sich Zeit für Interaktion mit Schimpanse Benny an der Scheibe der Außenanlage. Die Tierpfleger kümmern sich außerdem täglich darum, dass es den Schimpansen nicht langweilig wird. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

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Pressesprecher Timo Deible nimmt sich Zeit für Interaktion mit Schimpanse Benny an der Scheibe der Außenanlage. Die Tierpfleger kümmern sich außerdem täglich darum, dass es den Schimpansen nicht langweilig wird. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Sollten die Zoos im März öffnen, sieht man sich in Karlsruhe gut gewappnet: Die bereits erprobten Hygienekonzepte haben laut Deible „sehr, sehr gut funktioniert“. Man habe kein einziges Mal eine Nachverfolgungsmaßnahme im Zoo gehabt; nur zwei Mitarbeiter von rund 130 waren infiziert, was zeige, dass „auch die Mitarbeiter-Hygienekonzepte funktioniert haben“.

Schutz von Mensch und Tier

Dabei müssen im Zoo nicht nur die Besucher und Mitarbeiter geschützt werden – auch Menschenaffen und Raubkatzen können laut Deible Corona bekommen: „Noch bevor jemand von Maskenpflicht gesprochen hat, haben unsere Tierpfleger etwa bei den Schimpansen Masken getragen und ihre Hände desinfiziert“. Der 53-jährige Benny soll schließlich gesund bleiben – auch wenn er dafür noch ein wenig auf Besucher verzichten muss.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
16. Februar 2021, 19:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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