Zu Besuch in der Werft der DRF Luftrettung am Baden-Airpark

Rheinmünster (sre) – Am Ende geht es stets um ein Menschenleben: Die DRF Luftrettung unterhält deshalb am Baden-Airpark eine eigene Werft. Dort werden Hubschrauber für ihre Notfalleinsätze gewartet.

Hubschrauber, so weit das Auge reicht: Wartungsdocks für 13 Hubschrauber und zwei Learjets hält die DRF Luftrettung am Baden-Airpark vor. Foto: Sarah Reith

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Hubschrauber, so weit das Auge reicht: Wartungsdocks für 13 Hubschrauber und zwei Learjets hält die DRF Luftrettung am Baden-Airpark vor. Foto: Sarah Reith

Schwerer Unfall, eine Person lebensgefährlich verletzt, ein Hubschrauber soll den Patienten in eine Klinik fliegen: Für die Mitarbeiter der DRF Luftrettung ist ein solches Szenario Alltag. Doch wenn ein Menschenleben auf dem Spiel steht, darf unter keinen Umständen die Technik streiken. Die DRF Luftrettung unterhält deshalb am Baden-Airpark eine eigene Werft, in der die mehr als 50 Hubschrauber und zwei Learjets der Flotte gewartet werden.

Vor dem Bürofenster ist ein lautes Brummen zu hören: Im Außenbereich findet gerade ein „Bodenlauf“ statt. Ein rot-weißer Hubschrauber steht dort, dessen Rotoren „gewuchtet“ werden, wie der Fluggerätemechaniker Dennis Wetzel drinnen erzählt. Dabei geht es um die Feineinstellung der Rotorblätter, die dafür sorgt, dass nicht zu viel Vibration entsteht. Es ist der vorletzte Schritt, bevor der Helikopter wieder in den Einsatz geschickt werden kann: Danach wird einer der beiden Werkstattpiloten noch den „Einflug“ vornehmen und alles in der Luft testen.

Die Maschine hat zu diesem Zeitpunkt in der Regel bereits mehrere Wochen, manchmal sogar Monate in Söllingen zugebracht. Vier bis fünf Wochen dauert eine große Wartung, berichtet Markus Schatz, der Leiter des Wartungsbetriebs für den Bereich Hubschrauber. Die Maschine werde dabei „komplett zerlegt“ und wieder zusammengesetzt. Insgesamt 13 Wartungsdocks stehen für die Helikopter zur Verfügung, dazu kommt noch eine eigene Abteilung für die beiden Flächenflugzeuge der DRF Luftrettung.

Nicht nur Wartungen, sondern auch Modifikationen

Die 128 Mitarbeiter im Werftbetrieb, darunter 82 Techniker aus unterschiedlichsten Bereichen, führen aber nicht nur die in regelmäßigen Abständen fälligen Wartungen durch und reparieren defekte Teile, sondern es werden auch teils umfassende Modifikationen umgesetzt – und das kann auch mal deutlich länger dauern. Derzeit wird zum Beispiel eine H145 umgebaut: Statt wie bisher mit vier wird die Airbus-Maschine künftig mit fünf Rotorblättern fliegen. „Sie fliegt ruhiger“, nennt Schatz einen großen Vorteil des Umbaus, „und sie wird leiser.“ Das sei gerade bei Landungen und Starts im Bereich von Kliniken eine wichtige Anforderung.

Auch im Bereich der „Collision Avoidance“, der Vermeidung von Kollisionen mit anderen Fluggeräten in der Luft, wird immer wieder etwas getan, um die Maschinen auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

Mit diesem Bereich hat an diesem Tag auch das Team um Kai Miehe zu tun. Er ist Leiter der Avionik: Seine Mannschaft ist dafür zuständig, die Elektronik in den Fluggeräten zu warten und instand zu setzen. Am Vorabend kam ein Anruf aus Karlsruhe, erzählt Miehe: Das Kollisionswarnsystem eines dort stationierten Helis zeigte nicht richtig an. Ein Mitarbeiter wurde direkt zur Fehlersuche hingeschickt. Solche Spontaneinsätze sind hier an der Tagesordnung: „Kein Tag ist wirklich planbar“, sagt der Chef der Avioniker.

Blick auf die Technik: Dennis Wetzel, Kai Miehe und Markus Schatz (von links) nehmen einen der Hubschrauber in Augenschein. Foto: Sarah Reith

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Blick auf die Technik: Dennis Wetzel, Kai Miehe und Markus Schatz (von links) nehmen einen der Hubschrauber in Augenschein. Foto: Sarah Reith

Gerade die abwechslungsreichen Aufgaben machen für ihn und auch für den frischgebackenen Fluggerätemechaniker Dennis Wetzel den Reiz aus. Wetzel hat kürzlich seine Ausbildung abgeschlossen und ist bei der DRF Luftrettung nun als Fertigungstechniker tätig. Er schwärmt von den vielfältigen Aufgaben. Er stellt in seinem Job auch Teile her, wenn zum Beispiel etwas defekt ist. Und er wird dabei immer wieder mit Neuem konfrontiert. Die Aufgaben seien „technisch, aber auch kreativ, weil man Lösungen erarbeiten muss“, erzählt der 24-Jährige. Das gilt vielleicht sogar noch mehr für den eigenen Entwicklungsbetrieb der DRF Luftrettung, der in einem Nachbargebäude angesiedelt ist: „Das sind unsere Erfinder“, sagt Stefanie Kapp, Pressereferentin der DRF Stiftung Luftrettung. Die Kollegen dort haben in Corona-Zeiten zum Beispiel eine eigene Bodenplatte entwickelt, um ein „Epishuttle“ zum Transport hochinfektiöser Patienten sicher im Hubschrauber zu verankern. Aber auch, wenn die Aufgaben vielfältig sind, eines ist den Mitarbeitern gemein: „Man weiß, mit dem, was ich mache, kann ich was bewegen“, bringt es Dennis Wetzel auf den Punkt. Schließlich steht im Zweifel stets ein Menschenleben auf dem Spiel.

Standort seit 1998 in Söllingen

Einsatzzentrale: Neben der eigenen Werft und dem Entwicklungsbetrieb ist auch die Einsatzzentrale der DRF Luftrettung am Baden-Airpark angesiedelt. Diese organisiert für die DRF Luftrettung Transporte von Patienten zwischen Kliniken sowie sogenannte Repatriierungen, also die Rückführung von Verletzten ins Heimatland.

Werftbetrieb: Der Werftbetrieb der DRF Luftrettung besteht bereits seit 1979. Anfangs befand er sich am Flugplatz in Oos. Die Grundsteinlegung am Airpark war im Mai 1998, seit 2012 wird dort in einem neuen, größeren Gebäude gearbeitet. Als Luftfahrtunternehmen bedient man neben eigenen Hubschraubern der DRF Luftrettung und der ARA Luftrettung in Österreich auch weitere nationale und internationale Kunden auf dem Gebiet der Instandhaltung.

Entwicklungsbetrieb: Den Entwicklungsbetrieb gibt es seit 15 Jahren, seither wurden dort um die 1.500 Modifikationen an der eigenen Flotte sowie an Hubschraubern von Kunden durchgeführt.

29 Standorte: Die DRF verfügt über 29 Standorte in Deutschland, wo die in Söllingen gewarteten Hubschrauber stationiert sind. (sre)

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
21. April 2022, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 26sec

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