„Zu gut, um es nicht zu drucken“

Von Kerstin Bausch

Iffezheim (kba) – Der Wahl-Iffezheimer Hotelier Arne Schumacher hat einen Krimi geschrieben: „Die Schattenarmee“. Drei Jahre Arbeit stecken darin.

„Zu gut, um es nicht zu drucken“

Fürs Foto die Uniform übergestreift: Der Hotelier, Autor und Oberst der Reserve Arne Schumacher. Foto: Kerstin Bausch

„Darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben!“ Das ist schnell gesagt, es jedoch zu machen, schaffen nicht viele. Wenn dieses Buch dann auch noch in einem namhaften Verlag erscheint, weil man dort fand, dass es „zu gut sei, um es nicht zu drucken“, klingt das für ein Erstlingswerk ohne prominenten Autor fast unglaublich. Und doch ist es die Geschichte des Neu-Iffezheimers Arne Schumacher, der vor rund dreieinhalb Jahren das Hotel de Charme „Zum Schiff“ übernommen hat.Zuvor hatte er mehr als 20 Jahre lang als selbstständiger Unternehmensberater und Personalentwickler gearbeitet, war Honorardozent und hatte sich in verschiedenen umfangreichen Ehrenämtern für seine Heimatstadt Großbottwar verdient gemacht. Zusammen mit der Künstlerin Iris Goldschmied, die sich mit Ausstellungen in Stuttgart einen Namen machte, führt er das „Zum Schiff“ als kleines, feines Hotel garni mit behaglichem Kaminzimmer, stilvollen Zimmern und eleganter Frühstückstafel. Hier wirkt alles handverlesen, durchdacht und charaktervoll bis hin zur letzten Nuss.

Ähnliches ließe sich über Schumachers erstes Buch „Die Schattenarmee“ sagen, das vor wenigen Tagen im Verlag Ungeheuer+Ulmer erschienen ist. Drei Jahre Arbeit stecken darin. Schumacher: „Ich habe versucht, zu schreiben, was ich selbst auch gerne lesen würde“, wobei das Thema und die Wortwahl, die auch von Militär- und Polizeisprache gespeist wird, erst mal vermuten ließen, dass auch vom Leser einiges an Spezialwissen abverlangt wird – zumal der Auftakt des Buchs eine Art Lagebesprechung ist.

Nach kaum sieben Seiten kommt die Geschichte dann aber bereits im Hier und Jetzt an, trägt Vergangenes ins Licht und bringt dabei Altes von Neuem ins Spiel, wie eben nur Familienbande es vermögen; verklärt und klärt wieder auf. So setzt die Handlung kurz nach dem Kriegsende an, wo in einem Gaststätten-Hinterzimmer in Ludwigsburg ehemalige Befehlshabende auf Untergebene, Militärsprache auf kriegsgebeutelte Sprachlosigkeit treffen und Verbindungen verpflichtend bekräftigt werden.

„Die Geschichte ist vielschichtig,“ bestätigt Schumacher, der in seinem Buch die Leser mit präzise verorteten Bildern mit auf die Reise nimmt. In Ludwigsburg, wo die Geschichte beginnt, hat es in der Schützenstraße zumindest bis 1932, tatsächlich mal eine Exportbrauerei-Gaststätte Körner gegeben. Auch weitere Namen und Orte basieren auf Quellen. „Bei mir darf ein Buch nie 100 Prozent fiktiv sein.“ Plot und Setting sind jedoch frei entwickelt, ehe sie dann an den islamistischen Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin 2016 anknüpfen.

Geheimbünde und IS-VerbindungenVor dem Schreiben hat sich Schumacher in die jüngere deutsche Vergangenheit vertieft, Fakten studiert, Hintergründe gesucht. „Über die Schnez-Truppe und die Gladio gab es kaum etwas zu lesen,“ dennoch seien die sogenannten Stay-behind-Organisationen geschichtlich belegt, betont Schumacher. Genau diese Geheimbünde fand er spannend und flocht sie ein.

Als Oberst der Reserve, der er bis heute ist, blickt er auf eine ansehnliche Laufbahn bei der Bundeswehr zurück, was sich in Abkürzungen und Fachjargon auch im Buch spiegelt. Schumacher kennt sie aus dem Effeff, für alle Fälle gibt es aber hinten im Buch auch vier Seiten Glossar dazu. Die Schnez-Truppe war eine Organisation von rund 2.000 ehemaligen Offizieren der Waffen-SS und der Wehrmacht, die ab 1949 im Geheimen operierte; Gladio nannte sich eine rechtsextreme Gruppierung in Italien.

Den Rahmen der Handlung aber bildet eine Polizeiermittlung, getragen von der Protagonistin, einer starken Frau – jung und unabhängig, groß und blond –, die privat als Alleinerbin dem Nachlass ihres mit 96 Jahren verstorbenen Onkels gegenübersteht. Von Berufs wegen Oberkommissarin, wird sie dann bei Ermittlungen zu den Morden von zwei vermeintlichen Syrern mit einem Wehrmachtskarabiner auch noch mit der dunklen Seite ihres Erbes konfrontiert. Als ungleicher Partner steht ihr Dr. Holtmann, ein promovierter, bibliophiler Autor und Journalist mit Interesse an Militärgeschichte und viel Freizeit zur Seite.

Geheim, unentdeckt oder nur Mythos? Das Buch spielt mit den Fragen wie bei einem Puzzle. Am Ende fehlen noch Teile. „Die Geschichte geht ja weiter“, verrät Schumacher. Hatte er „Die Schattenarmee“ quasi schon im Gepäck, als er ins Badische kam, arbeitet er nun in Iffezheim bereits an einer Fortsetzung, welche die schöne Kommissarin auch mal an den Oberrhein führen könnte.