Zu viel Müll auf der Guckenhütte

Bühl (hol) – Vandalen zum Trotz: Die „Ranger“ Oliver Wachter und Martin Gerstner schauen fast täglich bei der Guckenhütte nach dem Rechten.

Oliver Wachter und Martin Gerstner (rechts) schauen fast täglich bei der Guckenhütte nach dem Rechten und halten gemeinsam mit ihren Freunden die Anlage in Schuss. Foto: Harald Holzmann

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Oliver Wachter und Martin Gerstner (rechts) schauen fast täglich bei der Guckenhütte nach dem Rechten und halten gemeinsam mit ihren Freunden die Anlage in Schuss. Foto: Harald Holzmann

Woher die Guckenhütte ihren Namen hat? Das kann nur jemand fragen, der noch nie da oben war. Am Waldrand oberhalb von Kappelwindeck, am Hang des Klotzbergs, gut 130 Meter über der Turmspitze der Bühler Stadtkirche ist das 180-Grad-Panorama gigantisch. Gucken kann man meilenweit. Auch Martin Gerstner und Oliver Wachter kommen regelmäßig zum Gucken her. Das Augenmerk der beiden „Ranger“ der Guckenhütte gilt aber nicht dem Ausblick.

Müllbehälter reicht nicht aus

„Jeden zweiten Tag geht einer von uns hier vorbei“, sagt Oliver Wachter. Und das sei auch nötig. Die Wochenenden seien bei gutem Wetter „ein echter Hotspot“. Dann reicht der Müllbehälter, der einmal pro Woche im Auftrag der Stadt Bühl geleert wird, nicht aus, um die Abfälle aufzunehmen, die Feiernde hinterlassen. Flaschen, Pizzakartons, Tüten voller Müll und Essensreste. „Wir versuchen, die Sachen immer schnell wegzuräumen, um keinen Nachahmungseffekt zu bekommen.“ Aber es ist eine Sisyphusarbeit. „Manchmal müssen hier echte Orgien abgehen, nach dem, was wir so finden“, berichtet Martin Gerstner. Auch viele Pfandflaschen seien zu finden. „Acht Cent Pfand für die Bierflaschen sind ja auch ein Witz“, findet er. „Das müsste 50 Cent oder einen Euro kosten.“

Ein toller Anblick: Von der hölzernen Theke an der Guckenhütte hat man freie Sicht bis nach Frankreich und auf Wind und Wetter in der Rheinebene. Foto: Harald Holzmann

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Ein toller Anblick: Von der hölzernen Theke an der Guckenhütte hat man freie Sicht bis nach Frankreich und auf Wind und Wetter in der Rheinebene. Foto: Harald Holzmann

Ja, vielleicht würden Festgäste dann wenigstens die Pfandflaschen wieder mit nach Hause nehmen. Vielleicht aber auch nicht. „Alkohol enthemmt ja irgendwie“, sagt Wachter. Und anscheinend hätten ja auch etliche, die hier oben rasteten und Partys feierten, einen Teil ihrer Erziehung verpasst. So wie jene Eltern, die kürzlich mit ihren Kindern picknickten und ihre Kleinen lustig mit Straßenschuhen über die nagelneue Außentheke rennen ließen. Vor ein paar Wochen hätten sie auch einen Bühler erwischt, der seinen Hausmüll zur Guckenhütte gebracht habe. „Das haben wir der Polizei gemeldet. Die sind dem Kerl auf die Schliche gekommen, weil im Müllsack auch Sachen mit seiner persönlichen Adresse waren.“

„Wenn die Leute wüssten, wie viel Arbeit da drinsteckt, würden sie ordentlicher mit den Dingen umgehen“, hat Wachter trotz aller Aufräumeinsätze noch lange nicht den Glauben an die Menschheit verloren. Und auch sein Kollege bleit entspannt: „Die positiven Erlebnisse überwiegen“, sagt er.

Regenwassertank und eine Aussichtstheke

Es gebe viel Lob von den Kapplern. Mancher Spaziergänger komme vorbei und helfe beim Aufräumen. „Vor allem Leute mit Migrationshintergrund verhalten sich in der Regel vorbildlich“, sagt Ex-Polizist Gerstner, dessen Kollegen nachts auch mal Hüttenstreifen fahren und nach dem Rechten schauen. Wohnmobilisten, die den Parkplatz für eine Nacht nutzen, sieht er gerne. „Dann kommt die Generation Burger King mit ihrem Müll nicht vorbei“, sagt Gerstner.

Stolz blickt er über das Areal, das die Handschrift der beiden ehrenamtlichen Grillhütten-„Ranger“ trägt. Ein Brunnen ist gefasst, Parkplätze wurden angelegt, die Hütte saniert, Hecken gepflanzt und eine Blumenwiese, für große Sitzsteine gab es Geld aus dem Leader-Topf der EU.

Kein toller Anblick: Die Hinterlassenschaften von Feiernden passen nicht in die Tonne.Foto: Harald Holzmann

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Kein toller Anblick: Die Hinterlassenschaften von Feiernden passen nicht in die Tonne.Foto: Harald Holzmann

Das neueste Projekt ist die Installation eines Regenwassertanks, um Löschwasser für die Feuerstelle zu haben, auch dann, wenn in trockenen Sommerwochen die Quelle neben der Hütte versiegt. Im Jahr 2014 haben die beiden die Pflege des Geländes übernommen – gemeinsam mit einer Gruppe von 15 Freunden, alle aus Bühl. Ohne deren Hilfe hätten sie es so toll nicht hinbekommen, sagen sie. Das letzte Gemeinschaftswerk: die gut sechs Meter lange hölzerne Theke im Freien, die im April aufgestellt wurde. „Das ist vielleicht nicht die längste Theke Deutschlands, aber die mit der schönsten Aussicht nördlich der Alpen“, sagt Wachter und blickt in die Ferne.

Martin Gerstner lacht und nickt. „Nein. Aufgeben ist keine Option.“ Das betonen beide. Dafür ist es droben, am Hang des Klotzbergs, 130 Meter über der Spitze des Turms der Bühler Stadtkirche viel zu schön.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
27. Mai 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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