Zu wenig Bio aus dem Südwesten

Stuttgart (bjhw) – Die grün-schwarze Landesregierung will den Anteil der biologisch bewirtschafteten Flächen bis ins Jahr 2030 deutlich steigern – von derzeit 14 Prozent auf 30 bis 40.

Das Land will gute Rahmenbedingungen für biologische Landwirtschaft schaffen.  Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Das Land will gute Rahmenbedingungen für biologische Landwirtschaft schaffen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Baden-württembergische Äpfel aus ökologischem Anbau sind ein Exportschlager. Wichtige andere Ware wie Eier und Milch, Gemüse, Getreide oder Kartoffeln aus Bio-Produktion müssen nach Angaben des Ministeriums für den ländlichen Raum aber eingeführt werden, um den Bedarf zu decken. Was fehlt, sind einschlägig bewirtschaftet Flächen, deshalb will Grün-Schwarz ihren Anteil bis 2030 auf 30 bis 40 Prozent steigern. Die Anstrengung, die nötig ist, zeigt sich an zwei anderen Zahlen:

Seit 1992 ist die Bewirtschaftung gerade mal auf 14 Prozent der Flächen umgestellt worden.

Minister Hauk wirbt für Bio

Kaum jemand überblickt die Entwicklung so wie der zuständige Minister Peter Hauk. Der war im Amt schon zwischen 2005 und 2010 und ist 2016 zurückgekehrt. „Insgesamt kann und soll Bio als Chance für die Zukunft von landwirtschaftlichen Betrieben im Land, unabhängig von ihrer Größe, wahrgenommen werden“, appelliert er heute. Die einschlägigen Verbände halten ihm entgegen, dass er in früheren Jahren zu wenig für Öko-Anbau geworben hat. Tatsächlich verlangte der gelernte Forstwirt immer wieder, konventionelle und biologische Produktion nicht gegeneinander auszuspielen. Inzwischen lobt er den 2012 unter Grün-Rot verabschiedeten Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“.

Die neuen Zahlen unterstreichen die Potenziale. Nur 14 Prozent des Gesamtkonsums von Bio-Eiern können gegenwärtig mit eigenen Produkten bedient werden. Bei Feldgemüse sind es 46 Prozent und bei Kartoffeln immerhin 59, bei Getreide für Brot 63, bei Milch 75. Bei Fleisch wird der Bedarf mit 99 Prozent ziemlich genau erfüllt. Wobei die Zahlen nur prinzipielle Hinweise geben, weil zumindest theoretisch auch denkbar ist, dass Erzeugnisse trotz der Unterversorgung exportiert und deshalb in noch höherem Maße importiert werden muss. Belegt ist die Sonderstellung und damit die Beliebtheit von Bio-Äpfeln, die derart blühen und gedeihen angesichts der klimatischen Bedingungen, dass fast die Hälfte der Produktion außerhalb Baden-Württembergs landet.

Öffentliche Hand ist gefordert

Bereits untersucht ist, wie die Umstellung stimuliert werden könnte. „Um das Ziel von 30 bis 40 Prozent zu erreichen, gilt es aktuelle Nachfrage-Trends und Wirkungskräfte zu berücksichtigen, zu beschleunigen und zu verstärken“, heißt es in der vom MLR in Auftrag gegebenen Studie. Dafür seien Investitionen und Kraftanstrengungen der Wirtschaft und der öffentlichen Hand erforderlich. Durch Förderprogramme, Beratung und Begleitung müssten gute Bedingungen für den biologischen Landbau geschaffen werden. Hauk sieht die Verbraucher in einer Schlüsselrolle. Würde die Nachfrage noch weiter steigen, würde auch mehr produziert. Außerdem könnten Großküchen und Mensen verstärkt zu regionaler Bio-Ware greifen. Das Land will mit gutem Beispiel in den eigenen Kantinen vorangehen.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
7. September 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
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