Zu wenig Impfstoff für alle Impfwilligen

Bühl (BNN) – Bei der Impfaktion im katholischen Gemeindehaus in Bühl war stundenlanges Warten angesagt. Allerdings reichte der Impfstoff nicht für alle.

Lange Schlange: Nur wer den Einmalimpfstoff von Johnson&Johnson haben will, hat in diesem Teil der Warteschlange noch eine Chance auf den Piks. Foto: Swantje Huse

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Lange Schlange: Nur wer den Einmalimpfstoff von Johnson&Johnson haben will, hat in diesem Teil der Warteschlange noch eine Chance auf den Piks. Foto: Swantje Huse

Es ist ziemlich genau Viertel vor 11, als die Vorfreude in Frust umschlägt. Genauer: Es ist der Moment, in dem der Mann von der Polizeibehörde den letzten Zettel mit der Aufschrift „Biontech“ verteilt und noch längst nicht am Ende der langen Warteschlange angekommen ist, die sich vom katholischen Gemeindehaus in der Wiedigstraße über die Karl-Reinfried-Straße und die Oberweierer Straße fast bis zur Hauptstraße zieht.

Es ist die erste Impfaktion seit Schließung des Impfzentrums und entsprechend groß ist der Andrang. „Na toll.“ Eva verzieht ihr Gesicht. Sie ist zusammen mit ihrer Tochter Yasmin extra aus Achern nach Bühl gefahren, damit sich die 17-Jährige impfen lassen kann. „Ich wollte mir den Booster holen“, sagt Eva. Dass daraus jetzt nichts werde, sei nicht so tragisch. „Aber endlich wollte sie sich impfen lassen. Und jetzt klappt es schon wieder nicht.“ Es ist bereits der dritte Anlauf, den Mutter und Tochter unternehmen, seitdem sich Yasmin zur Impfung durchgerungen hat. „Der erste Termin wurde abgesagt wegen Impfstoffmangel. In Offenburg gab es technische Probleme. Und jetzt das.“ Eineinhalb Stunden haben die beiden im Regen ausgeharrt. Jetzt fahren sie enttäuscht zurück.

Haben Glück: Manuel und der 13-jährige Louis stehen weit genug vorne, um noch mit Biontech geimpft zu werden. Foto: Swantje Huse

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Haben Glück: Manuel und der 13-jährige Louis stehen weit genug vorne, um noch mit Biontech geimpft zu werden. Foto: Swantje Huse

Etwas weiter vorne stehen Manuel und sein Sohn Louis. Sie haben Glück und noch zwei Zettel ergattert. Auch hier geht es um Booster für den Vater und Erstimpfung für den Sohn. „Ob jemand geimpft ist oder nicht, ist eigentlich kein Thema in der Schule“, erzählt der 13-Jährige. Dennoch habe er sich für eine Impfung entschieden. Aus zwei Gründen. „Es gibt mir ein bisschen Schutz. Und ich habe mehr frei, weil ich am Montag vielleicht nicht in die Schule muss“, sagt er grinsend. Bis Vater und Sohn aber den Eingang des Gemeindehauses erreichen, wird „sicher noch mal eine Stunde“ vergehen, glauben sie.

Druck durch Testpflichten impfentscheidend

Tatsächlich: Wer inzwischen die Eingangstür im Blick hat, steht teilweise schon seit 9 Uhr und früher an. Losgegangen ist die Impfaktion um 10 Uhr. Dauern wird sie bis 15 Uhr. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viel los ist“, sagt eine Frau. Während sie ihre Drittimpfung abholen möchte, steht einige Meter vor ihr ein 42-Jähriger, der zum ersten Mal geimpft wird. Überzeugt ist er nicht wirklich. „Aber der Druck durch den Arbeitgeber ist jetzt da.“

Er habe keine Lust, sich täglich testen zu lassen. Während er sich ein Biontech-Zettelchen hat geben lassen, steht neben ihm ein Kumpel ohne Zettel. „Ich nehm‘ Johnson“, sagt er. Obwohl bei dem Einmal-Impfstoff inzwischen bereits nach vier Wochen eine Auffrischung empfohlen wird, ist in der Schlange immer wieder ein Kopfschütteln zu sehen, als die Biontech-Zettel verteilt werden.

Ins katholische Gemeindehaus rein kommt nur, wer eine Impfung braucht. „Keine Medien, dafür ist keine Zeit“, erklärt der Sicherheitsmann an der Eingangstür, die von außen nicht geöffnet werden kann. Wie viele Impfdosen an diesem Samstag in Bühl verimpft werden? Er weiß es nicht. „Weniger, als Menschen hier sind.“ Nur so viel kann der Mann sagen: Zwei Impfteams aus Karlsruhe seien da und arbeiteten ohne Pause. Und dann noch an all jene gewandt, die zettellos geblieben sind: „Versuchen Sie es auf gut Glück nochmal ab halb drei. Oder ab Mittwoch in Altschweier.“ Dort gibt es dann wieder ein Impfzentrum.

Ihr Autor

unserer Mitarbeiterin Swantje Huse

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Erstellt:
29. November 2021, 09:10 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

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