Zufrieden sind sie alle – bis auf einen

Baden-Baden/Rastatt (BT) – Die Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien haben ihr Ergebnis im Wahlkreis Rastatt und auf Bundesebene gegenüber dem BT bewertet.

Kai Whittaker hat zwar das Mandat geholt, muss aber deutliche Stimmverluste verkraften. Foto: Dieter Klink

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Kai Whittaker hat zwar das Mandat geholt, muss aber deutliche Stimmverluste verkraften. Foto: Dieter Klink

Auf Bundesebene lieferten sich SPD und CDU am Sonntagabend lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem die SPD am Ende vorne lag. Im mittelbadischen Wahlkreis Rastatt (273) sah es bei den Zweitstimmen genau andersherum aus, und auch das Direktmandat (Erststimme) ging klar an CDU-Mann Kai Whittaker. Gegenüber dem BT haben alle Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien ihr Ergebnis und das ihrer Partei bewertet.

Whittaker ist froh und dankbar, dass er zum dritten Mal in Folge das Direktmandat gewonnen hat. Außerdem liege sein Ergebnis im Wahlkreis über dem Bundesschnitt seiner Partei. Klar habe er wegen des schwierigen Bundestrends starke Verluste hinnehmen müssen, aber „trotzdem ist es noch ein deutliches Ergebnis, und es zeigt, dass wir noch Wahlkreise gewinnen können“. Insgesamt ist es für die CDU aber das historisch schlechteste Ergebnis, das stelle ihn nicht zufrieden. Man müsse die Partei modernisieren. „Wir müssen unsere Kompetenzwerte steigern“, fordert er. Nach der Ära Merkel müsse die Union härter an den Inhalten arbeiten. Zur Regierungsbildung solle zunächst die stärkste Kraft mit möglichen Partnern sondieren, also die SPD. „Das heißt nicht, dass daraus eine stabile Regierung hervorgeht. Wir stehen bereit, sollten wir gebraucht werden.“

Bewertet den Wahlausgang durchweg positiv: Gabriele Katzmarek. Foto: Florian Krekel

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Bewertet den Wahlausgang durchweg positiv: Gabriele Katzmarek. Foto: Florian Krekel

Durchweg positiv beurteilt SPD-Kandidatin Gabriele Katzmarek das Abschneiden der Sozialdemokraten. Sowohl auf Bundesebene als auch im Wahlkreis. Das Ergebnis in Mittelbaden sei „eine Sensation“, so Katzmarek. „Der Abstand bei den Zweitstimmen zur CDU beträgt gerade mal knapp drei Prozent. Bei der letzten Wahl waren es 20 Prozent. Und auch bei den Erststimmen haben wir gewaltig aufgeholt.“ Der Unterschied sei rund 15 Prozentpunkte geringer als 2017. „Das freut mich tierisch.“ Das zeige ihr, dass sich ihre Arbeit und die der SPD im Wahlkreis auszahle. Auf Bundesebene ergibt sich für sie nach dem letzten Stand der Hochrechnungen gestern ein Führungsanspruch. „Wir sind mit Blick auf die Stimmen die Wahlgewinner.“

Thomas Gönner hat in seinem Wahlkreis das bislang stärkste Ergebnis für die Grünen eingefahren. Foto: Jörg P. Bongatz

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Thomas Gönner hat in seinem Wahlkreis das bislang stärkste Ergebnis für die Grünen eingefahren. Foto: Jörg P. Bongatz

Zufrieden, aber nicht euphorisch: So könnte man wohl die Stimmungslage von Grünen- Wahlkreiskandidat Thomas Gönner am Wahlabend beschreiben. Einerseits freue man sich über das stärkste Ergebnis der Grünen sowohl bundesweit als auch im hiesigen Wahlkreis, sagt er. Andererseits sei seine Partei dennoch mit einem anderen Anspruch in die Wahl gegangen. Gönner sagt, es habe sich in der Endphase auf den Zweikampf Scholz-Laschet zugespitzt. Viele potenzielle Grünen-Wähler hätten daher Olaf Scholz gewählt – „um Armin Laschet zu verhindern“. Nun liege der Regierungsauftrag beim SPD-Kandidaten, sagt der 20-Jährige Politiker – und seine Partei gehe fest davon aus, Teil der nächsten Bundesregierung zu sein. Es gebe einen klaren Zuwachs für das progressive Lager und klare Verluste auf konservativer Seite. Das müsse sich in der neuen Bundesregierung widerspiegeln. Klar sei aber auch: „Es werden lange, schwierige Verhandlungen.“

Verena Bäuerle ist zufrieden mit ihrem Wahlausgang. Foto: Sarah Winter

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Verena Bäuerle ist zufrieden mit ihrem Wahlausgang. Foto: Sarah Winter

AfD-Kandidatin Verena Bäuerle zeigt sich zufrieden mit dem Wahlausgang. „Auch wenn es auf Bundesebene hätte besser sein können, haben wir im Wahlkreis ein zweistelliges Ergebnis erreicht – das war unser Ziel.“ Persönlich freue sie der hohe Zuspruch in einzelnen Gemeinden, etwa in Rheinmünster. „Allgemein betrachtet wäre es mir beim Wahlkreisergebnis allerdings deutlich lieber gewesen, die SPD hätte mehr Stimmen bekommen, als die CDU“, so Bäuerle. Den Stimmenrückgang im Vergleich zur vergangenen Bundestagswahl 2017 erklärt sich Bäuerle unter anderem mit Stimmenverlusten an die Partei Die Basis.

Dr. Sven Gehrke freut sich über sein Wahlergebnis. Foto: Peter Focken

© Peter Focken info@foto-focken

Dr. Sven Gehrke freut sich über sein Wahlergebnis. Foto: Peter Focken

Dr. Sven Gehrke freut sich über sein Ergebnis im Wahlkreis, man liege fast auf Augenhöhe mit den Grünen. „Wir haben einen Wahlkampf mit Inhalten geführt“, sagt er. In der Klimapolitik verfolge man realistische Ansätze, setze auf neue Technologien. Auf Bundesebene sieht er die Zeichen auf Ampel stehen. „Wichtig ist, dass FDP und Grüne nun viel Fingerspitzengefühl an den Tag legen“, findet er. Die beiden Parteien dürften nicht zu arrogant und überheblich auftreten und den künftigen Kanzler zum „Laufburschen“ machen wollen.

Tudor Costin hatte sich ein besseres Ergebnis erhofft.. Foto: Johannes Steimer

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Tudor Costin hatte sich ein besseres Ergebnis erhofft.. Foto: Johannes Steimer

Tudor Costin (Die Linke) hatte sich ein stärkeres Ergebnis erhofft – sowohl im Wahlkreis als auch auf Bundesebene. „Wir haben uns wirklich bemüht“, sagt er. Man sei im Wahlkampf noch nie so präsent gewesen, wie in diesem Jahr. Dementsprechend enttäuschend sei, „dass das nicht mit einem entsprechenden Ergebnis belohnt wurde“. Den Wahlausgang müsse man nun analysieren und daran arbeiten, wie man die Menschen besser mit den eigenen Inhalten erreichen könnte. „Ich glaube nach wie vor an unser Programm“, betont Costin. Er und sein Team hätten „gute und ganze Arbeit geleistet“, die müsse man nun auch langfristig abrufen.

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Erstellt:
27. September 2021, 08:40 Uhr
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