Zukunft des Klosterareals Thema im Rat

Bühl (sre) – Wird das Kloster Neusatzeck zum Seniorenzentrum? Oder scheitert das Projekt doch noch? Und falls auf dem Areal Wohnbebauung gewünscht wird, wer soll diese realisieren? Diese Fragen werden am Mittwochabend im Bühler Gemeinderat Thema sein. Das Gremium soll nicht nur über die deutlich überarbeiteten Pläne des Baden-Badener Projektentwicklers Bernd Matthias abstimmen, sondern auch über einen Antrag, der Wohnhäuser auf dem Gelände ermöglichen soll.

Die Neubauten sind niedriger und in Holzbauweise vorgesehen: So soll sich die Planung besser in die Umgebung einfügen. Visualisierung: Architekturbüro Martin Kemminer

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Die Neubauten sind niedriger und in Holzbauweise vorgesehen: So soll sich die Planung besser in die Umgebung einfügen. Visualisierung: Architekturbüro Martin Kemminer

Wie berichtet, hatte der Gemeinderat im vergangenen Dezember die vom Investor vorgestellten Pläne abgelehnt. Zwischenzeitlich hat Projektentwickler Bernd Matthias aber den Architekten gewechselt und eine neue Planung für das von ihm vorgesehen Seniorenzentrum ausgearbeitet. Diese soll in der Sitzung präsentiert werden.

Die Gebäude sind mittlerweile anders angeordnet, weiter von der Straße abgerückt und niedriger als in den vorherigen Entwürfen. An der Stelle des Ökonomiegebäudes ist nun ein T-förmiges Gebäude vorgesehen, in dem 100 Pflegezimmer Platz finden sollen. Der Bau ist zum Berg hin nur zwei-, nach vorne hin dreigeschossig geplant. Zum Vergleich: Das einst vorgesehene, Z-förmige Gebäude sollte fünf Stockwerke bekommen. Auch das betreute Wohnen, das von der Straße aus gesehen rechts des Mutterhauses realisiert werden soll, wurde abgespeckt: Laut Projektentwickler Matthias von 2.400 Quadratmetern Wohnfläche auf knapp 1.200 Quadratmeter und damit 20 Wohnungen weniger. Zudem wolle man die Neubauten in Holzbauweise realisieren und sich durch Holzfassaden in die Umgebung einfügen.

Der Garten für die Bewohner befindet sich in der neuen Planung nicht mehr hinter den Gebäuden, sondern davor.  Visualisierung: Architekturbüro Martin Kemminer

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Der Garten für die Bewohner befindet sich in der neuen Planung nicht mehr hinter den Gebäuden, sondern davor. Visualisierung: Architekturbüro Martin Kemminer

Das Mutterhaus, das aufgrund der Fledermausproblematik nicht abgerissen werden darf, soll Raum für Mitarbeiterwohnungen, einen Friseur und einen Veranstaltungsraum bieten. Auch einen Betreiber für das Seniorenzentrum nannte Matthias dieser Tage auf BT-Nachfrage bereits: Man favorisiere dafür die Cura Sana Pflegedienste GmbH, die Verträge seien bereits fertig. Zwischen zwölf und 18 Monaten Bauzeit rechnet der Investor für die Realisierung seines Projekts – sollte er das Okay vom Gemeinderat bekommen.

Noch ist das aber alles andere als sicher. Wie berichtet, hat der Ortschaftsrat Neusatz im März einstimmig den Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplanes für Wohnbebauung für das Areal gestellt. Es sollen, so die Idee, Einzel- und Doppelhäuser entstehen. An dem Ansinnen hält das Gremium fest, wie aus den Unterlagen für die heutige Sitzung hervorgeht: „Der Ortschaftsrat hat die überarbeitete Konzeption des Investors zur Kenntnis genommen und kam, trotz wesentlich verbesserter Planung und Darstellung, zu dem Ergebnis, dass vom Antrag auf Erstellung eines Bebauungsplanes für Wohnbebauung nicht abgewichen wird“, heißt es darin.

Einen entsprechenden Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans mit anschließender Veränderungssperre für das Klosterareal hat auch die Fraktion der Freien Wähler im Gemeinderat gestellt. Darüber soll heute Abend zuerst entschieden werden, bevor dann ein Grundsatzbeschluss über die überarbeitete Konzeption für das Bauvorhaben „Seniorenzentrum Neusatzeck“ des Investors zur Abstimmung steht.

Hintergrund

Sollte sich der Antrag der Freien Wähler durchsetzen, bedeutet dies aber nicht automatisch, dass tatsächlich Wohnbebauung entsteht. Einen alternativen Investor, der Interesse hätte, die Idee umzusetzen, gibt es nach BT-Informationen bislang nicht. Wie das Mutterhaus, das nicht abgerissen werden darf, in diese Idee integriert werden könnte, wäre ebenfalls noch zu klären. Zudem dürfte Projektentwickler Matthias, der nach eigener Aussage bereits rund 500.000 Euro in die zahlreichen Planungen und Umplanungen investiert hat, eine solche Entscheidung wohl nicht einfach hinnehmen – er könnte den Weg einer Klage gegen die Stadt einschlagen und Schadensersatz fordern.

Und auch einen Bebauungsplan gibt es nicht umsonst: „Sofern ein Bebauungsplan für eine Wohnbebauung aufgestellt werden soll und sich kein Investor für dieses Projekt verantwortlich zeichnet, kommen Kosten auf die Stadt Bühl zu“, heißt es in den Sitzungsunterlagen für den Gemeinderat. Die Rede ist von zirka 40.000 Euro für das Bebauungsplanverfahren sowie eventuell Grunderwerb. Auch diese Überlegungen dürften in Anbetracht der schwierigen Haushaltslage der Stadt bei der Entscheidungsfindung heute Abend durchaus eine Rolle spielen.

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Erstellt:
16. Juni 2020, 20:30 Uhr
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