Zukunft von Iffezheimer Rennbahn ungewiss

Iffezheim (fk) – Die Zukunft von Baden-Racing und der Rennbahn in Iffezheim scheint wieder offener denn je. Gerhard Schöningh, zuletzt als Retter gehandelt, hat eine Absage erteilt.

Triste Stimmung auf dem Iffezheimer Turfgelände: Niemand weiß so recht, wie es dort weitergeht. Foto: Florian Krekel

© Krekel

Triste Stimmung auf dem Iffezheimer Turfgelände: Niemand weiß so recht, wie es dort weitergeht. Foto: Florian Krekel

Und jetzt? Wie weiter? Das dürften gestern die zentralen Fragen aller Beteiligten gewesen sein, die sich um die Zukunft von Baden-Racing und der Iffezheimer Galopprennbahn sorgen oder direkt für sie Sorge tragen. Auslöser ist die Absage von Gerhard Schöningh. Der Vizepräsident des Deutschen Galopp und Eigentümer der Rennbahn Hoppegarten galt zuletzt nach der Kündigung und der Neustrukturierungsankündigung durch Baden-Racing-Präsident Andreas Jacobs als Hoffnungsträger und Retter in spe für das Iffezheimer Turfgelände.

Kein Plan B

Bleibt also noch Plan B. Das Problem: Den gibt es offenbar gar nicht. Zumindest lässt der folgende Satz aus der Presseerklärung des Vorstands vom Deutschen Galopp keine andere Interpretation zu: Mit der Absage Schöninghs sei „ein nahtloser Übergang der existierenden Strukturen auf eine neue Betreiberkonstellation nicht möglich.“ Michael Vesper, Präsident von Deutscher Galopp, erklärte weiter: „Wir müssen nun neu denken und Alternativen verfolgen. Den Rennbetrieb auch im kommenden Jahr auf dieser wunderbaren Rennbahn aufrechtzuerhalten, bedeutet für uns alle eine große Herausforderung. Das ist nicht einfach.“

Vesper und der Deutsche Galopp wollen in den nächsten Wochen Gespräche in Iffezheim führen. „Wir können nur erfolgreich sein, wenn sich – das ist meine herzliche Bitte – die Kräfte in Bürgerschaft und Wirtschaft vor Ort und in der Region bündeln und daran aktiv mitwirken. Angewiesen sind wir vor allem auch auf die Unterstützung der Politik, mit der wir in einem guten, sehr hilfreichen Dialog stehen“, so Vesper.

6,7 Millionen Euro Verlust

Einer aus der regionalen Wirtschaft , dessen Name dabei zuletzt öfter fiel, ist Martin Kronimus. Gestern sagte der Unternehmer gegenüber dem BT: „Es werden unverändert Mitstreiter für eine neue Betreibergesellschaft und einen Rennverein gesucht. Daran arbeiten wir. Ganz aktuell und praktisch gedacht müssen wir ab dem 1. Januar die Bahn pflegen und vor dem weiteren Maulwurfbefall bewahren.“ Baden-Racing habe in den letzten zehn Jahren 6,7 Millionen Euro Verluste gemacht, die von den bisherigen Gesellschaftern großzügig ausgeglichen wurden. „Ein solches Unternehmen kann man nicht einfach weiterführen. Veränderte Vertragskonstellationen eröffnen aber auch neue Möglichkeiten“, so Kronimus.

Hoffnung ruht auch auf dem früheren Iffezheimer Bürgermeister Peter Werler. Er sagte gestern: „Die Region kann das. Wir werden aber bei Null anfangen müssen. Es sollte gelingen, mit Herzblut den Kreis der Verantwortlichen größer werden zu lassen. Jeder sollte Mitglied eines neuen Rennvereins werden können, aber einige wenige müssen natürlich die Verantwortung übernehmen. Wenn man die Menschen mitnimmt, dann können wir das auch stemmen. Davon bin ich überzeugt. Wir brauchen aber Zeit dafür, weil es ein nachhaltiges Konzept sein muss.“

Allerdings müsste bei einem solchen Konzept wohl auch ein Teil der Verantwortung auf regionalen Schultern ruhen. Diese Schultern, das schwingt bei all den Aussagen mit, gilt es nun zu finden.

Was das für die Zukunft der Rennen bedeutet, in welcher Form und wie viele von ihnen 2021 ausgetragen werden, steht indes noch in den Sternen. Denn gelingt es nicht, das Einzugsgebiet zu vergrößern und neue Investoren zu finden, dürfte es kaum möglich sein, weiterhin derart viele (Gruppe-)Rennen auf derart hohem sportlichem Niveau abzuhalten. Zu teuer sind in der Summe Sieg-, Züchter- und Besitzerprämien – neben vielen anderen Dingen. Die Baden-Racing-Gesellschaft hat indes vorsorglich alle ihre Verträge zum 31. Dezember gekündigt.

Die Gemeinde Iffezheim bedauerte gestern in einer Stellungnahme Schöninghs Absage. Die Kommune sei seit einiger Zeit aber auch mit diversen Veranstaltungsgesellschaften in Kontakt, um Konzepte für eine Zweitnutzung der Anlage zu prüfen. „Zum Betrieb der Rennen wäre nach wie vor die (...) Gründung eines örtlichen Rennvereins eine mögliche Lösung“, so Iffezheims Bürgermeister Christian Schmid.

Trainingsbetrieb ist gesichert

Lichtblick für Iffezheim: Der Trainingsbetrieb ist gesichert. Trainersprecherin Carmen Bocskai bestätigte BT-Informationen, wonach die 800000 Euro teure Sanierung der Sandtrainingsbahn Mitte Januar angegangen werde. Sie wird von den Stallbesitzern finanziert, die ein Konzept für die Nutzung und Instandhaltung der Bahn in der Tasche haben und mit der Gemeinde Iffezheim Verträge hätten.

Gerhard Schöningh begründet seine Ablehnung zum Einstieg in Iffezheim übrigens mit anstehenden Entscheidungen zur strategischen Entwicklung und zur Zukunftssicherung der Rennbahn in Hoppegarten, die gerade in der nächsten Zeit alle Ressourcen binden würde. Was das im Klartext heißt, kann man zwar nur interpretieren, die miserablen Zahlen von Baden-Racing dürften aber nicht unerheblich für Schöninghs Entscheidung nach langer Prüfung gewesen sein.


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