Zum Geldabheben in den Supermarkt

Rastatt (ema) – Aufgrund sinkender Nachfrage fallen nach Bankfilialen mancherorts auch Automaten weg. Das Thema Bargeld verliert an Bedeutung.

Zwischen Lottoscheinen, Angebotsprospekten und Desinfektionsmittelspender: der Geldautomat der Sparkasse im Edeka Markt Fitterer in der Badener Strasse in Rastatt. Foto: Frank Vetter

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Zwischen Lottoscheinen, Angebotsprospekten und Desinfektionsmittelspender: der Geldautomat der Sparkasse im Edeka Markt Fitterer in der Badener Strasse in Rastatt. Foto: Frank Vetter

Dass sich die Banken mit ihrem Filialnetz aus der Fläche zurückziehen, ist kein neuer Trend. Vielerorts verschwinden aber zunehmend auch Geldautomaten, die die Unternehmen als Ersatz für den Wegfall einer Geschäftsstelle erhalten hatten. Ein Rentner-Ehepaar aus Ottersdorf hat das jetzt überraschend feststellen müssen.

Die Senioren waren auf der Rückfahrt von Baden-Baden ins Ried, als sie wie gewohnt am Geldautomaten der Sparkasse Rastatt-Gernsbach in der Wintersdorfer Dorfstraße Geld abheben wollten. Denn in Ottersdorf selbst besteht ein solches Angebot schon gar nicht mehr. Und jetzt heißt es auch im Nachbardorf: Fehlanzeige, wie das Ehepaar dem BT berichtet.

Die Sparkasse hat vor einigen Tagen den Geldautomaten in Wintersdorf abgebaut, wie Ralf Wunsch, Bereichsleiter Vertriebsmanagement, dem BT bestätigte. Der Schritt ist Bestandteil einer Strategie, die die Sparkasse so umreißt: „Dort präsent sein, wo unsere Kunden sind“. Will heißen: Das Geldinstitut setzt durchaus weiter auf Automaten – allerdings an neuen Standorten. Und die finden sich in der Regel in den Supermärkten und Einkaufszentren. Bei der Sparkasse Rastatt-Gernsbach hat man mittlerweile vier derartige Standorte: in Rastatt im Real und in der Schloss-Galerie sowie in den Edeka-Märkten Bietigheim und Badener Straße Rastatt. Und der nächste Schritt ist bereits im Visier, wie Wunsch verrät: Voraussichtlich im Mai wird ein Geldausgabeautomat (GAA), wie er offiziell heißt, im neuen Aldi in Ötigheim eingerichtet.

Geldautomaten sind nicht rentabel

Die Sparkasse reagiert damit vor allem auf das zunehmende Internet-Banking in der Bevölkerung. Im Umkehrschluss stehen für das Unternehmen Aufwand und Ertrag bei den Geldautomaten in keinem wirtschaftlichen Verhältnis mehr. „Das ist in keiner Weise kostendeckend. Die Fixkosten, etwa für die Leitungen, sind enorm“, erklärt Wunsch.

Zwar habe man sich im Haus auch Gedanken darüber gemacht, einen Geld-Lieferservice einzurichten, um eine Versorgung in der Fläche zu ermöglichen. Doch ein versicherter Brief sei viel zu teuer. „Das macht keine Sparkasse“, so der Banker.

Wunsch weiß, dass, im Gegensatz etwa zu den skandinavischen Ländern, Deutschland „immer noch ein Bargeldland“ ist. Doch die Entwicklung geht in eine andere Richtung. Der Vertriebsmanager beruft sich auf aktuelle Zahlen des stationären Einzelhandels aus dem vergangenen Jahr, wonach der Anteil an Kartenzahlungen bei mittlerweile 56 Prozent liege.

Dass gerade Ältere auf den Dörfern ohne Automaten das Nachsehen haben, hält Wunsch nicht zwingend für plausibel. In manchen Ortschaften bestehe angesichts fehlender Angebote überhaupt nicht mehr die Möglichkeit, einzukaufen. Und wenn, setzen die Banken darauf, dass mit Karte bezahlt wird. Sollte jemand Bargeld benötigen, biete sich in vielen Supermärkten mittlerweile die Möglichkeit, beim Bezahlen der Rechnung sich zusätzlich „Cash“ auszahlen zu lassen. Wunsch ist sich sicher: „Das Thema Bargeld wird weiter an Bedeutung verlieren.“

Für das leer ausgegangene Ottersdorfer Rentner-Ehepaar heißt das nun: Sollte in den nächsten ein bis zwei Jahren der geplante Netto-Markt am Ortseingang eröffnen, könnte sich vielleicht eine neue Bargeldquelle auftun.

Ihr Autor

BT-Redakteur Egbert Mauderer

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Erstellt:
29. März 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 28sec

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