Zur Fastenzeit: Kampfansage an den Abfall

Baden-Baden (for) – Während die einen während der Fastenzeit auf Alkohol oder Schokolade verzichten, haben Michaela Schorpp und Maria Schlüter 2019 die Aktion „Müllfasten“ ins Leben gerufen.

Das Bild gleicht einer Mülldeponie: In vielen privaten Haushalten quellen die gelben Tonnen über. Foto: Michaela Schorpp

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Das Bild gleicht einer Mülldeponie: In vielen privaten Haushalten quellen die gelben Tonnen über. Foto: Michaela Schorpp

Plastikflaschen, verbeulte Blechbüchsen, Strohhalme, senfverschmiertes Einwegbesteck – nach einem rauschenden Festival ähnelt das Gelände meist einer Müllhalde. Doch nicht nur im öffentlichen Bereich werden Abfallberge zunehmend zum Problem: „Auch in vielen Privathaushalten quellen die Mülltonnen über“, sagt Michaela Schorpp aus Baden-Baden. Gemeinsam mit Maria Schlüter hat sie vor rund zwei Jahren die Aktion „Müllfasten“ ins Leben gerufen. Im Rahmen der BT-Instagramreihe „Throwback Thursday“ haben wir den Artikel zur Aktion aus dem Archiv gekramt:

Film „Plastic Planet“ hat Denkweise verändert

Schorpp lebt bereits seit einigen Jahren müllreduziert. „Ausschlaggebend war der Film ,Plastic Planet‘, der die Gefahren von Plastik in ihren verschiedensten Formen aufzeigt“, erinnert sie sich. Der Film habe ihre Denkweise verändert. Mittlerweile habe Schorpp ihren Plastikmüll von drei gelben Säcken im Monat auf einen reduziert – „und das in einem Drei-Personen-Haushalt“, betont sie. Dahinter stecke allerdings ein langer Prozess: „Das geht nicht von heute auf morgen“, sagt sie. „Anfangs ist es nicht einfach, sein Kaufverhalten umzustellen.“ Man müsse klein anfangen und sich selbst nicht übernehmen.

Gegenseitiger Austausch wichtig

Gemeinsam mit Maria Schlüter hat Schorpp 2019 während der Fastenzeit eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltungsreihe zum Thema Abfallreduzierung angeboten. Das „Müll-Fasten“ fand in Kooperation mit dem Haus Löwenzahn in Steinbach statt und beinhaltete verschiedene Workshops rund um das Thema Müllverringerung. Ziel war jedoch nicht, dass die Teilnehmer komplett auf bestimmte Dinge verzichten müssen. „Uns ist es wichtiger, Alternativen aufzuzeigen“, so Schorpp. Schlüter achtet ebenfalls darauf, ihren Müll so gering wie möglich zu halten. Ihre Erfahrungen möchte sie an andere weitergeben. „Viele wollen etwas ändern, wissen aber nicht, wie sie anfangen sollen“, sagt sie. „Deshalb ist es hilfreich, sich gegenseitig auszutauschen.“

Bio ist nicht automatisch die beste Lösung

In den Workshops ging es aber nicht nur um Plastikvermeidung, sondern auch um Vorratshaltung und Wiederverwertung. Man müsse verstehen, dass man oft Kompromisse eingehen und abwägen muss, weiß Schorpp aus eigener Erfahrung: „Natürlich achte ich darauf, größtenteils Bio-Produkte zu kaufen. Aber nicht immer ist Bio automatisch die beste Lösung“, sagt sie. So könnten sich viele regionale Hersteller, die ihre Produkte auf dem Markt verkaufen, eine solche Zertifizierung nicht leisten – „und das, obwohl sie ebenfalls aus biologischem Anbau stammen und noch dazu direkt aus der Umgebung sind“, so Schorpp.

Viel Plastik im Badezimmer

Schlüter hat sich damit angefreundet, viele Kosmetikartikel selbstherzustellen, nachdem sie festgestellt hatte, dass sich im Badezimmer „sehr viel Plastik ansammelt“. „Shampoo mixe ich mir selbst zusammen“, erzählt sie. Das gehe schnell und sei günstig. Der Kostenfaktor spiele ohnehin für viele eine Rolle, wenn es um ein müllreduziertes Leben geht. „Viele denken, ein solches Leben sei teurer. Das stimmt aber nicht ganz“, betont Schorpp. Zwar müsse man für die einzelnen Produkte schon tiefer in die Tasche greifen. Aber weil man nicht mehr im Affekt einkaufe, würden auch nicht mehr so viele unnötigen Dinge im Einkaufswagen landen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Janina Fortenbacher

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Erstellt:
25. Februar 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

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