Zur Schauspielerei durch eine „Strafarbeit“

Rastatt (kba) – Der Rastatter Arnold Makuissie hat seit 2019 eine Hauptrolle in der Kinder- und Jugendserie „Schloss Einstein“ auf Kika. Zur Schauspielerei wurde er anfangs verdonnert.

Serienstar auf Kika, in Rastatt „nur“ Schüler: Arnold Makuissie (links) in der Kika-Serie „Schloss Einstein“ mit Victor (Fridolin Sommerfeld). Foto: MDR/Saxonia Media/Felix Abraham

© MDR/Saxonia Media/Felix Abraham

Serienstar auf Kika, in Rastatt „nur“ Schüler: Arnold Makuissie (links) in der Kika-Serie „Schloss Einstein“ mit Victor (Fridolin Sommerfeld). Foto: MDR/Saxonia Media/Felix Abraham

Rastatt – Präsent, einnehmend, stark. Arnold Makuissie ist keiner, den man so schnell übersieht. Er möchte Schauspieler werden und ist es eigentlich schon. Seit 2019 hat er eine Hauptrolle in der Kinder-und Jugendserie „Schloss Einstein“ (Kika) für die seit 24 Jahren jährlich eine neue Staffel inzwischen mit jeweils 26 Folgen in Erfurt gedreht wird.
Arnold spielt Badu Barry, Super-Kumpel und Sportskanone. Die Rolle wurde ihm quasi auf den Leib geschrieben, und er durfte ihn mitformen. „Ja, klar Badu hat schon auch viel von Arnold. Der hat halt auch immer so coole Sprüche“, beschreibt der 18-Jährige. Manchmal hätte er sogar auch eine eigene Textzeile einbringen können.

Und wie viel Badu ist in Arnold? Makuissie winkt ab: „Ich bin nicht so ein Hitzkopf!“, sagt er und lacht. Gefragt nach den Anfängen der Schauspielerei, landet er ganz schnell in der Grundschule, zweite Klasse der Hans-Thoma-Schule in Rastatt. Dort sei er seiner Lehrerin immer wieder als „Störenfried“ aufgefallen, bis die ihm schließlich eine Hauptrolle bei einem Theaterstück gab. „So als Strafarbeit“, erinnert sich Makuissie. Erst habe er noch versucht, die wieder loszuwerden, doch seine Mutter beharrte darauf, dass er es zu Ende brächte. Den Text zu lernen, fiel ihm nicht schwer. Doch erst, als einen Moment vor dem Auftritt sein Lampenfieber verschwand, ahnte er, dass er es schaffen könnte. Der Auftritt gelang großartig und fehlerfrei, Arnold hatte viel Spaß und ab da einen neuen Traum. Er ging in die Theater AG und später zum Phoenix Theater.

Doch so groß Makuissies Zielstrebigkeit heute scheint, war sein Weg damals oft holprig und von Schulwechseln geprägt. Mancher Lehrer, manche Lehrerin in Rastatt könne sich erinnern, sagt er selber.

Gecastet im zweiten Anlauf

Makuissie ist eben keiner, der einfach so mitläuft. So sah man das auch beim Casting für die Serie „Schloss Einstein“. Rund zwei Wochen dauert das jährliche Casting, für das die Bewerber zunächst ein Video von sich hochladen und dann gegebenenfalls nach Erfurt eingeladen werden. 2018 war Arnold bereits dort, und bekam doch erst beim zweiten Versuch im Jahr darauf, nach weiteren drei Runden, einen Vertrag. Die Rolle, für die er gecastet worden war, erhielt ein anderer. Ihn wollten sie trotzdem.

In Folge 1026, drei Staffeln später, hat Badu sein Abi nun in der Tasche. Arnold in Rastatt arbeitet noch dran. Nachdem er 2019 mit 16 allein nach Erfurt gezogen war, machte er zunächst die Mittlere Reife nach und ging 2020 auf das Wirtschaftsgymnasium der Rastatter Handelslehranstalt, wo dank Corona erst mal Homeschooling war. Später pendelte er. Sich selbst zu organisieren, Schule und Drehtage unter einen Hut zu bringen, war manchmal hart: Texte lernen, Coachings, lange Tage.

Badu ist ehrgeizig, er will immer laufen. Makuissie ist sportlich. Manche Tage waren trotzdem anstrengend. Aber er möchte keinen missen, konnte daran wachsen: „Wir waren wie eine Familie“, Freunde hat er schnell gefunden, und „du wirst dort am Set von Anfang so warm und schön empfangen“, erinnert er sich schmunzelnd. Trotz 78 Folgen, in denen er spielte, hat Arnold einige der Szenen noch Bild für Bild im Kopf. So wie die aus Staffel 24 (2020), in der Badu im Tanzsaal seine vermeintlich unverdiente Auszeichnung betrachtete. Er war unvorsichtig und hatte sich verletzt. Deshalb konnte er beim Wettstreit nicht antreten. In seiner Wut auf sich selbst sollte Badu den riesigen Spiegel an der Wand mit der Medaille zerschlagen. Sein Text: „Du bist ein Loser!“

Nächstes Ziel: Abi 2023

Nicht genug zu sein, noch mehr aus sich herausholen zu wollen, ist ein Gedanke, den auch Arnold kennt, räumt er ein. Manchmal will auch er etwas unbedingt. Makuissie spielt Basketball im Verein, daher konnte er sich gut in die Szene reinversetzen. Nur der Spiegel „war dermaßen hart“ – wollte einfach nicht bersten. Sie brauchten einige Takes, bis er es schaffte. „Dich in den zerbrechenden Stücken des Spiegels weiter zu sehen“, war dann auch so ein Bild, das sich bei ihm einbrannte.

Starke Bildsprache ist sein Ding: „Ich kann Filme schon gar nicht mehr normal schauen, weil ich mir immer überlege, wie man das drehen müsste.“ Entsprechend groß ist sein Respekt für die Regisseure, die in der Serie jeweils vier bis sechs Folgen gleichzeitig drehen. „Ich arbeite gerne mit denen, die einen richtig fordern.“ Die Folgen mit ihm, 924 bis 1026, bleiben vorerst in der Kika-Mediathek verfügbar. Auch ihn zieht es immer noch nach Erfurt zu seinen Freunden – „der Familie“. Auf „Schloss Einstein“ wäre er gerne noch geblieben und käme vielleicht sogar als Lehrer zurück. Auch das Schauspielern lässt ihn nicht mehr los. Einen Agenten hat er schon im ersten Jahr bei „Schloss Einstein“ gefunden. Er wird von Olgu Cagler betreut, seinerseits ein bekannter Schauspieler. Seit Herbst 2021 ist Makuissie nun aber erst mal zurück in Rastatt, wo eben auch noch Heimat ist – und Familie: seine Brüder, seine Schwester und die Mutter, die als junge Frau aus Kamerun kam. Ziele hat Makuissie noch einige. Sein nächstes dürfte sein, 2023 sein Abi zu schaffen, genau wie Badu, nur eben im echten Leben.

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Erstellt:
24. April 2022, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 42sec

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