Zur Stärkung der Schwächsten

Rastatt (nst) – Das neue Kinder- und Jugendstärkungsgesetz hat einige Auswirkungen auf das Kreisjugendamt. Es gibt höhere Anforderungen an Beratung und Vernetzung.

Mit dem neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetz soll es für junge Menschen mit Behinderung künftig leichter werden, ihre Rechte zu verwirklichen. Foto: Hollemann/dpa

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Mit dem neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetz soll es für junge Menschen mit Behinderung künftig leichter werden, ihre Rechte zu verwirklichen. Foto: Hollemann/dpa

Junge Menschen unterstützen, die benachteiligt sind, unter belastenden Lebensbedingungen aufwachsen oder Gefahr laufen, von der sozialen Teilhabe abgehängt zu werden. Das ist das Ziel des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes (KJSG), das Ende April vom Bundestag verabschiedet wurde. Der Bundesrat stimmte am 7. Mai zu. In der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Landkreises Rastatt wurden nun die Auswirkungen auf die Arbeit des Jugendamts vorgestellt.
Von der Reform der Kinder- und Jugendhilfe profitieren künftig Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die einen besonderen Unterstützungsbedarf haben. Im Mittelpunkt des Gesetzes stehen fünf Schlagwörter, wie Gerald Maisberger, Leiter des Jugendamts, ausführt: Schützen, Stärken, Helfen, Unterstützen und Beteiligen.

 Besserer Kinder- und Jugendschutz

Die Zusammenarbeit der Kinder- und Jugendhilfe mit dem Gesundheitswesen, den Strafverfolgungsbehörden, den Familiengerichten, der Jugendstrafjustiz und anderen wichtigen Akteuren soll verbessert werden. Es soll Schutzkonzepte in Pflegefamilien geben, die Heimaufsicht soll verschärft und somit unangekündigte Kontrollen in Heimen möglich werden.

 Stärkung von Kindern und Jugendlichen, die in Pflegefamilien oder Einrichtungen aufwachsen:

Die Kostenbeiträge von jungen Menschen bei vollstationärer Unterbringung sollen reduziert werden. Zudem sollen Eltern bei Hilfen außerhalb der eigenen Familie – unabhängig von der Personensorge – einen Rechtsanspruch auf Beratung, Unterstützung und Förderung ihrer Beziehung zum Kind erhalten. Darüber hinaus wird die Nachbetreuung für junge Volljährige verbindlicher und konkreter geregelt.

 Hilfe aus einer Hand für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung:

Für junge Menschen mit Behinderungen soll es deutlich leichter werden, ihre Rechte zu verwirklichen und die Leistungen zu bekommen, die ihnen zustehen, heißt es im Entwurf. Dies soll in drei Phasen geschehen. So soll es in der ersten Phase grundsätzlich eine gemeinsame Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderungen in Kitas geben sowie eine engere und verbindlichere Zusammenarbeit beteiligter Leistungsträger. In der zweiten Phase soll ein unabhängiger Verfahrenslotse als verlässliche Ansprechperson die Eltern durch das Verfahren begleiten. In der dritten Phase wird der Träger der Jugendhilfe für alle Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen zuständig sein.

 Mehr Prävention vor Ort:

Familien, Kinder und Jugendliche sollen leichter und schneller ortsnahe Hilfe bekommen. In Notsituationen können sie sich an eine Erziehungsberatungsstelle in ihrer Umgebung wenden und dort unbürokratisch – ohne Antrag und ohne Amt – eine Hilfe zur Bewältigung ihres Alltags erhalten, steht im Entwurf. Zudem soll die Schulsozialarbeit gesetzlich verankert werden, erklärt Maisberger.

 Mehr Beteiligung von jungen Menschen, Eltern und Familien:

Der Entwurf stärkt die Selbvertretung und Selbsthilfe. So sollen etwa Kinder und Jugendliche einen uneingeschränkten Anspruch auf Beratung durch die Kinder- und Jugendhilfe erhalten – ohne ihre Eltern. Zudem sollen Ombudsstellen als externe Anlaufstellen geschaffen werden. Auch sollen Beschwerdemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in Einrichtungen und in Pflegefamilien erweitert beziehungsweise verbessert werden.

Maisberger begrüßt das Gesetz ausdrücklich, macht jedoch auch deutlich, dass dies künftig große Auswirkungen auf die Arbeit des Jugendamts haben wird. So werde es höhere Anforderungen an Beratung, Koordinierung und Vernetzung geben, prophezeit er. Auch der Qualifizierungsbedarf bei den Mitarbeitenden werde steigen, erläutert der Jugendamtsleiter. Zudem werde für die Umsetzung des Gesetzes mehr Personal benötigt, was im Umkehrschluss eine finanzielle Mehrbelastung für die Stadt- und Landkreise bedeute.

Kritik übt er auch an der „inklusiven Lösung“. Der Gesetzgeber habe damit zwar ein Ziel formuliert, doch eine konkrete Ausgestaltung sei noch offen. Für Maisberger sei dies deshalb eine „Fahrt im dunklen Tunnel und das ohne Licht“.


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