Zustand der Bühlerhöhe „unverändert gut“

Bühl (BNN) – Seit 2010 herrscht Stillstand um die Bühlerhöhe, die sich nach wie vor in relativ gutem Zustand befindet. Der Verein Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße fordert dennoch weitere Schritte.

Leerstand seit fast zwölf Jahren: Das Schlosshotel Bühlerhöhe ist seit dem Verkauf durch Dietmar Hopp im Herbst 2010 geschlossen. Inzwischen ist der Sanierungsstau beachtlich. Foto: Ulrich Coenen

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Leerstand seit fast zwölf Jahren: Das Schlosshotel Bühlerhöhe ist seit dem Verkauf durch Dietmar Hopp im Herbst 2010 geschlossen. Inzwischen ist der Sanierungsstau beachtlich. Foto: Ulrich Coenen

Die Nachricht schlug eine wie eine Bombe. Nach Recherchen der Deutschen Welle soll Bühlerhöhe dem kasachischen Ex-Diktator Nursultan Nasarbajew gehören. Das Schlosshotel an der Schwarzwaldhochstraße ist seit 2010 geschlossen. Die Kasachen übernahmen es 2013 aus der Insolvenzmasse ukrainischer Investoren. Trotz vollmundiger Ankündigungen ist seitdem nichts geschehen.

Hansjörg Willig, der Vorsitzende des Vereins Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße, beobachtet dies mit großer Sorge. „Nach den neuen Entwicklungen erwarte ich von der Politik, dass sie endlich handelt“, sagt er. Er verweist auf den „Runden Tisch“ zur Schwarzwaldhochstraße, den der frühere baden-württembergische Justizminister Guido Wolf (CDU) vor einem Jahr gegründet hat. Wolf hatte in einer Pressekonferenz nach der ersten Sitzung des Gremiums konstatiert: „Wir haben es hier zum Teil mit Eigentümern zu tun, die komplett im Ausland abgetaucht sind. Da darf Enteignung kein Tabu sein. Die Bürger wundern sich ansonsten, wie machtlos die öffentliche Hand solchen Entwicklungen gegenübersteht.“ Nach der Landtagswahl wurde Wolf als Minister abgelöst. „In der Sache hat sich meine Position und meine Einschätzung nicht geändert“, teilte er jetzt der Redaktion auf Anfrage mit.

Druck auf Eigentümer schwierig für die Stadt

Willig weist darauf hin, dass die Idee für Enteignungen historischer Hotels an der Schwarzwaldhochstraße von ihm stammt und von Wolf aufgegriffen wurde. Die Schweiz schütze auf diese Weise ihre Kulturdenkmäler. „Jeder Investor, der ein Baudenkmal kauft, sollte ein Konzept vorlegen und nachweisen, dass er solvent ist“, fordert Willig. „Wenn er das Projekt nicht innerhalb einer bestimmten Frist abschließt, sollte das Denkmal an den ursprünglichen Eigentümer oder die öffentliche Hand fallen.“ Als Alternative zur Enteignung nennt Willig diplomatische Schritte über das Auswärtige Amt, um die Kasachen dazu bewegen, Bühlerhöhe freiwillig zu verkaufen. Willig weist darauf hin, dass sich regelmäßig Kaufinteressenten im Bühler Rathaus melden, die aber von den jetzigen Eigentümern zurückgewiesen werden.

Blick ins Luftbad: Den Garten hat Landschaftsarchitekt Harald Jensen entworfen. Foto: Ulrich Coenen

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Blick ins Luftbad: Den Garten hat Landschaftsarchitekt Harald Jensen entworfen. Foto: Ulrich Coenen

Der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) konstatiert, dass es für die Stadt schwierig sei, Druck auf die jetzigen Eigentümer auszuüben. Er sieht die Politiker in Land und Bund gefordert und verweist auf die Initiative des Landtagsabgeordneten Jonas Weber (SPD). Wie berichtet, hat dieser Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) aufgefordert, „alle Möglichkeiten – auch der Enteignung zu ergreifen, damit Baden-Württemberg nicht zum Rückzugsort von Autokraten und ihrem Vermögen wird“.

„Ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“

Den Zustand der Bühlerhöhe, die nach dem baden-württembergischen Denkmalschutzgesetz kein normales Denkmal, sondern ein „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ ist, beschreibt Schnurr als „unverändert gut“. Mitarbeiter der Stadtverwaltung besichtigen in ihrer Funktion als Untere Denkmalschutzbehörde die Bühlerhöhe zweimal im Jahr. „Das Schlosshotel wird beheizt und betreut. Alle Mängel, die wir beanstanden, werden behoben. Bühlerhöhe hängt auch an unsere Brandmeldeanlage.“

Die letzte Besichtigung durch das baden-württembergische Landesamt für Denkmalpflege (LAD) ist bereits eine Weile her. „Das Kulturdenkmal wurde vom LAD zuletzt im August 2020 zusammen mit Vertretern der Stadt Bühl und Vertretern des Eigentümers beziehungsweise vom Eigentümer bevollmächtigenden Personen begangen“, berichtet Pressesprecherin Josephine Palatzky. „Das Gebäude war zum Zeitpunkt der Begehung in einem sehr guten und gepflegten Zustand. Die Eigentümer kommen nach Kenntnis des LAD ihrer Erhaltungspflicht in vollem Umfang nach.“

Das LAD gehe, so Palatzky, davon aus, dass die Stadt bei ihren Begehungen umgehend handeln werde, wenn sie Veränderungen feststelle. So solle Gefahr vom Denkmal abgewendet werden. „Für die Erhaltung und Pflege eines Kulturdenkmals sind laut DSchG allerdings die Eigentümer verantwortlich“, sagt die Pressesprecherin.

Zum Thema

Die Baugeschichte: Bühlerhöhe wurde in den Jahren 1912 bis 1914 nicht als Hotel, sondern als Offiziers-Genesungsheim errichtet. Bauherrin war Hertha Isenbart, die ihrem verstorbenen Mann, General Wilhelm Isenbart, ein Denkmal setzen wollte. Mit dem Düsseldorfer Architektur-Professor Wilhelm Kreis beauftragte sie einen Top-Architekten.

Neue Aufgabe: Seine ursprünglich zugedachte Aufgabe als Genesungsheim für Offiziere erfüllte Bühlerhöhe nie. Im September 1914 wollte Hertha Isenbart das Haus Kaiser Wilhelm II. übergeben. Doch einen Monat zuvor, am 1. August, brach der Erste Weltkrieg aus. Hertha Isenbart sah ihr Lebenswerk verloren, wurde depressiv und beging 1918 in Baden-Baden Suizid. Ihre Erben verkauften Bühlerhöhe 1920 an einen Hotelbetreiber.

Zwei Gesichter: Bühlerhöhe hat zwei „Gesichter“. Der heiteren Architektur der Talseite in der Formensprache eines barocken Schlosses steht die strenge Bergseite gegenüber, die sich am Festungs- und Burgenbau orientiert. Vorbild für Bühlerhöhe ist Schloss Stupinigi bei Turin, ein ehemaliges Jagdschloss der italienischen Königsfamilie aus dem 18. Jahrhundert.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
25. Februar 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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