„Zutiefst dankbar“ für jeden Tag als Bürgermeister

Steinmauern (mak) – „Ich bin zutiefst dankbar für jeden Tag, den ich als Bürgermeister in Steinmauern erleben durfte“, sagte Siegfried Schaaf am Mittwoch zu Tränen gerührt bei seiner Verabschiedung.

Landrat-Stellvertreter Dr. Jörg Peter (rechts) überreicht Siegfried Schaaf die offizielle Entlassungsurkunde, Ehefrau Brigitte bekommt Blumen. Foto: Frank Vetter

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Landrat-Stellvertreter Dr. Jörg Peter (rechts) überreicht Siegfried Schaaf die offizielle Entlassungsurkunde, Ehefrau Brigitte bekommt Blumen. Foto: Frank Vetter

Es war der emotionale Höhepunkt einer persönlich gehaltenen Feierstunde, in der bei allen Rednern neben Dankbarkeit auch Wehmut mitschwang. Bürgermeister-Stellvertreterin Reinhilde Weisenburger ernannte den 66-Jährigen unter stehenden Ovationen zum Ehrenbürger des Flößerdorfs.
Ohne Corona-Pandemie wäre die Turn- und Festhalle sicherlich aus allen Nähten geplatzt, doch eine überschaubare Zahl an Stühlen prägte das Bild bei der Verabschiedung von Siegfried Schaaf, der 28 Jahre lang die Geschicke des Flößerdorfs gelenkt hat. Nach dem musikalischen Auftakt mit dem Bläserensemble des Musikvereins und einem Auftritt der Kinder des Flößerkindergartens gab es einen bebilderten Rückblick auf das Wirken von Schaaf.

Landrat-Stellvertreter Dr. Jörg Peter würdigte ihn als einen „Bürgermeister zum Anfassen, immer auf Augenhöhe mit den Menschen“. Als einen „ganz grandiosen Erfolg“ wertete er die Goldmedaille auf Landesebene beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ und die Silbermedaille auf Bundesebene. Als „Sahnehäubchen“ der Dorfentwicklung bezeichnete er das Generationenhaus am Rendel, für das Steinmauern als eine von 20 Modellkommunen vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung ausgezeichnet wurde. In Anspielung auf das Abschiedsmotto „Der Lotse geht von Bord“ meinte Peter, dass Schaaf „stolz und gelassen vom Floß“ gehen könne, denn er habe es „sicher auf Kurs gebracht“.

Der Elchesheim-Illinger Bürgermeister Rolf Spiegelhalder hielt als Vertreter des Gemeindetag-Kreisverbands eine Ansprache für den „lieben Siggi“, der stets bei allen Vorhaben die Menschen mitgenommen habe: „Das ist das Wichtigste für einen Bürgermeister“, urteilte er. „Die Leute schätzen, ehren und lieben Dich“, meinte Spiegelhalder. Bescheidenheit sei die „große Stärke“ von Schaaf. Auf gut badisch lobte er seinen Kollegen: „Du bisch echd en feiner Kerle!“

Persönliche Dankesworte und Wehmut

Der Muggensturmer Bürgermeister Dietmar Späth lobte als Vertreter der vier MÖBS-Gemeinden den scheidenden Bürgermeister als einen „immer kompetenten Ratgeber“. Mit seiner Ruhe und Gelassenheit sei er bei Bürgermeister-Treffen „der Fels in der Brandung“ gewesen. Als Dankeschön gab es für den passionierten Radfahrer ein Radlertrikot mit dem Slogan „MÖBS forever“ auf der Vorderseite.

Gemeindepräsident Andreas Schellenberg aus der Schweizer Partnergemeinde Steinmaur betonte das gute partnerschaftliche Miteinander seit Jahrzehnten. Der evangelische Pfarrer Albrecht Berbig sprach ein Grußwort für beide Kirchengemeinden. Schaaf sei ihm ein wichtiger Ratgeber gewesen, als er ihn vor Jahren in einer Krisensituation in der Gemeinde um Rat gefragt habe. Günter Köppel hob als Sprecher der Vereine hervor, dass der Rathauschef immer ein offenes Ohr für die Vereine hatte: „Wir alle danken dir für die schönen Jahre“, sagte er.

Reinhilde Weisenburger, die die Feierstunde moderierte, bescheinigte Schaaf: „Du hinterlässt ein wohlbestelltes Haus.“ Er habe sein Amt mit „Leib und Seele und mit Herzblut“ ausgefüllt. „Deine Arbeit war ein Segen für Steinmauern und du warst ein Segen für Steinmauern“, betonte sie. Zum Abschied gab es vom Gemeinderat ein Polo-Hemd mit Steinmauern-Logo und einen Geldbetrag für die Urlaubskasse.

Hauptamtsleiterin Julia Hangs hatte zahlreiche Wegbegleiter ihres Chefs angeschrieben, die aufgrund der Corona-Bedingungen nicht beim Abschied dabei sein konnten, und um einen Beitrag für ihren schönsten Moment mit Schaaf gebeten. Sie überreichte ihm die zahlreichen Rückmeldungen in Buchform.

Am Ende richtete der sichtlich gerührte Siegfried Schaaf persönliche Worte an die Gäste. „Meine Seele schwebt. Das ist ein besonderer Höhepunkt in meinem Leben“, sagte er. „Ich bin hin und weg, ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht damit“, bezog er sich auf die vielen Dankesworte. „Wir haben Steinmauern nach vorne gebracht und ich lege großen Wert auf das Wir“, betonte er. Im Rückblick sei er dankbar für die unzähligen Begegnungen, auch wenn seine „Christenpflicht zur Nächstenliebe manchmal auf eine harte Probe“ gestellt worden sei. An seine Familie gerichtet sagte er: „Ich danke euch aus vollstem Herzen für eure Geduld und Nachsicht. Ich weiß, es war nicht immer einfach.“

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Erstellt:
1. Oktober 2020, 06:45 Uhr
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