Zwangsversteigerung des „Waldhorn“ endet mit Hängepartie

Baden-Baden (hez) – Bei der Zwangsversteigerung des ehemaligen Traditionsgasthauses „Waldhorn“ plant der Meistbietende eine künftige Wohnnutzung. Die endgültige Entscheidung gibt es erst am 23. März.

Unter dem Hammer: Im dritten Anlauf kann die Zwangsversteigerung des „Waldhorn“ stattfinden. Foto: Henning Zorn

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Unter dem Hammer: Im dritten Anlauf kann die Zwangsversteigerung des „Waldhorn“ stattfinden. Foto: Henning Zorn

Das wohl letzte Kapitel der Geschichte des einstigen Oberbeuerner Traditionsgasthauses „Waldhorn“ wurde am Donnerstag im Kassiansaal der Abtei Lichtenthal geschrieben. Die Zwangsversteigerung endete aber mit einer Hängepartie: Ein Gebot für das Gebäude liegt vor, doch die Entscheidung über die Erteilung des Zuschlags musste auf Antrag eines Hauptgläubigers bis 23. März aufgeschoben werden.

Der dritte Anlauf zu einer Zwangsversteigerung des an der Beuerner Straße gelegenen und seit rund zwölf Jahren leer stehenden Objekts hat funktioniert. Zwei Termine zuvor hatten abgesetzt werden müssen. Einmal war Corona schuld, beim zweiten Mal hatte sich kurz zuvor herausgestellt, dass das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt worden war und somit nicht abgerissen werden darf. Dies machte eine neue Verkehrswertermittlung erforderlich.

Am Donnerstag war es soweit: Rechtspflegerin Angelika Pfistner konnte vor rund 20 Besuchern die aufwendige Zwangsversteigerung durchführen. Es waren zwei getrennte Versteigerungsverfahren nötig, denn der Gaststättenteil und das angebaute Wohnhaus haben getrennte Eigentümer: eine Frau, die in Estland lebt, sowie eine Firma. Hinzu kam, dass zu beiden Gebäudeteilen jeweils noch ein unbebautes Grundstücksteil auf der anderen Seite des Oosbachs versteigert wurde. Dort wäre ein Wohnungsbau machbar, doch der Zugang ist nur von der „Waldhorn“-Seite her möglich. Daher machte Pfistner deutlich: Für einen Investor sei ein Erwerb eigentlich nur sinnvoll, wenn er beide Gebäudeteile mit den jeweiligen Grundstücksteilen bekomme.

Zurückhaltung bei Geboten

Die Zwangsversteigerung wurde von Gläubigern betrieben, die auf diese Weise zumindest einen Teil ihres Geldes bekommen wollen. Pfistner unterstrich, dass das Denkmalamt das ganze Gebäude unter Schutz gestellt habe und berichtete über das Gutachten des Sachverständigen, der festgestellt habe, dass umfangreiche Sanierungsarbeiten erforderlich sind. Unter anderem habe man Feuchtigkeit im Keller und Holzwurmbefall im Dachgeschoss.

Danach wurde es spannend: Die Rechtspflegerin rief die Anwesenden auf, Gebote abzugeben. Mit etwas Überraschung musste sie allerdings Zurückhaltung feststellen, obwohl im Vorfeld der Zwangsversteigerung einige Interessenten bei ihr angerufen hatten. Kurz vor Ende der 30-minütigen Bietzeit meldete sich dann doch noch ein Investor, ein Mann aus Baden-Baden, der Gebote für beide Gebäudeteile abgab. Diese beliefen sich jeweils auf 70 Prozent des Verkehrswertes: knapp 283.000 und knapp 179.000 Euro. Damit war er Meistbietender, der Zuschlag hätte sofort erteilt werden können. Doch dies erfolgte nur für einen Gebäudeteil. Für den ehemaligen Gaststättenbereich beantragte die Hauptgläubigerbank, die Zuschlagsverkündigung aufzuschieben. Die Bank, so meinte Pfistner, wolle offensichtlich noch prüfen, ob ihr das gebotene Geld reiche. Die Rechtspflegerin möchte nun eine Entscheidung am 23. März verkünden. Bekommt er dann auch den zweiten Gebäudeteil, will der Investor, dies ergab eine Nachfrage dieser Zeitung, das „Waldhorn“-Gebäude zu Wohnzwecken sanieren.

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Erstellt:
11. März 2022, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 21sec

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