Zweckverband „Acherner Mühlbach“ vor Auflösung

Ottersweier (jo) – Der Zweckverband „Acherner Mühlbach“ soll aufgelöst werden. Dafür sprach sich der Ottersweierer Gemeinderat aus. Die Anrainergemeinden wollen Reinigung in Eigenregie gewährleisten.

Von einer „Kloake“ zu einem sauberen Gewässer: Der Acherner Mühlbach nahe der Zeller Mühle. Foto: Joachim Eiermann

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Von einer „Kloake“ zu einem sauberen Gewässer: Der Acherner Mühlbach nahe der Zeller Mühle. Foto: Joachim Eiermann

Seit 48 Jahren hat der Zweckverband „Acherner Mühlbach“ Bestand. Nun gab der Gemeinderat Ottersweier grünes Licht für dessen Auflösung. Zur Reinhaltung und Unterhaltung des Gewässers bedarf es des Verbands nicht mehr. Die damit verbundenen, nicht unerheblichen Verwaltungskosten können somit eingespart werden.

Der Mühlbach, ein 22 Kilometer langer künstlich geschaffener Kanal, dessen Wasser in Oberachern der Acher abgezweigt wird, fließt von Großweier kommend auf den Teilort Unzhurst zu und quert das Dorf im Westen.

In Zell verläuft das Gewässer überwiegend parallel zur Ortsdurchfahrt. Nach den weiteren Durchflussorten Moos und Schwarzach mündet der Mühlbach in den Rheinseitenkanal.

Zur Gründung des Zweckverbands hatten 1972 unhaltbare Zustände geführt. „Das Wasser war mal rot, mal grün, mal gelb“, entnahm Bürgermeister Jürgen Pfetzer alten Aufzeichnungen und sprach von einer Jahrzehnte währenden „Kloake“, in der immer wieder die Fische verendeten: „Es war Sodom und Gomorra.“ Hinzu kam am Unterlauf angeschwemmter Unrat, den die betroffenen Gemeinden nicht beseitigen konnten oder wollten.

Wassergesetze können eingehalten werden

Der kommunale Zusammenschluss von Achern, Sasbach, Bühl, Ottersweier und Rheinmünster sowie der Landkreise Ortenau und Rastatt sollte die Gewässer-Reinheit und regelmäßige Bachreinigung sicherstellen.

Heute bilden sich weit weniger Anlandungen und es häuft sich kaum noch Unrat an – Folge eines gestiegenen Umweltbewusstseins und einer Verschärfung der umweltrechtlichen Vorgaben. Bürgermeister Pfetzer, kraft Amtes stellvertretender Vorsitzender des Zweckverbands, verwies außerdem darauf, dass sich die Art der Nutzung des Bachs geändert habe.

Drei Stromerzeuger nutzten aktuell die Wasserkraft. Jede Gemeinde sei in der Lage und durch die Wassergesetze angehalten, ihren Mühlbach-Abschnitt nach gewässerökologischen Vorgaben selbst zu reinigen, ohne dass es dafür noch einer „Aufsicht“ durch den Zweckverband bedürfe. Letzterer verursache nur Kosten: Verwaltungsaufwand, Haftpflichtversicherung, Sitzungsgelder, Aufwandsentschädigungen und Auslagen summierten sich im Jahr 2018 auf 5.800 Euro.

Hinzu kommen Forderungen der Gemeindeprüfungsanstalt alle vier bis fünf Jahre; die letzte Prüfung sei mit 2.200 Euro in Rechnung gestellt worden. Geld, das alle Beteiligte künftig einsparen wollen.

Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung, einer Auflösung des Zweckverbands zum Jahresende 2021 in der Verbandsversammlung zuzustimmen.

Der alljährliche Bachabschlag soll weiterhin an einem festen Termin im September erfolgen.

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Erstellt:
9. Dezember 2020, 11:00 Uhr
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