Zwei Freunde auf den Spuren zweier Brüder

Baden-Baden (co) – Dreharbeiten in Baden-Baden: Die Schauspieler Cyril Hilfiker und Laurenz Knill haben ein Film-Projekt realisiert, für das unter anderem auch in der Cité-Tanktelle gedreht wurde.

Gedreht wird der Film mit dem Arbeitstitel „Brüder“ Mitte Januar an nur fünf Tagen unter anderem in Baden-Baden (hier Cité-Tankstelle). Foto: Tim Bachmann

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Gedreht wird der Film mit dem Arbeitstitel „Brüder“ Mitte Januar an nur fünf Tagen unter anderem in Baden-Baden (hier Cité-Tankstelle). Foto: Tim Bachmann

Mit Stagnation oder Laissez-faire in Zeiten von Corona ist es bei Cyril Hilfiker nicht weit her. Der Schauspieler ist schwerer zu daten als der Papst, kein Wunder bei seinem vollen Terminkalender.

Der 26-jährige Schweizer gehört seit der vergangenen Spielzeit zum hiesigen Theaterensemble. Es ist sein erstes Engagement nach dem Schauspielstudium, und er hatte hier gleich richtig gut zu tun. In „Hamlet“ verkörperte er in einer Doppelrolle Laertes und Güldenstern, er spielte im Programm des jungen Theaters, im „Mephisto“ gab er den jungen Hans Miklas.

Momentan probt er für seinen Part des malenden Sohnes Oswald in Henrik Ibsens „Gespenster“ und hat damit eine der Hauptrollen in dem norwegischen Familiendrama ergattert, das sich mit Tabuthemen wie Inzucht, Geschlechtskrankheiten und Vergewaltigung auseinandersetzt.

Diffiziles Verhalten zum Vater

Dass zurzeit vieles still steht, hat ein eigenes Filmprojekt auf den Plan gerufen, das er zusammen mit Laurenz Knill verwirklicht, einem freischaffenden Schauspielkollegen aus Berlin. Beide sind seit acht Jahren dicke Freunde und kennen sich bereits aus ihrer gemeinsamen Schweizer Heimat.

Einem lauen Sommerabend mit Brainstorming auf dem Balkon ist die Idee eines gemeinsamen Filmes zu verdanken. So fingen sie an, ein Drehbuch zu schreiben über die Brüder Markus und Leonard. Beide haben ein sehr diffiziles Verhältnis zum Vater, der die Familie verlassen hat, als sie noch kleine Kinder waren. Ihre Mutter konnte die Frustration und Enttäuschung nie verwinden, die Söhne sind mit dem Gefühl aufgewachsen, vom Vater nicht gewollt zu sein.

Im Auto sitzt Cyril Hilfiker links und Laurenz Knill rechts. Foto: Tim Bachmann

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Im Auto sitzt Cyril Hilfiker links und Laurenz Knill rechts. Foto: Tim Bachmann

Der Jüngere suchte vor einigen Jahren den Kontakt zum Vater, er wollte diesen Mann kennenlernen und erfahren, wie er tickt. Und Markus erlebt ihn als sehr freundlichen Menschen, der zutiefst bereut, nicht für seine Kinder da gewesen zu sein. Als er seinem Bruder einige Monate später von dem sich aufbauenden Vater-Sohn-Verhältnis erzählt, kommt es zu einem wütenden Schlagabtausch, Leonard will davon nichts hören, ihr Verhältnis kühlt merklich ab. Das ist jedoch nur die Vorgeschichte zu dem Plot.

Der eigentliche Film beginnt damit, dass der Vater stirbt und aus seiner Asche einen Diamanten pressen lässt. Seine Söhne haben sich mittlerweile entfremdet. Doch nun hat er verfügt, dieser Diamant soll von beiden gemeinsam in einem See bestattet werden, an dem sie öfter als Kinder mit der Familie in Urlaub waren. Die ganze Vorgeschichte sickert so nach und nach durch, es geht um den Dialog der beiden auf der Fahrt zum See und in die Vergangenheit.

Fünf Drehtage

Gedreht wurde der Film mit dem Arbeitstitel „Brüder“ Mitte Januar an nur fünf Tagen in und nahe der Kurstadt im Rahmen des SWR-Vision-Wettbewerbes. Zu dem ambitionierten Team gehören neben den beiden Hauptdarstellern Cyril Hilfiker und Laurenz Knill Kameramann Tobias Weis, der als Kamera-Assistent beim SWR arbeitet und bereits in mehreren freien Projekten tätig war, sowie rund 20 weitere „hoch motivierte Menschen“. Am Drehbuch hat Regisseur Julius Herrmann mitgewirkt.

Gefilmt wurde unter anderem in der Cité-Tankstelle, am Parkplatz des Battert, auf der Autobahn und an einem See in der Nähe von Freiburg. „Zu der Zeit hat es so geschneit, dass wir im Schnee stecken geblieben sind und mit einer Schaufel ein Loch ins Eis des Sees hauen mussten“, erzählt Hilfiker schmunzelnd. Sehr lange Arbeitstage in eisiger Kälte waren die Regel, was der Motivation jedoch keinen Abbruch tat.

Bald auch im Kino?

Finanziert wurde das Filmprojekt durch private Spender. Cyril Hilfiker, der nicht das erste Mal vor der Kamera stand, will mit seinem Team den Film bei möglichst vielen Festivals einreichen. Aufgrund des lokalen Bezuges hofft er auch auf eine Möglichkeit, den Plot in hiesigen Kinos zeigen zu können.

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Erstellt:
7. Februar 2021, 08:38 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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