Zwei „Klimahelden“ teilen Leidenschaft fürs Lastenfahrrad

Rastatt (nora) – Tanja Sölter und Niklas Schurig haben sich ein Elektro-Lastenfahrrad zugelegt und schaffen es fast komplett damit, beruflich und privat aufs Auto zu verzichten.

„Ich liebe mein Lastenfahrrad.“ Tanja Sölter, Geburtsbegleiterin aus Muggensturm. Foto: Nora Pallek

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„Ich liebe mein Lastenfahrrad.“ Tanja Sölter, Geburtsbegleiterin aus Muggensturm. Foto: Nora Pallek

In der Serie „Klimahelden des Alltags“ stellt das Klimabündnis Rastatt Menschen aus der Region vor, die etwas für den Klimaschutz tun. Nach dem E-Bike-Fahrer Alfred Uhing wurden nun erneut zwei Menschen für ihre klimafreundliche Mobilität auf zwei Rädern zu „Klimahelden“ gekürt: Die Muggensturmer Geburtsbegleiterin Tanja Sölter und der Kuppenheimer Allgemeinmediziner Niklas Schurig haben sich im vergangenen Jahr ein Elektro-Lastenfahrrad zugelegt und schaffen es damit, beruflich und privat fast vollständig aufs Auto zu verzichten.

„Ich versuche schon lange, möglichst alles mit dem Rad zu erledigen“, erklärt die Muggensturmer Gemeinderätin Sölter. Bei ihrer Tätigkeit als Geburtsbegleiterin sei das früher aber oft am mangelnden Stauraum gescheitert, denn zu ihren Kundinnen müsse sie viele Utensilien mitnehmen. „Schon allein meine Baby-Demopuppe wiegt 3,5 Kilo“, betont sie. In ihr Lastenfahrrad passt nun alles, was sie braucht, locker hinein. Über 60 Kilo Gepäck kann sie zuladen. So bewältigt sie auch den Wocheneinkauf für ihren Vier-Personen-Haushalt überwiegend ohne Auto. Nur bei Getränkekisten ist sie vorsichtig. Weil die Ladebox auf dem Vorderrad sitzt, bekommt sie bei zu viel Gewicht Probleme mit dem Gleichgewicht.

„Sechs Getränkekisten bekomme ich unter“

Schurig dagegen erledigt alle Einkäufe mit dem Transport-E-Bike. Er fährt allerdings ein anderes Modell. In seinen sogenannten Tieflader, bei dem der Stauraum zwischen den beiden Rädern untergebracht ist, passen sogar rund 100 Kilo zusätzliches Gewicht. „Sechs Getränkekisten bekomme ich unter“, verdeutlicht der Kuppenheimer das riesige Fassungsvermögen. So kann er auch bei Hausbesuchen seine Arzttasche, bei Familienausflügen seine beiden Kinder und bei Fahrten in den Kindergarten neben der eigenen Tochter noch zwei Freundinnen im Lastenfahrrad mitnehmen. Reaktionen von Passanten bleiben da nicht aus. „In Kuppenheim sind wir der Hingucker“, freut sich der umweltbewusste 42-Jährige, der die Klimainitiative Kuppenheim4Future gegründet hat.

Schurig ist täglich mit dem Lastenfahrrad unterwegs. Schon rund 1.000 Kilometer hat er damit zurückgelegt – bei jedem Wetter.

„Ganz so streng bin ich nicht mit mir“, schmunzelt Sölter, die noch ab und zu das Auto nutzt. Wenn sie Rufbereitschaft für eine Geburt hat, ist sie sogar dringend darauf angewiesen. Trotzdem gibt sie ihren eigenen Wagen demnächst an ihre Tochter ab. Im Fall der Fälle muss dann das Auto ihres Mannes oder ein Carsharing-Fahrzeug herhalten.

Und wie fährt sich so ein großes Fahrrad? „Die Fahrunterstützung macht es sehr einfach“, sagt Schurig. Sölter bestätigt: „Durch den starken Motor ist es viel bequemer als ein normales Fahrrad.“ Vollbeladen sieht es dagegen für sie etwas anders aus. „Bei hohen Bordsteinen muss ich mir eine Stelle suchen, die abgesenkt ist“, erzählt sie von den kleinen Ärgernissen ihres Alltags und kritisiert die mangelnde Infrastruktur: „Manchmal hören die Fahrradwege einfach auf.“

Dieses Problem kennt auch Schurig zur Genüge. „In Rastatt, wo meine Praxis liegt, gibt es auf den Hauptverkehrsstrecken immer noch fast keine sicheren Fahrradwege.“ Er habe auch schon einmal einen Unfall mit einem rücksichtslosen Autofahrer gehabt. Daher fahre er nun öfter wieder mit dem normalen Fahrrad, denn in Rastatt fehlten auch sichere Unterstellmöglichkeiten.

Für Schurig steht trotzdem fest: Sein Transport-E-Bike würde er nicht mehr hergeben. „Ich komme damit superschnell von A nach B und habe keine Parkplatzprobleme“, schwärmt er. Sölter ist genauso begeistert: „Ich liebe mein Lastenfahrrad und würde es jederzeit wieder kaufen.“ Auch das Modell sei für sie genau das Richtige.

Die Lastenfahrrad-Liebhaber empfehlen, sich vor einem Kauf gut über die verschiedenen Modellvarianten zu informieren, am besten beim Händler vor Ort, denn Service sei wichtig. 3.000 bis 6.000 Euro müsse man für ein gutes Transport-Bike rechnen, sagen die Freiberufler, die das Glück hatten, Zuschüsse vom Bundeswirtschaftsministerium zu erhalten. Seit März 2021 liegt die Förderquote bei 25 Prozent des Kaufpreises, sofern eine gewerbliche Nutzung nachgewiesen wird. Der Antrag muss vor dem Kauf gestellt werden.

Die weiteren Beiträge der Serie finden Sie hier:

Auto gegen E-Bike getauscht

Fünf „Klimahelden“ aus Durmersheim


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