Zwei Langohren vermissen ihr Publikum

Gaggenau (stn) – Wegen Corona finden in Winkel derzeit keine Esel-Erlebnisse mit Karim und Baldur statt. Den zwei Langohren fehlt der Kontakt zu den Besuchergruppen sehr.

Karim und Baldur lassen es sich auf der Stein- und Geröllwiese auf dem Grundstück von Claudia Scharers Elternhaus gut gehen. Foto: Nora Strupp

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Karim und Baldur lassen es sich auf der Stein- und Geröllwiese auf dem Grundstück von Claudia Scharers Elternhaus gut gehen. Foto: Nora Strupp

Auf dem Grundstück von Claudia Scharers Elternhaus in Winkel, auf dem Karim und Baldur ihr eigenes, großes Reich haben, ist es seit Beginn der Corona-Pandemie ruhig geworden. „Normalerweise kommen die Leute in Kleingruppen von maximal acht Personen zu uns“, erläutert Claudia Scharer. „Karim liebt es, Zirkuskunststücke zu zeigen. Er ist ein Showesel. Und Baldur mag Menschengruppen – ganz besonders liebt er Kinder. Da fühlt er sich sehr wohl und sicher“, weiß Scharer.

Ein Stück Möhre als Belohnung

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auflagen und Hygieneregeln machen solche „Esel-Erlebnisse“ derzeit allerdings unmöglich. Auch für die liebenswerten Langohren ist es deshalb gerade eine schwierige Zeit. „Karim vermisst seine Show und Baldur die Gruppenerlebnisse“, ist sich Scharer sicher.

Dass Karim und Baldur der Kontakt zu den Besuchern fehlt und sie gierig danach sind, ihre Kunststücke vorzuführen, merkt man auf Anhieb. Schon bevor man das Tor zum Stall überhaupt erreicht hat, wird man bereits von den Zweien begrüßt und neugierig beschnuppert. Jede Bewegung des neuen Besuchers wird aufmerksam verfolgt.

Während Scharer im Stall herumführt, trotten Karim und Baldur gemächlich hinterher. Als die beiden beginnen, mit den Hufen zu scharren, erläutert Scharer, was gleich geschehen wird: „Sie wollen sich auf dem Boden wälzen.“ Kaum gesagt, beginnt zunächst Karim, und kurz darauf auch Baldur, damit, sich auf den mit Matten ausgelegten Stall niederzulegen und genüsslich alle vier Hufe in die Höhe zu strecken. Das sei ein großes Kompliment, wie Scharer ausführt. Es zeige, dass die Tiere Vertrauen zu derjenigen Person gefasst hätten, die sich gerade im Stall aufhält. Andererseits wollen sie dem anwesenden Menschen so aber auch zeigen, was sie können. Als Belohnung gibt es ein Stück Möhre.

Zählen und Rechnen ist nur eines ihrer Talente

Auch viele andere Kunststücke führen sie gerne bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor: Überkreuzte Hufe, Zählen und Rechnen, über ein Hindernis springen? Kein Problem für die zwei Langohren.

Beim täglichen Spaziergang würden sich Karim und Baldur ebenfalls gerne präsentieren, wenn ihnen Menschen begegnen, meint Scharer. Und auch sonst kennt sie ihre „Jungs“ , wie sie sie liebevoll nennt, und deren Artgenossen ganz genau, wie man im Gespräch schnell merkt. „Esel kommen ursprünglich aus der Stein- und Geröllwüste Nordafrikas. Sie brauchen ausgewogene karge Nahrung wie Heu oder Stroh in kleinen Portionen. Gras hingegen hat zu viel Eiweiß und Fruktose, was die Esel auf Dauer krank macht. Und Feuchtigkeit wie etwa Regen ist nicht gut für das Fell des Wüstentieres“, klärt die Eselexpertin auf. Im Gegensatz zum Pferd habe das Fell eines Esels nämlich nur einen geringen Fettanteil, weshalb Esel mit Regen nicht gut klarkämen. Vom Wesen her seien sie freundlich und ruhig, zudem sehr kommunikativ, sozial, neugierig, pfiffig und intelligent. Was Scharer an Eseln besonders fasziniert: „Ihre Ehrlichkeit. Sie tun nichts, was ihnen nicht logisch erscheint.“

Eseltaugliches Grundstück mit viel Komfort

Um dem 18 Jahre alten Karim und dem 14-jährigen Baldur eine artgerechte Haltung zu ermöglichen, wurde das Grundstück hinter Claudia Scharers Elternhaus eseltauglich hergerichtet: Es gibt ein großes Rondell, das die Stein- und Geröllwüste Nordafrikas nachbildet, einen Sandplatz zum Wälzen, eine überdachte Unterstellmöglichkeit – und auch der Stall selbst ist mit allem erdenklichen Esel-Komfort ausgestattet: Eine Wassertränke sowie eine Bürste, an der sie sich kratzen können, gibt es dort, und am Eingang sind Lamellen als Wind- und Mückenschutz angebracht. Die Matten am Boden sorgen dafür, dass dieser im Winter relativ warm und im Sommer angenehm kühl ist.

Dort lassen Karim und Baldur es sich gut gehen, bis Corona vorbei ist und sie endlich wieder kleine und große Eselfreunde mit ihren Kunststücken begeistern dürfen.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
4. Februar 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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