Zwei Topleistungen aus der badischen Tiefebene

Bühl/Bühlertal (fvo) – Mit Katharina Doll und Jonas Schneider kommen in diesem Jahr zwei der bundesbesten Auszubildenden aus dem Raum Bühl. Das BT stellt die beiden vor.

Eine von 207: Katharina Doll (links) erhält von Sabine Abrolat, Firmenchefin des Ausbildungsbetriebes Res-Ebert in Karlsruhe, die Bestenurkunde (von links). Foto: IHK Karlsruhe

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Eine von 207: Katharina Doll (links) erhält von Sabine Abrolat, Firmenchefin des Ausbildungsbetriebes Res-Ebert in Karlsruhe, die Bestenurkunde (von links). Foto: IHK Karlsruhe

Kleiner Ritterschlag für die hiesige Ausbildungslandschaft: Mit Katharina Doll, Gestalterin für visuelles Marketing bei der Firma res-ebert GmbH & Co. KG in Karlsruhe, sowie Jonas Schneider, Medientechnologe bei der Firma werba print & display GmbH & Co. KG in Bühl, erzielten gleich zwei Lokalmatadore in ihren jeweiligen IHK-Ausbildungsberufen die besten Gesamtergebnisse unter allen Absolventen in Deutschland.

Sie gehören damit zu den 207 Bundesbesten in diesem Jahr. Zudem schlossen sie ihre duale Ausbildung als Notenbeste in Baden-Württemberg ab. „Am Anfang habe ich das gar nicht realisiert“, gestand Katharina Doll auf telefonische Nachfrage, die ihre Prüfung 2020 mit der Note „sehr gut“ abschloss. Es sei aber „schon ein gutes Gefühl“, so die 27-Jährige, wenngleich sich „an sich ja erst mal nichts ändert“, wie sie bescheiden sagt. Denn auch der exzellente Abschluss im Sommer hat ihr erst mal keine feste Stelle beschert. Das international renommierte Unternehmen für Auftrittsdesign am Karlsruher Festplatz konnte sie aufgrund von Kurzarbeit nicht übernehmen.

„Aussichten im Augenblick bescheiden“

Ihre ehemalige Chefin ist dennoch voll des Lobes. „Ich bin sehr stolz, eine Einser-Auszubildende hervorgebracht zu haben“, betont Sabine Abrolat beim Ehrungstermin im eigenen Haus, „es ist auch ein besonderes Prädikat für uns, für unser Ausbildungsniveau wie auch unserem Betrieb, Talenten wie Katharina Doll eine besondere berufliche Chance für die Zukunftbieten zu können“. Zumindest perspektivisch.

Katharina Doll selbst, die seit Sommer in Sasbachwalden wohnt, versucht aktuell, sich auf mehrere Standbeine zu stellen und „auf dem freien Markt Fuß zu fassen“. So arbeitet sie unter anderem sechs bis zehn Tage pro Monat beim SWR in der Requisite und Ausstattung („Kaffee oder Tee“). Volontariat nicht ausgeschlossen. Daneben forciert sie mit ihrem Freund den Vertrieb von Wohnaccessoires aus Holz („Holzkind“) bzw. Unikaten für den Alltagsgebrauch, inklusive Onlineshop. „Man hofft, dass irgendwo eine Tür aufgeht und man eine Nische findet. Im Augenblick sieht es schon bescheiden aus“, ist sie ehrlich.

Wobei sie ausbildungstechnisch top aufgestellt ist. Nach dem Abi auf dem Lender in Sasbach nahm Doll zunächst vier Jahre ein Kunststudium an der Freien Akademie für Bildende Kunst in Lahr bei Professor Franzjoseph Held auf. Malerei, Zeichnung, Collage und Akt waren hier die Inhalte, aber auch Materialexperimente, berichtet sie. Danach hatte sie Gelegenheit, beim Museum LA8 in Baden-Baden ein Jahr ihre handwerklich-kreative Ader auszuleben, etwa bei Kinderworkshops, bevor schließlich die duale Ausbildung begann, inklusive Berufsschule Mannheim.

Alles in allem habe sich ihr Ausbildungsprofil (vormals Dekorateur/Schauwerbegestalter) „immer mehr erweitert“, sei weit mehr als Schaufenster gestalten, umfasst es doch neben Raumausstattung auch Grafikdesign, Plakatgestaltung und Farbenlehre oder 3-D-Inhalte (CAD-Programm). Alles in allem ein „sehr vielseitiger Beruf“ mit entsprechendem Spektrum. Dies reicht von Messen, Ausstellungen über Fotokulissen bis hin zu Film und Theater. Mit einem Wort: Alle Türen stehen offen – wenn sie denn mal offen wären.

Den aktuellen „Leerlauf“ nimmt sie jedenfalls mit Humor, als Post-Abi-Experimentierjahr. „Das ist jetzt quasi mein verspätetes freiwilliges soziales Jahr.“ Ihr Umfeld ist jedenfalls mal vielversprechend. In ihrer WG wohnt mit Weinküfer Rouven Corthum gleich noch ein Preisträger.

„Bringt das nötige Rüstzeug mit“: Preisträger Jonas Schneider (Mitte), hier mit IHK-Hauptgeschäftsführer Guido Glania (links) sowie Dietmar Leppert (rechts), Geschäftsführer werba print & display in Bühl.  Foto: IHK Karlsruhe

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„Bringt das nötige Rüstzeug mit“: Preisträger Jonas Schneider (Mitte), hier mit IHK-Hauptgeschäftsführer Guido Glania (links) sowie Dietmar Leppert (rechts), Geschäftsführer werba print & display in Bühl. Foto: IHK Karlsruhe

Bundeslorbeeren durfte auch Jonas Schneider von der Firma werba print & display in Bühl einstreichen. „Ich wusste, dass ich unter den Bundesbesten bin, aber gleich Sieger – das macht einen schon stolz“, kommentierte der 25-jährige Bühlertäler, seit drei Jahren in Bühl wohnhaft, seine 1,3 in Medientechnologie (vormals Siebdruck). Geschäftsführer Dietmar Leppert sprach jedenfalls von einer „außergewöhnlichen Leistung“. So etwas sei „nur möglich, wenn man das nötige Rüstzeug, sprich Talent und Intellekt mitbringt“. Für den Betrieb war es eine Selbstverständlichkeit, den versierten jungen Mann trotz schwieriger Zeiten direkt zu übernehmen.

Abwechslung am Arbeitsplatz

An seinem Job, der nebst Siebdruck auch Digitaldruck sowie Displays und Kunststoffverarbeitung umfasst, schätzt Schneider vor allem die Abwechslung. Der passionierte Schachspieler hatte sich nach der Realschule Bühlertal und dem Berufskolleg (Bühl/Rastatt) erst an einem Studium (Kommunikation und Medientechnik an der Hochschule Karlsruhe) versucht, „doch das war nicht das Richtige für mich“ – zu theorielastig. Ein Glücksfall für die seit 1975 existierende Firma auf der einstigen französischen Kaserne, die nach Besitzerwechsel 2004 und Um-/Neubau heute 200 Mitarbeiter hat. Abnehmer ist vor allem der Handel, etwa bei Schauerfensterbeklebung oder Regalveredelung in Drogerien.

Bei so viel Lobeshymnen mochte IHK-Hauptgeschäftsführer Guido Glania nicht die Betriebe und beruflichen Schulen vergessen. Sie hätten „maßgeblichen Anteil an den Spitzenleistungen“, so Glania, der mit Wencke Kirchner (IHK-Bereichsleiterin Aus-/Weiterbildung) Urkunde und Jahresbesten-Pokal vor Ort überreichte. Wegen Corona fiel die geplante Feierlichkeit mit Moderatorin Barbara Schöneberger in Berlin aus. Passend dazu wurde die Firma Res-Ebert, dieses Jahr noch für die Ausstattung der Räume der Bundesregierung und etlicher Ministerien tätig, mit der Bestenurkunde für „ausgezeichnete Ausbildung“ geehrt. Auch IHK-Präsident Wolfgang Grenke fand die Spitzenleistungen der Preisträger bemerkenswert, zumal in der Pandemie. Sie seien „ein Beleg für die außerordentliche Lern- und Leistungsbereitschaft der jungen Menschen, ihre Einsatzbereitschaft und Leidenschaft für ihren Beruf“, so Grenke. Alles in allem eine hervorragende Ausgangslage für die weitere Karriere.

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Erstellt:
13. Dezember 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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