Zweifelhafte Maskenatteste an Waldorfschule

Rastatt (dm) – Nach einem anonymen Hinweis stellt das Regierungspräsidium eine „auffällig hohe Zahl“ an Maskenbefreiungen an der Waldorfschule Rastatt fest. Die meisten von ihnen seien ungenügend.

Unterricht mit Maske: An der Waldorfschule waren laut RP „auffallend“ viele Schüler davon befreit. Foto: Matthias Balk/dpa (Symbolbild)

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Unterricht mit Maske: An der Waldorfschule waren laut RP „auffallend“ viele Schüler davon befreit. Foto: Matthias Balk/dpa (Symbolbild)

Während im Land die Corona-Alarmstufe II gilt, hat das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe an der Freien Waldorfschule Rastatt „eine auffällig hohe Zahl“ an Maskenbefreiungen bei Schülern festgestellt. Deren Prüfung habe ergeben, dass die „meisten Bescheinigungen nicht den rechtlichen Anforderungen für eine Glaubhaftmachung zur Maskenbefreiung genügen“, teilte die Behörde auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Nähere Informationen zu den Gründen gab es nicht. Insgesamt wurden 49 Atteste überprüft.

Ursache „im Weltbild der Eltern“?

Ins Rollen gebracht hatte die Untersuchung ein anonymes Schreiben aus dem Umfeld der Schule. Darin wurde behauptet, dass der Anteil der Kinder und Lehrer mit „sogenannten Maskenattesten in manchen Klassenstufen“ mittlerweile bei knapp 50 Prozent liege. Offensichtlich, so mutmaßt der Schreiber/die Schreiberin, liege die Ursache der Atteste „weniger in der Gesundheit der Kinder als vielmehr im Weltbild der Eltern“.

Einzelne Waldorfschulen im Land waren bereits in die Schlagzeilen geraten, weil, so die Berichte, Eltern oder Lehrer versucht hätten, die Corona-Verordnungen zu umgehen. Nachdem es zum Beispiel an der Waldorfschule in St. Georgen Ende Oktober zu einem Corona-Ausbruch mit mehr als 100 Infektionen gekommen war und sich zwei Eltern an die Behörden wandten, hatte es dort eine Untersuchung gegeben, an deren Ende die meisten Maskenatteste der Schulgemeinschaft für ungültig befunden wurden. Darauf spielte nun auch das hiesige Schreiben an die für Rastatt zuständigen Behörden an – anonym, weil die Person ansonsten „Repressionen“ gegen ihre Kinder fürchte, wie sie schrieb.

Schulleitung: „Kein Hort von Corona-Leugnern“

Die „kritische Durchsicht der vorgelegten Atteste“ in Rastatt erfolgte laut RP daraufhin in Abstimmung mit dem Schulträger. Die Schulleitung, der eine „hohe Kooperationsbereitschaft“ attestiert wird, habe dem RP zudem die „uneingeschränkte Umsetzung der geltenden Corona-Regeln und eine Information der betroffenen Eltern zugesagt“. Der Bitte, die Unterlagen „schnellstmöglich“ vorzulegen, war die Geschäftsführung der Waldorfschule nachgekommen. Die Schule, so betonten Geschäftsführerin Barbara Hansen und Lehrervorstand Thomas Greß gegenüber unserer Zeitung, wolle zur Aufklärung beitragen. Man lege Wert darauf, dass man „kein Hort von Corona-Leugnern“ sei und die Pandemie-Maßnahmen „voll umfänglich“ umsetzen möchte. In der Lehrerschaft habe man eine „erfreulich hohe Impfrate“ und nur „ganz wenige Maskenbefreiungen“. Was man aus der jetzigen Untersuchung lernen könne, werde man auch lernen, betonte Hansen.

„Atteste durchweg von Ärzten ausgestellt“

Allerdings wünschten sich Schule und Eltern auch „mehr Klarheit“ und Konkretisierung, was Anforderungen an Atteste oder deren Überprüfung anbelangt, so die Geschäftsführerin weiter. Das RP habe keine Begründungen der Ablehnungen geliefert; die Atteste seien durchweg von Ärzten ausgestellt worden, sagt sie.

Was Corona-Infektionen angeht, ist die Rastatter Schule im Übrigen laut Gesundheitsamt unauffällig, wie es auf eine Anfrage unserer Zeitung beim Landratsamt hieß. Aktuell zähle man dort „einen aktiven Fall“, teilte die Behörde am Donnerstagnachmittag mit.

Im Zuge der bundesweiten Berichterstattung über Vorfälle an Waldorfschulen in der Corona-Pandemie hatte sich zuletzt im November der Bund der Freien Waldorfschulen veranlasst gesehen, sich „wiederholt und nachdrücklich für die Einhaltung der Pandemiemaßnahmen“ auszusprechen und auch „den Beitrag der Corona-Schutzimpfungen zur Eindämmung der Pandemie“ anzuerkennen.

Maßnahmeskepsis „wie in der Gesamtbevölkerung“

„Alle Maßnahmen, die helfen, Schulen, Kindergärten und Universitäten offen zu halten, müssten jetzt mit oberster Priorität umgesetzt werden“, wurde betont – was sich durchaus auch als Appell an Eltern lesen lässt. Zudem wurde darauf verwiesen, dass es bei Rudolf Steiner, Begründer der ersten Waldorfschule, „keine Anhaltspunkte“ gebe, auf die sich etwa Impfgegner pauschal berufen könnten. Maßnahmeskepsis wiederum finde an Waldorfschulen „wie in der Gesamtbevölkerung“ ihren Ausdruck.

Das erklärt die „auffällig hohe Zahl“ der Maskenbefreiungen auch in Rastatt indes nicht. Ein Erklärungsversuch der Geschäftsführerin verweist darauf, dass man eine Schule ohne Sitzenbleiben sei und deshalb auch mehr chronisch kranke Kinder eingeschult würden. Da sei es für sie zunächst schlüssig gewesen, dass es auch mehr Maskenatteste gebe.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
17. Dezember 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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