Zweite Fußgängerzone in Bühl: Bürger unentschieden

Bühl (BNN) – Eine Umfrage zeigt: Nicht nur Kommunalpolitiker und Einzelhändler streiten über die Umwandlung der Hauptstraße, auch in der Bürgerschaft gibt es unterschiedliche Meinungen.

Durchgangsverkehr: Auf der Bühler Hauptstraße ist trotz Tempo-20-Zone wenig Platz für Fußgänger und Straßencafés. Jetzt wird über die Einrichtung einer Fußgängerzone diskutiert. Foto: Ulrich Coenen

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Durchgangsverkehr: Auf der Bühler Hauptstraße ist trotz Tempo-20-Zone wenig Platz für Fußgänger und Straßencafés. Jetzt wird über die Einrichtung einer Fußgängerzone diskutiert. Foto: Ulrich Coenen

Die Diskussion über die Bühler Hauptstraße wird intensiv geführt. Soll es eine zweite Fußgängerzone neben Schwanenstraße und Johannesplatz geben? Die Innenstadtgemeinschaft „Bühl in Aktion“ (Bina) und Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) sind dagegen, der Gemeinderat ist gespalten. Doch was meinen die Bürger? Eine kleine Umfrage in der Innenstadt und ein Blick auf die Diskussion in den sozialen Medien zeigt: Die Meinung ist durchaus gespalten.

Ein Sinzheimer, der durch die Schwanenstraße schlendert, würde es begrüßen, wenn die Stadt die Autos aus der Hauptstraße verbannt. „Je nach Tageszeit ist da ein Mordsverkehr“, findet er und räumt ein: „Ich fahre ja selbst ab und zu hier durch.“ Im Hinblick auf einen schönen Bummel durch die City würde der Sinzheimer aber eine Fußgängerzone in der Hauptstraße begrüßen.

Auch eine Bühlerin fände es schön, „wenn die ganzen Autos nicht mehr durch die Hauptstraße rasen“. „Teilweise kommt man kaum über die Straße“, klagt sie, räumt aber ein: „Für die Geschäfte wäre es nicht so gut, wenn der Verkehr aus der Hauptstraße verschwindet.“ Vor diesem Hintergrund spricht ein Bühlertäler von einem „zweischneidigen Schwert“. Die Kritik der Einzelhändler an der Initiative wundert ihn nicht. „Die aktuelle Lösung mit der Tempo-20-Zone ist deshalb gar nicht so schlecht“, meint er.

Parkplätze generieren Such-Verkehr

Das findet auch eine Bühlerin. „Die jetzige 20-Kilometer-Zone funktioniert gut“, stellt sie fest. Allerdings fordert sie einen Rückbau sämtlicher Parkplätze in der Hauptstraße, weil diese Park-Such-Verkehr generieren. „Was nicht möglich wäre, ist eine Spielstraße in der Hauptstraße, wie sie zurzeit ebenfalls in der Diskussion ist“, meint die Frau. Eine Fußgängerzone würde aus ihrer Sicht den gesamten Verkehr aus der Hauptstraße in Friedrichstraße und Grabenstraße verdrängen.

An einem Tisch an einem Eiscafé am Johannesplatz hat mehr als ein Dutzend Herren aus Bühl, Bühlertal, Ottersweier und Sinzheim Platz genommen. Alle sehen eine zweite Fußgängerzone in der Hauptstraße skeptisch. „Auch eine Sieben-Kilometer-Zone ist unmöglich“, meint einer von ihnen. „Dann staut sich der Verkehr im Norden und Süden der Stadt bis Sinzheim und Ottersweier zurück.“ Ein anderer warnt davon, dass die Nebenstraßen durch eine neue Fußgängerzone in der Hauptstraße extrem belastet würden. „Ich bin nicht dafür“, konstatiert ein Dritter. Sein Tischnachbar ergänzt: „Also ich finde es in Ordnung, wie es jetzt ist.“

Vorschlag: Referendum für alle Bühler

Auch in Facebook wird das Thema Fußgängerzone diskutiert, zuletzt nach einem Beitrag in der Ausgabe vom 25. März, der die skeptische Haltung der Bina zu dieser Idee beschreibt. „Auch die Fußgänger müssen in der Innenstadt zu ihrem Recht kommen“, meint eine Diskutantin in der Gruppe Bühl (Baden). Grundsätzlich brauche man in einer Kleinstadt aber auch das Auto. „Schön, dass die Fußgänger auch ein wenig Beachtung finden“, ergänzt ein anderer augenzwinkernd.

Ein weiteres Gruppenmitglied erinnert sich: „Nachdem die Hauptstraße vor einigen Jahren saniert und umgestaltet wurde, hieß es ausdrücklich: Es wurden bewusst keine Zebrastreifen aufgebracht. In dem betreffenden Teilstück ist maximal Tempo 20 erlaubt, sodass die Fußgänger an jeder Stelle die Hauptstraße überqueren können“.

Das hält eine Frau für einen schlechten Witz: „Bequem die Straße überqueren? Da können Sie aber lange warten, bis mal ein Autofahrer hält oder einfach auf die Straße laufen, damit Sie einer umfährt. Das findet eine andere Diskussionsteilnehmerin überzogen. „Nun lassen Sie mal die Kirche im Dorf. Ich wüsste nicht, dass schon einmal jemand beim Überqueren der Straße überfahren wurde.“

„Muss doch möglich sein, gemeinsamen Nenner zu finden“

In der Facebook-Gruppe Bühl-Bühlertal-Umgebung stellt ein Mitglied fest: „Wenn sich die Vertreter des Einzelhandels mit der Stadtverwaltung an den Tisch setzen, dann muss es doch möglich sein, irgendwo einen gemeinsamen Nenner zu finden. Das mit der Spielstraße ist meines Erachtens Unsinn: Eine Straße ist entweder offen oder geschlossen für den Autoverkehr. Wenn sich die beiden Parteien nicht einigen können, dann muss es ein Referendum geben für alle Bühler.“

In der Gruppe Bühl und Umgebung meint ein Diskutant: „Ich bin dafür, eine Fußgängerzone daraus zu machen. Es gibt Umgehungsstraßen, die man nutzen kann. Das ist meine Meinung. Aber unser OB ist dazu nicht fähig.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
29. April 2022, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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