Zweites Leben für Infopavillon „K.“

Karlsruhe (win) – Das preisgekrönte Gebäude wird zur Tageskasse des Badischen Staatstheaters. Die Sanierung dort kommt voran, allerdings ist eine neue Kostendebatte entbrannt.

Schlüsselübergabe mit Abstand: Achim Winkel (Kasig), Architekt Christian Fischer-Wasels, Gabriele Keuerleber und Eva Geiler vom Badischen Staatstheater (von links). Foto: Winfried Heck

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Schlüsselübergabe mit Abstand: Achim Winkel (Kasig), Architekt Christian Fischer-Wasels, Gabriele Keuerleber und Eva Geiler vom Badischen Staatstheater (von links). Foto: Winfried Heck

Spätestens mit Inbetriebnahme der Karlsruher Kombilösung sollte der Infopavillon „K.“ (sprich: K-Punkt“) am Ettlinger Tor wieder abgerissen werden. Doch nun wird dem einst nicht nur wegen der hohen Baukosten umstrittenen Gebäude ein zweites Leben zuteil. Der „K.“ soll mit Beginn der nächsten Spielzeit zur Tageskasse und zum Anlaufpunkt für alle werden, die sich über den Umbau und die Erweiterung des Badischen Staatstheaters informieren wollen.

Mit der Schlüsselübergabe durch Kasig-Pressesprecher Achim Winkel an die Chefin der Sanierungskommunikation im Badischen Staatstheater, Eva Geiler, wechselte das mehrfach preisgekrönte Gebäude jetzt den Besitzer. Für weitere rund zehn Jahre soll es als markanter Anlaufpunkt im Herzen der Stadt dienen.

Nebenan, am Staatstheater, werden die Baufortschritte immer deutlicher. Lief vieles bisher ebenerdig oder unter der Oberfläche ab, geht es seit einigen Tagen in die Höhe. Westlich des Zentralgebäudes entsteht das neue Entree, in dem nach der Sommerpause vorübergehend Foyer, Abendkasse, Garderobe und sanitäre Anlagen untergebracht sein werden.

Auf den bereits vorhandenen Stahlstützen wird aktuell die aus Holzbindern bestehende, tragende Dachkonstruktion aufgesetzt. Es ist eine Millimeterarbeit für Spezialisten, die die tonnenschweren Lasten an ihren Einsatzort „schweben“ lassen. Sobald das Dach geschlossen ist, kann der Innenausbau wettergeschützt weitergehen. In der kommenden Woche soll der neue Gebäudeteil eingerüstet werden, danach geht es an die Außenwände – eine Mischung aus Glas, Holz und Trapezblechfassade.

„Die Vorfreude wächst“

„Die Vorfreude wächst“, schwärmt Eva Geiler von dem, was an diesem Platz in den kommenden zehn Jahren entstehen wird. Unter anderem bekommt das Staatstheater endlich sein „Kleines Haus“, auf das beim Bau des Gebäudes in den 1970er Jahren noch aus Kostengründen verzichtet worden war. Später folgen Um- und Ausbau bei laufendem Betrieb. Ganz am Ende soll sich ein großzügiges, ganztägig geöffnetes Foyer in Richtung Ettlinger Tor erstrecken, das den Karlsruhern und den Besuchern der Stadt als nichtkommerzieller Freiraum dienen soll – mit W-Lan, Wickelstation und einem Café. Die Stadt, da ist sich Geiler ganz sicher, wird dann um eine Attraktion reicher sein. Der Wettbewerb für die Neugestaltung des Außenbereichs läuft bereits.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Im Moment spielen mal wieder die Kosten eine Rolle. Vor genau sieben Jahren hatte der Gemeinderat einer Generalsanierung zugestimmt, wobei damals mit rund 125 Millionen Euro Kosten gerechnet wurde. Offiziell geht man heute von 400 bis 500 Millionen Euro aus, die sich Stadt und Land hälftig teilen. Seit einigen Tagen macht allerdings eine Summe von 750 Millionen Euro die Runde. Laut einem Bericht des SWR will die CDU-Gemeinderatsfraktion deshalb sogar einen Baustopp fordern. Noch weiter geht die Wählervereinigung „Für Karlsruhe“, die einen kompletten Neubau ins Spiel bringt.

Kostenexplosion auf 750 Millionen Euro?

Für Geiler sind die neuen Diskussionen das falsche Signal. Woher die kolportierten 750 Millionen kommen, sei ein Rätsel. Mit einem Baustopp die Aufbruchstimmung am Theater abzuwürgen, wäre der falsche Weg, argumentiert sie.

Der Blick geht nach vorne. Mit Inbetriebnahme des neuen Entrees kann das alte abgerissen werden und Platz machen für das künftige Kleine Haus, das in ungefähr fünf Jahren als erste der neuen Spielstätten seinen Betrieb aufnehmen soll. Dies wiederum würde die nächste von insgesamt drei Bauphasen einläuten. Der bisher als „Kleines Haus“ bezeichnete Gebäudeteil soll komplett entkernt werden, Proberäume, Ballett und musikalischer Bereich sollen dort künftig untergebracht sein. Drei neue Bühnen sollen entstehen.

Die aktuellen Informationen zum Bauablauf soll es künftig nun also im „K.“ geben, dem vorläufig der Abriss erspart und eine neue Aufgabe zuteil wird. „Kasse und Kommunikation“ wird im doppelten „K.“ geboten, freut sich Winkel über die Nachnutzung am gleichen Ort. Das erspart der Kasig die Abrisskosten und das Staatstheater bekommt ein preiswertes Ausweichquartier. Was auch Architekt Christian Fischer-Wasels freut. Denn ein Gebäude abzureißen, das mit zwei Architekturpreisen ausgezeichnet wurde, falle immer schwer.

Das neue Foyer wächst aus der Erde und lässt die Baufortschritte erkennen. Foto: Winfried Heck

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Das neue Foyer wächst aus der Erde und lässt die Baufortschritte erkennen. Foto: Winfried Heck

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Winfried Heck

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Erstellt:
21. Januar 2021, 06:00 Uhr
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