Zwetschgenfest erneut abgesagt

Bühl (sga) – Und wieder ist es so weit: Das Fest um die blaue Frucht ist am Mittwoch abgesagt worden. Auch die Sommerkonzerte werden nicht stattfinden. Die Alternative: „Kultur im Klappstuhl“.

Die Zwetschgenkönigin wird auch im September 2021 nicht winken können: Die Stadtverwaltung hat am Mittwoch ihre Entscheidung bekannt gegeben. Foto: Bernhard Margull/Archiv

© bema

Die Zwetschgenkönigin wird auch im September 2021 nicht winken können: Die Stadtverwaltung hat am Mittwoch ihre Entscheidung bekannt gegeben. Foto: Bernhard Margull/Archiv

Es ist keine leichte Entscheidung gewesen, aber sie musste sein: Das Zwetschgenfest wird auch in diesem Jahr nicht stattfinden können. Insbesondere Oberbürgermeister Hubert Schnurr bedauert die Absage, die am Mittwoch bekannt gegeben wurde, sehr. Doch die Gefahr, etwas auf die Beine zu stellen, das spontan dann doch nicht realisierbar ist, sei zu groß.

Zwar sei die Stadtverwaltung aufgrund der seit bereits über einem Jahr anhaltenden Pandemie nahezu gezwungen, oftmals spontan und flexibel zu reagieren. Doch hinter einem Fest wie diesem stünden zu viele Dinge, die im Vorhinein abgeklärt werden müssen – „und zu viele Menschen, die langfristig planen müssen, sind darin involviert“, wie Klaus Dürk weiß. Auch für den Leiter des Fachbereichs Bildung, Kultur und Generationen war die Entscheidung keine einfache: „Aber wir müssen realistisch sein.“

Schlichtweg nicht wirtschaftlich

Und realistisch sei es eben nicht, mit gutem Willen ein Fest zu organisieren, von dem noch nicht mal klar ist, ob es coronabedingt überhaupt stattfinden kann. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit Festwirt Jürgen Kohler gefallen, nachdem man sich in den vergangenen Wochen mehrmals dazu ausgetauscht hatte. Und nicht nur das Zwetschgenfest ist abgesagt: auch auf den Kultursommer mit Konzerten auf dem Europaplatz müssen die Bühler in diesem Jahr nochmals verzichten.

Trotz der Enttäuschung von Bürgern und Verantwortlichen darüber, die süße blaue Frucht erneut nicht feiern zu können, sei der wirtschaftliche Aspekt einfach nicht gegeben: „Wir können kein Festzelt aufbauen, das am Ende dann nur mit einem Drittel der Leute gefüllt werden kann.“ Es sei schlichtweg nicht möglich und auch nicht rentabel, bis „kurz vor knapp“ mit einer Zu- oder Absage des Fests zu warten – zumal es bei der Organisation von Veranstaltungen in solchen Dimensionen viel Vorlaufzeit braucht, die aufgrund der sich immer wieder ändernden Infektionszahlen nicht gegeben ist.

Veranstaltungen unter freiem Himmel

Dem OB jedenfalls „blutet das Herz“, doch er weiß auch: Die Stadt Bühl lebt von Kultur. Eine bereits ausgearbeitete Alternative trägt den Namen „Kultur im Klappstuhl“ – ein ungezwungener, coronakonformer Wiedereinstieg in die Kultur, wie es die Stadt schreibt. Bereits ab Juni sollen an unterschiedlichen Orten mehrere Veranstaltungen unter freiem Himmel stattfinden.

Der Name ist dabei programm, denn ihre Sitzgelegenheiten sollen die Besucher selbst mitbringen. „Das hat schon einen ganz besonderen Charme“, wie Bürgermeister Wolfgang Jokerst findet. Den Startschuss des Kulturprogramms soll Jörg Kräuter am 25. Juni auf der Burg Windeck machen. Im Anschluss werden verschiedene Bereiche für Groß und Klein angeboten: vom DJ-Event über Live-Musik und Comedy bis hin zu einem Poetry-Slam-Wettbewerb und einer Lesung. Für die Kleinen ist sogar ein Märchenerzähler geplant. Und auch für die Verpflegung vor Ort ist laut Dürk gesorgt: „Die Besucher werden die Möglichkeit haben, sich vorgerichtete Picknickkörbe zu bestellen.“

„Kunst im Friedrichsbau“ wird fortgesetzt

Ob das Programm wie geplant stattfinden kann, hängt laut Julia Huber stark von den Inzidenzwerten, jedoch auch vom Wetter ab. Die Leiterin der Abteilung Kultur, Sport und Generationenarbeit stellt klar: „Sollte es regnen, werden wir absagen müssen.“ In diesem Fall könne auch der Preis der Eintrittskarten, die nach den Pfingstferien erhältlich sein werden, nicht zurückerstattet werden. Denn die erzielten Einnahmen sollen für wohltätige Zwecke genutzt werden.

Zu dem Programm „Kultur im Klappstuhl“ soll die Reihe „Kunst im Friedrichsbau“ fortgesetzt werden. Die Ausstellung mit Stefanie Gerhardt, die 2008 ihr Studium an der staatlichen Akademie der bildenden Künste Karlsruhe als Meisterschülerin von Professor Leni Hoffmann abgeschlossen hat, ist für den 16. Juli bis

8. August vorgesehen. Fest eingeplant ist laut Mitteilung der Stadt auch wieder ein Open-Air-Kino in Weitenung, das im Außengelände der Rheintalhalle stattfinden wird. So fällt das Zwetschgenfest zwar zum zweiten mal aus – doch ohne Kultur muss Bühl nicht auskommen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

Zum Artikel

Erstellt:
14. Mai 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.