Zwischen Hollywood und Rotenfels

Gaggenau (er) – Als preisgekrönter Kameramann ist Markus Förderer einer der Großen in seiner Branche. Er ist in der Welt zu Hause, dennoch kommt er immer wieder gerne in seine Heimat Gaggenau zurück.

Nur noch selten sitzt Markus Förderer (Jahrgang 1983) auf dem Bänkle vor dem Elternhaus in Bad Rotenfels. Foto: Elke Rohwer

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Nur noch selten sitzt Markus Förderer (Jahrgang 1983) auf dem Bänkle vor dem Elternhaus in Bad Rotenfels. Foto: Elke Rohwer

Markus Förderer ist ein viel beschäftigter Kameramann. Nach seiner bemerkenswerten Arbeit für Roland Emmerichs „Stonewall“ und „Independence Day – Die Wiederkehr“ wurde er kürzlich für seine Leistung bei Tim Fehlbaums Film „Tides“ in der Sparte „Beste Kamera“ mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Seit 2015 ist Los Angeles Förderers Lebensmittelpunkt. Doch gerne kommt er wie vor ein paar Tagen mit seiner Frau Julie auf Familienbesuch nach Bad Rotenfels. Dort traf ihn Elke Rohwer zum Interview über seine Arbeit am Endzeitfilm „Tides“, über die Zusammenarbeit mit Promis und über künftige Projekte.

BT: Herr Förderer, wenn Sie an Heimat denken, was fällt Ihnen spontan dazu ein?
Markus Förderer: Erde (lacht). In Kalifornien fühle ich mich sehr wohl. Aber natürlich freue ich mich, wenn ich nach Berlin, München oder auch nach Bad Rotenfels komme. Diese Mischung finde ich gut. Für mich ist es wichtig, nicht zu lange an einem Ort zu bleiben. Durch die Dreharbeiten bin ich viel unterwegs – zum Beispiel in Kanada, Atlanta, aber auch Osteuropa und England.

BT: Durch Ihre Arbeit haben Sie viel mit prominenten Schauspielern zu tun. Ist das für Sie noch etwas Besonderes?
Förderer: Das sind auch nur Menschen wie du und ich. Dennoch ist es beeindruckend, mit Schauspielern zu arbeiten, die schon lange im Geschäft sind. Sie brauchen oft nur einen Take, während unerfahrene Schauspieler länger brauchen, um sich in ihre Rolle hineinzufinden. Viele der großen Schauspieler haben oft nur wenige Stunden Zeit zum Drehen. Dann ist es wichtig, dass alles perfekt vorbereitet ist und man es schafft, den Stoff eines ganzen Drehtages in bester Qualität in dieser kurzen Zeit zu schaffen. Bei großen Filmen muss die Arbeit sehr schnell gehen, da kostet jede Minute mehrere zehntausend Euro.

Das Auge des Regisseurs

BT: Als Director of Photography, wie Ihr Beruf im Ausland heißt, sind Sie so etwas wie das „Auge des Regisseurs“.
Förderer: Ja, im Prinzip geht es bei meiner Arbeit darum, die Gedanken des Regisseurs zu lesen. Bilder zu finden, die dem Regisseur gefallen würden – auch wenn er sie noch gar nicht vor Augen hat – ohne dabei Motive zu verwenden, die bereits in anderen Filmen vorkamen. Dafür muss man mit dem persönlichen Stil des Regisseurs vertraut sein. Roland Emmerich zum Beispiel mag es sehr dunkel in seinen Filmen, andere wollen strahlende Farben oder bestimmte Kamerabewegungen. Während des Drehs sitze ich meistens neben dem Regisseur und bin über Funk mit der Kamera- und Lichttechnik verbunden. Bei manchen Drehs greife ich auch selbst zur Kamera.

BT: Vor Kurzem wurden Sie mit dem Bayerischen Filmpreis für den Film „Tides“ ausgezeichnet, der voraussichtlich im August in den deutschen Kinos anlaufen wird. Wie war die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Regisseur Tim Fehlbaum?
Förderer: Wir waren zusammen auf der gleichen Filmhochschule in München. „Tides“ war nach „Hell“ unser zweiter gemeinsamer Film. Die Zusammenarbeit war gut. In „Tides“ geht es um Klimawandel, es ist ein postapokalyptischer Stoff. Die Dreharbeiten waren sehr aufwendig, weil es die erzählte Filmwelt in der Realität nicht gibt. Das war eine Herausforderung. Gedreht haben wir unter anderem im Watt in Norddeutschland, manches haben wir aber auch in verschiedenen Studios nachgebaut.

Beste Aussichten: Der Film „Tides“ kommt am 26. August in die Kinos. Zu sehen ist er bereits am 7. Juli beim Filmfest in München. Foto: Constantin Film

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Beste Aussichten: Der Film „Tides“ kommt am 26. August in die Kinos. Zu sehen ist er bereits am 7. Juli beim Filmfest in München. Foto: Constantin Film

Förderer: „Komödien momentan nicht mein Metier“

BT: Wie schon Ihre letzten Projekte ist „Tides“ thematisch ein eher düsterer Film.
Förderer: Ja, das stimmt. Leichte Komödien sind momentan nicht mein Metier. Man muss immer etwas finden, dass einen fasziniert, damit man seine Energie auch entsprechend reinstecken kann.

BT: Worin unterscheiden sich die amerikanische und die deutsche Filmbranche?
Förderer: Gerade in den letzten Jahren hat sich die deutsche Filmbranche sehr an die amerikanische angeglichen, was auch auf die Erfahrungen der international agierenden Filmcrews zurückzuführen ist. Handwerklich gibt es in Deutschland sehr viele gute Filmleute. In den USA werden Filme produziert wie in der Fabrik Waren vom Band laufen. Deutsche Produzenten vertreten tendenziell die Meinung, dass es sich nicht lohnt, einen 200 Millionen-Euro-Film zu machen, weil sich die Kosten im deutschsprachigen Raum nicht einspielen würden. Durch die Streamingdienste werden deutsche Filme aber mittlerweile weltweit mit Untertiteln gesehen. Früher hat Hollywood den Rest der Welt bedient. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass sich das etwas demokratisiert.

BT: Welche Projekte stehen für Sie dieses Jahr noch an?
Förderer: Dieses Jahr kommt noch ein Film von Rawson Thurber mit dem Titel „Red Notice“. Hierfür laufen gerade die Vorarbeiten. Meistens arbeite ich an zwei bis drei Projekten parallel, weil man nie weiß, ob ein Film zum geplanten Zeitpunkt wirklich realisiert wird. Dafür müssen viele Faktoren zusammenpassen.

www.markusforderer.com

www.constantin-film.de/kino/tides

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Erstellt:
14. Juni 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 23sec

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