Zwischen den Bauwerken Naturidylle erleben

Baden-Baden/Bühl/Sinzheim (cn) – Der etwas andere Ausflug im Frühling: Auf dieser hier vorgestellten Radtour geht es von Rückhaltebecken zu Rückhaltebecken im Baden-Badener Rebland und Sinzheim.

Noch nicht alt: Das neueste Rückhaltebecken – HRB Nr. 6 – befindet sich zwischen Varnhalt und Sinzheim. Foto: Christina Nickweiler

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Noch nicht alt: Das neueste Rückhaltebecken – HRB Nr. 6 – befindet sich zwischen Varnhalt und Sinzheim. Foto: Christina Nickweiler

Hochwasserrückhaltebecken liegen scheinbar unbedeutend in der Landschaft und verrichten ihren Dienst abseits von der Öffentlichkeit. Ihre Unterhaltung kostet sehr viel Geld, aber ohne diesen Hochwasserschutz könnte jede längere Regenperiode eine Katastrophe werden. Grund genug, die Bauwerke mit oft ausgeklügelter Technik pünktlich zum Osterfest mit einer Radtour zu würdigen.

Mindestens sechs Hochwasserrückhaltebecken gibt es zwischen Sinzheim und Bühl, die sich bei einer Fahrradtour auch für Ungeübte problemlos in der Ebene besichtigen lassen. Der Rundkurs von rund 20 Kilometern kann von jedem Punkt aus begonnen werden und bietet eine ideale Gelegenheit für einen Familienausflug mit dem Fahrrad.

Empfehlung: Von Norden nach Süden fahren

Um entspannt die Natur auf dem Rad genießen zu können, empfiehlt es sich, die Tour beispielsweise von Sinzheim aus von nördlicher in südlicher Richtung westlich der alten B3 und abseits des Verkehrs zu beginnen. Von Bühl aus bietet sich an, zunächst die direkt am Fuße der Rebberge befindlichen Rückhaltebecken über Eisental, Steinbach, Varnhalt und Sinzheim zu erkunden.

Wer die Fahrradtour beispielsweise in Bühl beginnt, der wird über den Wirtschaftsweg unter dem Autobahnzubringer, vorbei am Carl-Netter-Aussichtsturm nach Eisental geleitet. Von dort führt der Weg mit einem Anstieg ein Stück in die Eisentaler Reben. Nach dem Erklimmen der Anhöhe, bietet der Eselsweg mit einem lang gezogenen Gefälle in Richtung Steinbach, vorbei an blühenden Obstbäumen eine erste Erholungsphase. Dort befindet sich das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Nr. 4 des Hochwasserzweckverbandes Bühl, Sinzheim, Steinbach. Es liegt so unscheinbar in der Landschaft, dass nur die Oberfläche des Wirtschaftsweges, die mit flachen Bruchsteinen gepflastert ist, darauf schließen lässt, dass sich hier in der Nähe ein spezielles Bauwerk verbirgt.

Wie eine Mondlandschaft wirkt die Schotterstrecke, die zum Beckendamm hochführt. Die Schottersteine dienen im Falle eines Hochwassers als Bremse. Innerhalb des Beckens wächst für diesen Landstrich unübliches Schilf. Ein Stück davor ist das Betonbauwerk mit dem Schutzgeländer und dem Rechen zu sehen. Der graue Beton setzt farblich einen starken Kontrast zu der Umgebung. Im Hintergrund ragt der Schartenberg majestätisch hervor.

Leichte Berg- und Talfahrt

Unweit davon rundet ein mehr als 120 Jahre altes Wegkreuz die Idylle ab. Ein Ort, der weitaus länger zurück in die Vergangenheit verweist, ist der Gedenkstein am Galgenbosch, der sich nördlich von Steinbach nach dem Schützenhaus auf der alten Landstraße in Richtung Sinzheim auf der rechten Seite befindet. Das Denkmal erinnert an mehrere Dutzend Personen, die in der Zeit von 1628 bis 1630 an der Hinrichtungsstätte Galgenbosch im Zuge der „Hexenprozesse“ des Amtes Steinbach verbrannt worden waren.

Wenige Meter weiter bietet jetzt in den ersten Frühjahrstagen das allerneueste Bauwerk des Zweckverbandes, das HRB Nr. 6, mit dem rauschenden Wasser aus dem Grünbachtal eine beeindruckende Geräuschkulisse.

Auf der Tour gilt es nicht nur Bauwerke zu entdecken, sondern auch die Natur zu genießen. Foto. Christina Nickweiler

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Auf der Tour gilt es nicht nur Bauwerke zu entdecken, sondern auch die Natur zu genießen. Foto. Christina Nickweiler

Das Vorläufermodell ist mit Moos überwuchert und lässt sich in unmittelbarer Nähe entdecken. Gleich im Anschluss setzt sich in Richtung Sinzheim der beim Steinbacher Schützenhaus unterbrochene Radweg wieder fort. Eine leichte Berg- und Talfahrt lotst die Ausflügler durch einen Landstrich, wo sich Wiesen, kurze Waldflächen und Streuobstwiesen abwechseln. Wer hier die Ohren spitzt, der kann der Melodie des Frühlings durch die Lockrufe der Vögel besonders gut nachspüren. Apropos Vögel und Federvieh: Passend zum Osterfest kann es gut sein, dass Ausflügler auf dem Weg zum HRB Nr. 14 auf Sinzheimer Gemarkung einigen frei laufenden Hühnern begegnen.

Bäume weisen den Weg

Geradezu mystisch mutet das Rückhaltebecken an, dessen Innenfläche mit der saftig grünen Farbe der Wiesen hinter einem Waldstück im Sonnenlicht besonders stark leuchtet. Das Waldstück selbst stellt sich dem Betrachter wie ein Bannwald dar, wo umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste der Natur überlassen werden und Tieren Rückzugsorte bieten. Die alte B3 lässt sich für Passanten mit einer Ampelanlage an der Kreuzung sicher überqueren, sodass der Rundkurs in Richtung Süden fortgesetzt werden kann.

Für die Radausflügler aus Sinzheim oder aus Richtung Baden-Baden markiert das Wegkreuz hier den Punkt die Tour zu beginnen. Das erste Rückhaltebecken zwischen alter B3 und Bahnschienen in den Korbflechtmatten ist das HRB Nr. 11. Wie eine Allee muten die Bäume entlang des Mührichbachs an und weisen den Weg, wo sich das Rückhaltebecken befindet. Der Beckendamm selbst ist eine beliebte Strecke bei Spaziergängern, führt dieser Weg entlang der Bahnstrecke doch direkt ins Naturschutzgebiet. Das Bauwerk aus dem Jahr 2005 fällt durch den wuchtigen Rechen ins Auge und lässt den Betrachter daneben wie einen Winzling erscheinen. Bei Hochwasser wird der Wasserfluss unter den Bahnschienen durchgelenkt.

Kleindenkmäler verschaffen Abwechslung.. Foto: Christina Nickweiler

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Kleindenkmäler verschaffen Abwechslung.. Foto: Christina Nickweiler

Der Rad- und Wirtschaftsweg führt dann vorbei am Steinbacher Hundesportplatz und dem Gewerbegebiet direkt auf den Flutkanal des Steinbachs. Jedoch gibt es für Fußgänger und Radfahrer erst an der Karcher-Kreuzung per Ampelschaltung eine sichere Überquerung, um auf den Wirtschaftsweg in Richtung Bühl überzusetzen. Bei der nächsten Möglichkeit gilt es, rechts auf einen Radweg einzubiegen, um zum HRB Nr. 7 am Schöttlinggraben zu gelangen. Vorbei am Eisentaler Hundesportplatz krönt gegenüber dem Schützenhaus das mächtige und größte Retentionsbecken Nr.10 den Abschluss des Rundkurses. Das Radstreckennetz führt die Radler entweder zurück nach Bühl oder bei Müllenbach über Eisental nach Steinbach und Sinzheim.

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Erstellt:
5. April 2021, 10:29 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 38sec

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